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SIEBTES KAPITEL

Wissen vom Absoluten

Text

śrī-bhagavān uvāca
mayy āsakta-manāḥ pārtha
yogaṁ yuñjan mad-āśrayaḥ
asaṁśayaṁ samagraṁ māṁ
yathā jñāsyasi tac chṛṇu

Synonyms

śrī-bhagavān uvāca — der Höchste Herr sprach; mayi — an Mich; āsakta-manāḥ — mit angehaftetem Geist; pārtha — o Sohn Pṛthās; yogam — Selbstverwirklichung; yuñjan — ausübend; mat-āśrayaḥ — im Bewußtsein über Mich (Kṛṣṇa-Bewußtsein); asaṁśayam — ohne Zweifel; samagram — vollständig; mām — Mich; yathā — wie; jñāsyasi — du kannst kennen; tat — dies; śrnu — höre.

Translation

Die Höchste Persönlichkeit Gottes sprach: Höre nun, O Sohn Pṛthās, wie du Mich, frei von allen Zweifeln, vollständig erkennen kannst, indem du, völlig über Mich bewußt und den Geist auf Mich gerichtet, yoga praktizierst.

Purport

ERLÄUTERUNG: Im Siebten Kapitel der Bhagavad-gītā wird das Wesen des Kṛṣṇa-Bewußtseins umfassend beschrieben. Kṛṣṇa besitzt alle Füllen in Vollkommenheit, und hier wird beschrieben, wie Er diese Füllen entfaltet. Ein weiteres Thema des Siebten Kapitels sind die vier Arten vom Glück begünstigter Menschen, die sich Kṛṣṇa nähern, und die vier Arten unglückseliger Menschen, die sich Kṛṣṇa niemals zuwenden.

In den ersten sechs Kapiteln der Bhagavad-gītā ist das Lebewesen als nichtmaterielle, spirituelle Seele beschrieben worden, die durch verschiedene Arten von yoga Selbstverwirklichung erreichen kann. Am Ende des Sechsten Kapitels wurde ausdrücklich erklärt, daß die beständige Konzentration des Geistes auf Kṛṣṇa – mit anderen Worten, Kṛṣṇa-Bewußtsein – die höchste Form aller yoga-Vorgänge darstellt. Nur wenn man den Geist auf Kṛṣṇa richtet, und nicht auf andere Weise, kann man die Absolute Wahrheit vollständig erkennen. Die Erkenntnis des unpersönlichen brahmajyoti oder des lokalisierten Paramātmā ist nicht vollkommen, denn dies stellt nur eine Teilerkenntnis der Absoluten Wahrheit dar. Vollkommenes und wissenschaftliches Wissen ist in Kṛṣṇa zu finden, und jedem, der Kṛṣṇa-Bewußtsein entwickelt, wird alles offenbart. Auf der Stufe des vollständigen Kṛṣṇa-Bewußtseins erkennt man, daß Kṛṣṇa das endgültige Wissen jenseits aller Zweifel ist. Die verschiedenen Formen des yoga sind nichts weiter als Stufen auf dem Pfad zum Kṛṣṇa-Bewußtsein. Jemand, der sich direkt dem Kṛṣṇa- Bewußtsein zuwendet, besitzt automatisch vollständiges Wissen über das brahmajyoti und den Paramātmā. Wenn man den yoga des Kṛṣṇa- Bewußtseins praktiziert, kann man alles in Vollkommenheit erkennen – die Absolute Wahrheit, die Lebewesen, die materielle Natur und ihre Manifestationen mit allem, was dazugehört.

Man sollte sich deshalb demjenigen yoga-Pfad zuwenden, der im letzten Vers des Sechsten Kapitels beschrieben wird. Es ist möglich, den Geist auf Kṛṣṇa, den Höchsten, zu richten, wenn man den Vorschriften des hingebungsvollen Dienstes folgt, der sich in neun verschiedene Vorgänge unterteilen läßt, von denen śravaṇam der erste und wichtigste ist. Aus diesem Grund sagt der Herr zu Arjuna: „Höre von Mir“ (tac chṛṇu). Niemand kann eine größere Autorität sein als Kṛṣṇa, und von Ihm zu hören bietet einem deshalb die größte Möglichkeit, im Kṛṣṇa- Bewußtsein die Vollkommenheit zu erreichen. Man muß deshalb direkt von Kṛṣṇa oder von einem reinen Geweihten Kṛṣṇas Wissen empfangen – und auf keinen Fall von einem Nichtgottgeweihten und Emporkömmling, der auf seine akademische Ausbildung stolz ist.

Das Śrīmad-Bhāgavatam beschreibt im Zweiten Kapitel des Ersten Cantos diesen Vorgang, durch den man Kṛṣṇa, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Absolute Wahrheit, erkennen kann, wie folgt:

śṛṇvatāṁ sva-kathāḥ kṛṣṇaḥ
puṇya-śravaṇa-kīrtanaḥ
hṛdy antaḥ-stho hy abhadrāṇi
vidhunoti suhṛt satām
naṣṭa-prāyeṣv abhadreṣu
nityaṁ bhāgavata-sevayā
bhagavaty uttama-śloke
bhaktir bhavati naiṣṭhikī
tadā rajas-tamo-bhāvāḥ
kāma-lobhādayaś ca ye
ceta etair anāviddhaṁ
sthitaṁ sattve prasīdati
evaṁ prasanna-manaso
bhagavad-bhakti-yogataḥ
bhagavat-tattva-vijñānaṁ
mukta-saṅgasya jāyate
bhidyate hṛdaya-granthiś
chidyante sarva-saṁśayāḥ
kṣīyante cāsya karmāṇi
dṛṣṭa evātmanīśvare

„Aus den vedischen Schriften über Kṛṣṇa oder aus der Bhagavad-gītā direkt von Kṛṣṇa zu hören ist in sich selbst eine fromme Tätigkeit. Wenn ein Gottgeweihter ständig damit beschäftigt ist, über Kṛṣṇa zu hören, offenbart Sich ihm Śrī Kṛṣṇa, der im Herzen eines jeden weilt, als höchster wohlmeinender Freund und läutert ihn von innen. So entwickelt der Gottgeweihte auf natürliche Weise sein schlummerndes transzendentales Wissen. Je mehr er aus dem Bhāgavatam und von den Gottgeweihten über Kṛṣṇa hört, desto mehr wird er im hingebungsvollen Dienst des Herrn gefestigt. Wenn man hingebungsvollen Dienst entwickelt, wird man von den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit frei, und materielle Lust und Habgier lassen nach. Wenn diese Unreinheiten fortgewaschen sind, bleibt der angehende Transzendentalist fest auf der Ebene reiner Tugend verankert, er wird durch hingebungsvollen Dienst belebt und versteht die Wissenschaft von Gott vollkommen. So durchtrennt bhakti-yoga den festen Knoten materieller Anhaftung und befähigt den Gottgeweihten, sogleich die Stufe von asaṁśayaṁ samagram zu erreichen, auf der man die Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes, versteht.“ (Śrīmad-Bhāgavatam 1.2.17–21)

Deshalb kann man die Wissenschaft von Kṛṣṇa nur verstehen, wenn man von Kṛṣṇa oder Seinem Kṛṣṇa-bewußten Geweihten hört.

Text

jñānaṁ te ’haṁ sa-vijñānam
idaṁ vakṣyāmy aśeṣataḥ
yaj jñātvā neha bhūyo ’nyaj
jñātavyam avaśiṣyate

Synonyms

jñānam — phänomenales Wissen; te — dir: aham – Ich; sa — mit; vijñānam — numinoses Wissen; idam — dieses; vakṣyāmi — werde erklären; aśeṣataḥ — vollständig; yat — welches; jñātvā — kennend; na — nicht; iha — in dieser Welt; bhūyaḥ — weiter; anyat — irgend etwas mehr; jñātavyam — zu erkennen; avaśiṣyate — bleibt.

Translation

Ich werde dir nun dieses phänomenale und numinose Wissen in seiner ganzen Fülle erklären, und wenn du es verstanden hast, wird es für dich nichts mehr zu erkennen geben.

Purport

ERLÄUTERUNG: Vollständiges Wissen umfaßt Wissen über die phänomenale Welt, die spirituelle Natur hinter ihr und den Ursprung von beidem. Vollständiges Wissen bedeutet daher transzendentales Wissen. Der Herr möchte das oben erwähnte System des Wissens Arjuna erklären, weil dieser Sein vertrauter Geweihter und Freund ist. Der Herr hat dies bereits zu Beginn des Vierten Kapitels erklärt, und hier bestätigt Er es erneut: Nur ein Gottgeweihter in der Schülernachfolge, die direkt vom Herrn ausgeht, kann vollkommenes Wissen erlangen. Deshalb sollte man so intelligent sein, nach der Quelle allen Wissens zu suchen, die die Ursache aller Ursachen und das einzige Meditationsobjekt bei allen yoga-Vorgängen ist. Wenn man die Ursache aller Ursachen erkennt, kennt man alles, was es zu erkennen gibt, und nichts bleibt unerkannt. In den Veden (Muṇḍaka Upaniṣad 1.1.3) heißt es: kasminn u bhagavo vijñāte sarvam idam vijñātaṁ bhavatīti.

Text

manuṣyāṇāṁ sahasreṣu
kaścid yatati siddhaye
yatatām api siddhānāṁ
kaścin māṁ vetti tattvataḥ

Synonyms

manuṣyāṇām — von Menschen; sahasreṣu — von vielen Tausenden; kaścit — einer; yatati — bemüht sich; siddhaye — um Vollkommenheit; yatatām — von denen, die sich so bemühen; api — tatsächlich; siddhānām — von denen, die die Vollkommenheit erreicht haben; kaścit — einer; mām — Mich; vetti — kennt; tattvataḥ — in Wahrheit.

Translation

Unter vielen Tausenden von Menschen bemüht sich vielleicht einer um Vollkommenheit, und von denen, die die Vollkommenheit erreicht haben, kennt kaum einer Mich in Wahrheit.

Purport

ERLÄUTERUNG: Es gibt verschiedene Klassen von Menschen, und unter vielen Tausenden ist vielleicht einer in solchem Maße an transzendentaler Verwirklichung interessiert, daß er zu verstehen versucht, was das Selbst, was der Körper und was die Absolute Wahrheit ist. Im allgemeinen gehen die Menschen nur den tierischen Neigungen nach, das heißt Essen, Schlafen, Verteidigung und Fortpflanzung, und kaum einer ist an transzendentalem Wissen interessiert. Die ersten sechs Kapitel der Gītā sind für diejenigen bestimmt, die sich für transzendentales Wissen interessieren, das heißt für das Selbst, das Überselbst und für den Vorgang, durch jñāna-yoga, durch dhyāna-yoga und durch die Unterscheidung des Selbst von der Materie Wissen zu entwickeln. Kṛṣṇa jedoch kann nur von denen erkannt werden, die Kṛṣṇa-bewußt sind. Andere Transzendentalisten erreichen vielleicht die unpersönliche Brahman-Erkenntnis, denn dies ist einfacher, als Kṛṣṇa zu verstehen. Kṛṣṇa ist die Höchste Person, aber gleichzeitig befindet Er Sich jenseits der Brahman- und Paramātmā-Erkenntnis. Was die yogīs und jñānīs betrifft, so sind sie völlig verwirrt, wenn sie versuchen, Kṛṣṇa zu verstehen. Zwar hat der größte Unpersönlichkeitsphilosoph, Śrīpāda Śaṅkarācārya, in seinem Kommentar zur Gītā anerkannt, daß Kṛṣṇa die Höchste Persönlichkeit Gottes ist, doch seine Anhänger erkennen Kṛṣṇa nicht auf diese Weise an, da es äußerst schwierig ist, Kṛṣṇa zu verstehen, selbst wenn man die transzendentale Erkenntnis des unpersönlichen Brahman erreicht hat.

Kṛṣṇa ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Ursache aller Ursachen, der urerste Herr, Govinda. Īśvaraḥ paramaḥ kṛṣṇaḥ sac-cid-ānanda-vigrahaḥ/ anādir ādir govindaḥ sarva-kāraṇa-kāraṇam. Den Nichtgottgeweihten fällt es sehr schwer, Kṛṣṇa zu verstehen. Zwar behaupten sie, der Pfad des hingebungsvollen Dienstes, bhakti-yoga, sei sehr einfach, aber sie selbst sind unfähig, ihn zu praktizieren. Wenn der Pfad der bhakti tatsächlich so einfach ist, wie diese Menschen behaupten, muß man sich fragen, warum sie dann dem schwierigen Pfad folgen. Im Grunde ist der bhakti-Pfad nicht einfach. Der sogenannte bhakti-yoga, wie er von unautorisierten Personen, die kein Wissen über bhakti haben, praktiziert wird, mag einfach sein, doch wenn es darum geht, tatsächlich nach den Regeln und Vorschriften des hingebungsvollen Dienstes zu leben, verlassen diese spekulierenden Gelehrten und Philosophen den Pfad. Śrīla Rūpa Gosvāmī schreibt in seinem Bhakti-rasāmṛta-sindhu (1.2.101):

śruti-smṛti-purāṇādi-
pañcarātra-vidhiṁ vinā
aikāntikī harer bhaktir
utpātāyaiva kalpate

„Hingebungsvoller Dienst für den Herrn, der sich nicht nach den autorisierten vedischen Schriften, wie den Upaniṣaden, den Purāṇas und dem Nārada Pañcarātra, richtet, ist nur eine unnötige Störung in der Gesellschaft.“

Für den Brahman-verwirklichten Unpersönlichkeitsanhänger oder den Paramātmā-verwirklichten yogī ist es nicht möglich, Kṛṣṇa, die Höchste Persönlichkeit Gottes, als den Sohn Mutter Yaśodās oder den Wagenlenker Arjunas zu verstehen. Selbst die großen Halbgötter sind manchmal verwirrt und können Kṛṣṇa nicht verstehen (muhyanti yat sūrayaḥ). In diesem Zusammenhang sagt der Herr: māṁ tu veda na kaścana. „Niemand kennt Mich so, wie Ich bin.“ Und über denjenigen, der Kṛṣṇa tatsächlich kennt, heißt es: sa mahātmā su-durlabhaḥ. „Solch eine große Seele ist sehr selten.“ Solange man also keinen hingebungsvollen Dienst für den Herrn ausführt, kann man selbst als großer Gelehrter oder Philosoph Kṛṣṇa nicht so verstehen, wie Er ist (tattvataḥ). Nur die reinen Gottgeweihten können ein gewisses Ausmaß von den unbegreiflichen transzendentalen Eigenschaften Kṛṣṇas, der Ursache aller Ursachen, verstehen – von Seiner Allmacht und Seinen Füllen, Seinem Reichtum, Seinem Ruhm, Seiner Stärke, Seiner Schönheit, Seinem Wissen und Seiner Entsagung –, denn Kṛṣṇa ist Seinen Geweihten wohlgesonnen. Er ist der höchste Aspekt der Brahman- Erkenntnis, und allein die Gottgeweihten können Ihn so erkennen, wie Er ist. Deshalb heißt es:

ataḥ śrī-kṛṣṇa-nāmādi
na bhaved grāhyam indriyaiḥ
sevonmukhe hi jihvādau
svayam eva sphuraty adaḥ

„Niemand kann mit seinen stumpfen materiellen Sinnen Kṛṣṇa so verstehen, wie Er ist. Den Gottgeweihten aber offenbart Er Sich, da Er an ihnen Wohlgefallen findet, weil sie Ihm transzendentalen liebevollen Dienst darbringen.“ (Bhakti-rasāmṛta-sindhu 1.2.234)

Text

bhūmir āpo ’nalo vāyuḥ
khaṁ mano buddhir eva ca
ahaṅkāra itīyaṁ me
bhinnā prakṛtir aṣṭadhā

Synonyms

bhūmiḥ — Erde; āpaḥ — Wasser; analaḥ — Feuer; vāyuḥ — Luft; kham — Äther; manaḥ — Geist; buddhiḥ — Intelligenz; eva — gewiß; ca — und; ahaṅkāraḥ — falsches Ego; iti — auf diese Weise; iyam — all diese; me — Meine; bhinnā — abgesonderten; prakṛtiḥ — Energien; aṣṭadhā — achtfach.

Translation

Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego – all diese acht Elemente bilden zusammen Meine abgesonderten, materiellen Energien.

Purport

ERLÄUTERUNG: Die Wissenschaft von Gott analysiert die wesensgemäße Stellung Gottes und Seiner vielfältigen Energien. Die materielle Natur wird prakṛti genannt, das heißt diejenige Energie, die der Herr durch Seine verschiedenen puruṣa-Inkarnationen (-Erweiterungen) manifestiert. Dies wird im Nārada Pañcarātra, einem der Sātvata-tantras, beschrieben:

viṣṇos tu trīṇi rūpāṇi
puruṣākhyāny atho viduḥ
ekaṁ tu mahataḥ sraṣṭṛ
dvitīyaṁ tv aṇḍa-saṁsthitam
tṛtīyaṁ sarva-bhūta-sthaṁ
tāni jñātvā vimucyate

„Um die materielle Schöpfung zu manifestieren, nimmt Śrī Kṛṣṇas vollständige Erweiterung die Form dreier Viṣṇus an. Der erste, Mahā-viṣṇu, erschafft die gesamte materielle Energie, die als mahat-tattva bezeichnet wird. Der zweite, Garbhodaka-śāyī Viṣṇu, geht in alle Universen ein, um in ihnen Mannigfaltigkeit zu erschaffen, und der dritte, Kṣīrodaka-sāyī Viṣṇu, ist als alldurchdringende Überseele, auch Paramātmā genannt, in allen Universen, ja sogar in den Atomen gegenwärtig. Jeder, der diese drei Viṣṇus kennt, kann aus der materiellen Verstrickung befreit werden.“

Die materielle Welt ist eine zeitweilige Manifestation einer der Energien des Herrn. Alle Tätigkeiten der materiellen Welt werden von diesen drei Viṣṇu-Erweiterungen Śrī Kṛṣṇas gelenkt. Diese puruṣas werden Inkarnationen genannt. Wer die Wissenschaft von Gott (Kṛṣṇa) nicht kennt, nimmt im allgemeinen an, die materielle Welt sei für den Genuß der Lebewesen geschaffen und die Lebewesen seien die puruṣas, das heißt die Ursache, die Beherrscher und die Genießer der materiellen Energie. Gemäß der Bhagavad-gītā ist diese atheistische Schlußfolgerung falsch. Im vorliegenden Vers heißt es, daß Kṛṣṇa die ursprüngliche Ursache der materiellen Manifestation ist. Dies wird auch vom Śrīmad- Bhāgavatam bestätigt. Die Bestandteile der materiellen Manifestation sind abgesonderte Energien des Herrn. Sogar das brahmajyoti, das höchste Ziel der Unpersönlichkeitsanhänger, ist eine spirituelle Energie, die sich im spirituellen Himmel entfaltet. Im brahmajyoti gibt es keine spirituelle Mannigfaltigkeit, wie es sie auf den Vaikuṇṭha-lokas gibt, doch die Unpersönlichkeitsanhänger halten dieses brahmajyoti für das endgültige, ewige Ziel. Auch der Paramātmā ist nicht das höchste Ziel, denn Er ist ein zeitweiliger, alldurchdringender Aspekt Kṣīrodaka-śāyī Viṣṇus. Der Paramātmā ist keine Manifestation, die Sich ewig in der spirituellen Welt befindet. Daher ist Kṛṣṇa, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die tatsächliche Absolute Wahrheit. Er ist die vollständige Persönlichkeit, der Energieursprung, und Er besitzt verschiedene abgesonderte und innere Energien.

Wie oben erwähnt wurde, gibt es in der materiellen Energie acht hauptsächliche Elemente. Von diesen werden die ersten fünf – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther – als die fünf gigantischen oder grobstofflichen Schöpfungen bezeichnet, in denen auch die fünf Sinnesobjekte enthalten sind: die Manifestationen materiellen Klangs, materieller Berührung, materieller Form, materiellen Geschmacks und materiellen Geruchs. Die materielle Wissenschaft umfaßt diese zehn Punkte und nichts darüber hinaus. Die anderen drei Punkte, nämlich Geist, Intelligenz und falsches Ego, werden von den Materialisten nicht beachtet. Philosophen, die sich auf der mentalen Ebene betätigen, haben ebenfalls kein vollkommenes Wissen, weil sie die höchste Ursache, Kṛṣṇa, nicht kennen. Das falsche Ego – die Vorstellungen „Ich bin“ und „Das gehört mir“, die das Grundprinzip des materiellen Daseins bilden – schließt zehn Sinnesorgane für materielle Tätigkeiten mit ein. Intelligenz bezieht sich auf die Gesamtheit der materiellen Schöpfung, das mahat-tattva. Die vierundzwanzig Elemente der materiellen Welt sind also aus den acht abgesonderten Energien des Herrn hervorgegangen. Diese vierundzwanzig Elemente, die der Gegenstand der atheistischen sāṅkhya- Philosophie sind, sind ursprünglich Produkte von Kṛṣṇas Energien und sind von Ihm abgesondert, doch die atheistischen sāṅkhya-Philosophen, die nur über geringes Wissen verfügen, wissen nicht, daß Kṛṣṇa die Ursache aller Ursachen ist. Das Diskussionsthema der sāṅkhya-Philosophie bezieht sich also nur auf die Manifestation der äußeren Energie Kṛṣṇas, wie sie hier in der Bhagavad-gītā beschrieben wird.

Text

apareyam itas tv anyāṁ
prakṛtiṁ viddhi me parām
jīva-bhūtāṁ mahā-bāho
yayedaṁ dhāryate jagat

Synonyms

aparā — niedere; iyam — diese; itaḥ — neben dieser; tu — aber; anyām — eine andere; prakṛtim — Energie; viddhi — versuche zu verstehen; me — Meine; parām — höhere; jīva-bhūtām — die Lebewesen umfassend; mahā- bāho — o Starkarmiger; yayā — von denen; idam — diese; dhāryate — wird benutzt oder ausgebeutet; jagat — die materielle Welt.

Translation

Neben diesen niederen Energien, o starkarmiger Arjuna, gibt es eine andere Energie, Meine höhere Energie, welche die Lebewesen umfaßt, die die Reichtümer der materiellen, niederen Natur ausbeuten.

Purport

ERLÄUTERUNG: Hier wird eindeutig gesagt, daß die Lebewesen zur höheren Natur (oder Energie) des Höchsten Herrn gehören. Die niedere Energie ist Materie, die aus verschiedenen Elementen besteht, nämlich Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego. Beide Formen der materiellen Natur – die grobstoffliche (Erde usw.) und die feinstoffliche (Geist usw.) – sind Produkte der niederen Energie. Die Lebewesen, die diese untergeordneten Energien für verschiedene Zwecke ausbeuten, gehören zur höheren Energie des Höchsten Herrn, und es ist auf diese Energie zurückzuführen, daß die ganze materielle Welt funktioniert. Die kosmische Manifestation hat von sich aus keine Kraft, aktiv zu sein, solange sie nicht von der höheren Energie, den Lebewesen, bewegt wird. Energien werden immer vom Energieursprung gelenkt, und daher werden die Lebewesen immer vom Herrn beherrscht – sie besitzen kein unabhängiges Dasein. Sie sind keinesfalls genauso mächtig wie der Herr, wie unintelligente Menschen glauben. Der Unterschied zwischen den Lebewesen und dem Herrn wird im Śrīmad-Bhāgavatam (10.87.30) wie folgt beschrieben:

aparimitā dhruvās tanu-bhṛto yadi sarva-gatās
tarhi na śāsyateti niyamo dhruva netarathā
ajani ca yan-mayaṁ tad avimucya niyantṛ bhavet
samam anujānatāṁ yad amataṁ mata-duṣṭatayā

,,O Höchster Ewiger! Wären die verkörperten Lebewesen ewig und alldurchdringend wie Du, unterständen sie nicht Deiner Herrschaft. Wenn die Lebewesen aber als winzige Energien Deiner Persönlichkeit anerkannt werden, bedeutet dies sogleich, daß sie Deiner höchsten Herrschaft untergeordnet sind. Daher ist es erforderlich, daß sich die Lebewesen, um wahre Befreiung zu erlangen, Deiner Herrschaft ergeben, und diese Ergebung wird sie glücklich machen. Nur in dieser wesensgemäßen Stellung können sie Herrschende sein. Menschen mit begrenztem Wissen, die die monistische Theorie vertreten, der zufolge Gott und die Lebewesen in jeder Beziehung gleich sind, sind in Wirklichkeit einer falschen und unreinen Auffassung zum Opfer gefallen.“

Der Höchste Herr, Kṛṣṇa, ist der einzige Herrscher, und alle Lebewesen werden von Ihm beherrscht. Die Lebewesen sind Seine höhere Energie, denn sie befinden sich der Eigenschaft nach auf derselben Ebene der Existenz wie der Höchste, doch in bezug auf das Ausmaß ihrer Macht sind sie Ihm niemals ebenbürtig. Während die höhere Energie (das Lebewesen) die grobstoffliche und feinstoffliche niedere Energie (Materie) ausbeutet, vergißt sie ihren wirklichen, spirituellen Geist und ihre wirkliche, spirituelle Intelligenz. Dieses Vergessen ist auf den Einfluß zurückzuführen, den die Materie auf das Lebewesen ausübt. Wenn das Lebewesen jedoch vom Einfluß der illusionierenden materiellen Energie frei wird, erreicht es die Stufe, die mukti oder Befreiung genannt wird. Unter dem Einfluß der materiellen Illusion denkt das falsche Ego: „Ich bin Materie, und mir gehören materielle Güter.“ Das Lebewesen erkennt seine wahre Stellung, wenn es von allen materiellen Vorstellungen, auch der Vorstellung, mit Gott in jeder Beziehung eins zu werden, befreit ist. Man kann also aus den Lehren der Gītā schlußfolgern, daß das Lebewesen nur eine der mannigfaltigen Energien Kṛṣṇas ist; und wenn diese Energie von der materiellen Verunreinigung befreit ist, wird sie völlig Kṛṣṇa-bewußt, was die vollkommene Befreiung darstellt.

Text

etad-yonīni bhūtāni
sarvāṇīty upadhāraya
ahaṁ kṛtsnasya jagataḥ
prabhavaḥ pralayas tathā

Synonyms

etat — diese beiden Naturen; yonīni — deren Quelle der Geburt; bhūtāni — alles Erschaffene; sarvāṇī — alle; iti — auf diese Weise; upadhāraya — wisse; aham — Ich; kṛtsnasya — allumfassend; jagataḥ — der Welt; prabhavaḥ — die Quelle der Manifestation; pralayaḥ — Vernichtung; tathā — ebenso wie.

Translation

Alle erschaffenen Wesen haben ihren Ursprung in diesen beiden Naturen. Wisse, von allem, was materiell und was spirituell ist in dieser Welt, bin Ich sowohl der Ursprung als auch die Auflösung.

Purport

ERLÄUTERUNG: Alles in dieser Welt ist ein Produkt von Materie und spiritueller Energie. Die spirituelle Energie ist die Grundlage der Schöpfung, und die Materie wird von der spirituellen Energie geschaffen. Es ist nicht so, daß Materie auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung die spirituelle Energie hervorbringt. Im Gegenteil, die materielle Welt existiert nur auf der Grundlage der spirituellen Energie. Unser materieller Körper entwickelt sich, weil die spirituelle Energie in der Materie gegenwärtig ist. Ein Kind wächst allmählich zum Knaben und dann zum Mann heran, weil diese höhere Energie, die spirituelle Seele, gegenwärtig ist. Ebenso entwickelt sich die gesamte kosmische Manifestation des gigantischen Universums, weil die Überseele, Viṣṇu, gegenwärtig ist. Die spirituelle Natur und die Materie, die sich verbinden, um dieses gigantische Universum zu manifestieren, sind ursprünglich also Energien, die vom Herrn ausgehen, und folglich ist der Herr die ursprüngliche Ursache aller Dinge. Der fragmentarische Teil des Herrn, das Lebewesen, kann vielleicht die Ursache eines großen Wolkenkratzers, einer großen Fabrik oder sogar einer großen Stadt sein, aber es kann niemals die Ursache eines großen Universums sein. Die Ursache dieses großen Universums ist die große Seele, das heißt die Überseele. Und Kṛṣṇa, der Höchste, ist die Ursache der großen wie auch der kleinen Seelen. Deshalb ist Er die ursprüngliche Ursache aller Ursachen. Dies wird in der Kaṭha Upaniṣad (2.2.13) bestätigt: nityo nityānāṁ cetanaś cetanānām.

Text

mattaḥ parataraṁ nānyat
kiñcid asti dhanañ-jaya
mayi sarvam idaṁ protaṁ
sūtre maṇi-gaṇā iva

Synonyms

mattaḥ — jenseits von Mir; para-taram — höher; na — nicht; anyat kiñcit — irgend etwas anderes; asti — es gibt; dhanam-jaya — o Eroberer von Reichtum; mayi — in Mir; sarvam — alles, was es gibt; idam — was wir sehen; protam — ist aufgezogen; sūtre — auf einer Schnur; maṇi-gaṇāḥ — Perlen; iva — wie.

Translation

O Eroberer von Reichtum, es gibt keine Wahrheit über Mir. Alles ruht auf Mir wie Perlen auf einer Schnur.

Purport

ERLÄUTERUNG: Es ist eine alte Streitfrage, ob die Höchste Absolute Wahrheit persönlich oder unpersönlich ist. Was die Bhagavad-gītā betrifft, so ist die Absolute Wahrheit die Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, und dies wird auf jeder Seite bestätigt. Besonders im vorliegenden Vers wird betont, daß die Absolute Wahrheit eine Person ist. Daß die Persönlichkeit Gottes die Höchste Absolute Wahrheit ist, wird auch in der Brahma-saṁhitā bestätigt: īśvaraḥ paramaḥ kṛṣṇaḥ sac-cid-ānanda- vigrahaḥ. Dieser Vers besagt, daß die Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa ist. Er ist der urerste Herr und das Behältnis aller Freude, Govinda, und Er ist die ewige Gestalt vollkommener Glückseligkeit und vollkommenen Wissens. Diese autoritativen Schriften lassen keinen Zweifel darüber, daß die Absolute Wahrheit die Höchste Person, die Ursache aller Ursachen, ist. Die Unpersönlichkeitsanhänger jedoch behaupten das Gegenteil und stützen sich dabei auf die folgende vedische Aussage, die in der Śvetāśvatara Upaniṣad (3.10) zu finden ist: tato yad uttara-taraṁ tad arūpam anāmayam/ ya etad vidur amṛtās te bhavanti athetare duḥkham evāpiyanti. „In der materiellen Welt gilt Brahmā, das urerste Lebewesen im Universum, als der höchste unter den Halbgöttern, Menschen und niederen Tieren. Aber jenseits von Brahmā liegt die Transzendenz, die keine materielle Form hat und die von allen materiellen Verunreinigungen frei ist. Jeder, der diese Transzendenz zu erkennen vermag, wird ebenfalls transzendental; aber diejenigen, die die Transzendenz nicht kennen, müssen die Leiden der materiellen Welt ertragen.“

Die Unpersönlichkeitsphilosophen betonen vor allem das Wort arūpam. Aber dieses Wort bezieht sich nicht auf etwas Unpersönliches. Es weist darauf hin, daß die Absolute Wahrheit keine materielle, sondern eine transzendentale Form hat, die, wie der oben zitierte Vers aus der Brahma-saṁhitā bestätigt, ewig, glückselig und voller Wissen ist. Dies wird von anderen Versen der Śvetāśvatara Upaniṣad (3.8–9) bestätigt:

vedāham etaṁ puruṣaṁ mahāntam
āditya-varṇaṁ tamasaḥ parastāt
tam eva viditvāti mṛtyum eti
nānyaḥ panthā vidyate ’yanāya
yasmāt paraṁ nāparam asti kiñcid
yasmān nāṇīyo no jyāyo ’sti kiñcit
vṛkṣa iva stabdho divi tiṣṭhaty ekas
tenedaṁ pūrṇaṁ puruṣeṇa sarvam

„Ich kenne den Herrn, die Höchste Persönlichkeit Gottes, der in transzendentaler Stellung zu allen materiellen Vorstellungen der Dunkelheit steht. Nur wer Ihn kennt, kann die Fesseln von Geburt und Tod überwinden. Es gibt keinen anderen Weg zur Befreiung als die Erkenntnis dieser Höchsten Person.

Es gibt keine Wahrheit, die über diesem Höchsten steht, denn Er ist der Allerhöchste. Er ist kleiner als das Kleinste, und Er ist größer als das Größte. Er gleicht einem ruhigen Baum, und Er erleuchtet den transzendentalen Himmel, und wie ein Baum seine Wurzeln ausbreitet, so breitet Er Seine vielfachen Energien aus.“

Aus diesen Versen geht eindeutig hervor, daß die Höchste Absolute Wahrheit die Höchste Persönlichkeit Gottes ist, die durch Ihre vielfältigen materiellen und spirituellen Energien alldurchdringend ist.

Text

raso ’ham apsu kaunteya
prabhāsmi śaśi-sūryayoḥ
praṇavaḥ sarva-vedeṣu
śabdaḥ khe pauruṣaṁ nṛṣu

Synonyms

rasaḥ — Geschmack; aham — Ich; apsu — im Wasser; kaunteya — o Sohn Kuntīs; prabhā — das Licht; asmi — Ich bin; śaśi-sūryayoḥ — des Mondes und der Sonne; praṇavaḥ — die drei Buchstaben a-u-m; sarva — in allen; vedeṣu — den Veden; śabdaḥ — Klangschwingung; khe — im Äther; pauruṣaṁ — Fähigkeit; nṛṣu — im Menschen.

Translation

O Sohn Kuntīs, Ich bin der Geschmack des Wassers, das Licht der Sonne und des Mondes und die Silbe oṁ in den vedischen mantras; Ich bin der Klang im Äther und die Fähigkeit im Menschen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Dieser Vers erklärt, wie der Herr durch Seine mannigfaltigen materiellen und spirituellen Energien alldurchdringend ist. Der Höchste Herr kann zunächst durch Seine verschiedenen Energien wahrgenommen werden, und auf diese Weise wird Er in Seinem unpersönlichen Aspekt erkannt. Ebenso wie der Halbgott der Sonne eine Person ist und durch seine alldurchdringende Energie, den Sonnenschein, wahrgenommen wird, so wird der Herr, obwohl Er persönlich in Seinem ewigen Reich weilt, durch Seine alldurchdringenden, überall verbreiteten Energien wahrgenommen.

Das aktive Prinzip des Wassers ist sein Geschmack. Niemand trinkt gerne Meerwasser, weil der reine Geschmack des Wassers mit Salz vermischt ist. Wie sehr man sich zu einer bestimmten Art von Wasser hingezogen fühlt, beruht auf der Reinheit seines Geschmacks, und dieser reine Geschmack ist eine der Energien des Herrn. Der Unpersönlichkeitsanhänger nimmt die Gegenwart des Herrn im Wasser durch dessen Geschmack wahr, und ebenso tut es der Persönlichkeitsanhänger, aber er preist dabei den Herrn, weil dieser so gütig ist, für schmackhaftes Wasser zu sorgen, um den Durst der Menschen zu stillen. Das ist die Art und Weise, den Höchsten wahrzunehmen. Praktisch gesehen gibt es zwischen der Persönlichkeitslehre und der Unpersönlichkeitslehre keinen Widerstreit. Wer Gott kennt, weiß, daß der unpersönliche und der persönliche Aspekt gleichzeitig in allem gegenwärtig sind und daß es dabei keinen Widerspruch gibt. Deshalb verkündete Śrī Caitanya Seine erhabene Lehre des acintya-bheda- und abheda-tattva, die Lehre des gleichzeitigen Eins- und Verschiedenseins.

Das Licht der Sonne und des Mondes geht ebenfalls ursprünglich vom brahmajyoti, der unpersönlichen Ausstrahlung des Herrn, aus. Und praṇava, der transzendentale Klang oṁ-kāra am Anfang jeder vedischen Hymne, ist eine Anrufung an den Höchsten Herrn. Weil die Unpersönlichkeitsanhänger große Angst haben, den Höchsten Herrn, Śrī Kṛṣṇa, mit Seinen unzähligen Namen anzurufen, ziehen sie es vor, den transzendentalen Klang oṁ-kāra zu chanten. Sie verstehen jedoch nicht, daß oṁ-kāra die Klangrepräsentation Kṛṣṇas ist. Der Einflußbereich des Kṛṣṇa-Bewußtseins erstreckt sich überallhin, und wer das Kṛṣṇa- Bewußtsein kennt, ist gesegnet, wohingegen diejenigen, die Kṛṣṇa nicht kennen, sich in Illusion befinden. Wissen über Kṛṣṇa zu besitzen bedeutet also Befreiung, wohingegen Unwissenheit über Kṛṣṇa Ursache von Knechtschaft ist.

Text

puṇyo gandhaḥ pṛthivyāṁ ca
tejaś cāsmi vibhāvasau
jīvanaṁ sarva-bhūteṣu
tapaś cāsmi tapasviṣu

Synonyms

puṇyaḥ — ursprünglicher; gandhaḥ — Duft; pṛthivyām — in der Erde; ca — auch; tejaḥ — Hitze; ca — auch; asmi — Ich bin; vibhāvasau — im Feuer; jīvanam — Leben; sarva — in allen; bhūteṣu — Lebewesen; tapaḥ — Entsagung; ca — auch; asmi — Ich bin; tapasviṣu — in denjenigen, die sich Entsagung auferlegen.

Translation

Ich bin der ursprüngliche Duft der Erde, und Ich bin die Hitze im Feuer. Ich bin das Leben in allem Lebendigen, und Ich bin die Entsagung der Asketen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Puṇya bezieht sich auf das, was nicht verdorben ist, auf das Ursprüngliche. Alles in der materiellen Welt hat einen bestimmten Geruch oder Duft, wie zum Beispiel der Duft einer Blume oder der Duft in der Erde, im Wasser, im Feuer, in der Luft usw. Der unvermischte Duft, der ursprüngliche Duft, der alles durchdringt, ist Kṛṣṇa. Ebenso hat alles einen bestimmten ursprünglichen Geschmack, und dieser Geschmack kann durch die Vermischung mit chemischen Stoffen verändert werden. Alles Ursprüngliche hat also einen bestimmten Geruch, einen bestimmten Duft und einen bestimmten Geschmack. Vibhāvasu bedeutet Feuer. Ohne Feuer sind wir nicht in der Lage, Fabriken zu unterhalten, zu kochen und vieles mehr, und dieses Feuer ist Kṛṣṇa, ebenso wie die Hitze im Feuer Kṛṣṇa ist. Der vedischen Medizin zufolge haben Verdauungsstörungen ihre Ursache in einer zu niedrigen Temperatur im Magen. Selbst für die Verdauung ist also Feuer notwendig. Im Kṛṣṇa-Bewußtsein erkennen wir, daß Erde, Wasser, Feuer, Luft und jedes aktive Prinzip wie auch alle chemischen Stoffe und materiellen Elemente ihren Ursprung in Kṛṣṇa haben. Auch die Lebensdauer eines Menschen hängt von Kṛṣṇa ab. Durch die Gnade Kṛṣṇas kann deshalb ein Mensch sein Leben verlängern oder verkürzen. Kṛṣṇa-Bewußtsein wirkt also in jedem Bereich.

Text

bījaṁ māṁ sarva-bhūtānāṁ
viddhi pārtha sanātanam
buddhir buddhimatām asmi
tejas tejasvinām aham

Synonyms

bījam — der Same; mām — Mich; sarva-bhūtānām — aller Lebewesen; viddhi — versuche zu verstehen; pārtha — o Sohn Pṛthās; sanātanam — ursprünglich, ewig; buddhiḥ — Intelligenz; buddhi-matām — der Intelligenten; asmi — Ich bin; tejaḥ — Macht; tejasvinām — der Mächtigen; aham — Ich bin.

Translation

O Sohn Pṛthās, wisse, daß Ich der ursprüngliche Same alles Existierenden, die Intelligenz der Intelligenten und die Macht aller mächtigen Menschen bin.

Purport

ERLÄUTERUNG: Bījam bedeutet „Same“, und Kṛṣṇa ist der Same aller Dinge. Es gibt verschiedene Lebewesen, solche, die sich bewegen, und solche, die sich nicht bewegen. Vögel, Tiere, Menschen und viele andere Geschöpfe gehören zu den Lebewesen, die sich bewegen; Bäume und Pflanzen hingegen können sich nicht bewegen, sondern stehen immer an einem Ort. Jedes Lebewesen gehört zu einer der 8 400 000 Lebensformen, von denen sich die einen bewegen können und die anderen nicht. In allen Fällen aber ist Kṛṣṇa der Same ihres Lebens. Wie es in den vedischen Schriften heißt, ist das Brahman, die Höchste Absolute Wahrheit, das, von dem alles ausgeht: yato vā imāni bhūtāni jāyante (Taittirīya Upaniṣad 3.1). Kṛṣṇa ist Para-brahman, das Höchste Brahman. Brahman ist unpersönlich, und Para-brahman ist persönlich. Das unpersönliche Brahman gründet auf dem persönlichen Aspekt – dies wird in der Bhagavad-gītā (14.27) erklärt: brahmaṇo hi pratiṣṭhāham. Daher ist Kṛṣṇa die ursprüngliche Quelle allen Seins oder, mit anderen Worten, die Wurzel. So wie die Wurzel eines Baumes den ganzen Baum erhält, so erhält Kṛṣṇa, die ursprüngliche Wurzel aller Dinge, alles in der materiellen Manifestation. Dies wird ebenfalls in den vedischen Schriften (Kaṭha Upaniṣad 2.2.13) bestätigt:

nityo nityānāṁ cetanaś cetanānām
eko bahūnāṁ yo vidadhāti kāmān

Er ist der höchste Ewige unter allen Ewigen. Er ist das höchste Lebewesen unter allen Lebewesen, und Er allein erhält alles Leben. Ohne Intelligenz kann man nichts tun, und Kṛṣṇa sagt hier auch, daß Er die Wurzel aller Intelligenz ist. Solange ein Mensch nicht intelligent ist, kann er die Höchste Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa, nicht verstehen.

Text

balaṁ balavatāṁ cāhaṁ
kāma-rāga-vivarjitam
dharmāviruddho bhūteṣu
kāmo ’smi bharatarṣabha

Synonyms

balam — Stärke; bala-vatām — der Starken; ca — und; aham — Ich bin; kāma — Leidenschaft; rāga — und Anhaftung; vivarjitam — frei von; dharma-aviruddhaḥ — nicht gegen die religiösen Prinzipien; bhūteṣu — in allen Wesen; kāmaḥ — Sexualität; asmi — Ich bin; bharata-ṛṣabha — o Herr der Bhāratas.

Translation

Ich bin die Stärke der Starken, frei von Leidenschaft und Verlangen, und Ich bin die Sexualität, die nicht im Widerspruch zu den religiösen Prinzipien steht, o Herr der Bhāratas [Arjuna].

Purport

ERLÄUTERUNG: Die Stärke eines starken Mannes sollte angewandt werden, um die Schwachen zu beschützen, und nicht, um andere anzugreifen. Was Sexualität betrifft, so sollte sie in Übereinstimmung mit den religiösen Prinzipien (dharma) benutzt werden, um Kinder zu zeugen, und nicht auf andere Weise. Die Eltern haben dann die Verantwortung, daß ihre Kinder Kṛṣṇa-bewußt werden.

Text

ye caiva sāttvikā bhāvā
rājasās tāmasāś ca ye
matta eveti tān viddhi
na tv ahaṁ teṣu te mayi

Synonyms

ye — alle, die; ca — und; eva — gewiß; sāttvikāḥ — in Tugend; bhāvāḥ — Daseinszustände; rājasāḥ — in der Erscheinungsweise der Leidenschaft; tāmasāḥ — in der Erscheinungsweise der Unwissenheit; ca — auch; ye — alle, die; mattaḥ — von Mir; eva — gewiß; iti — auf diese Art und Weise; tān — diejenigen; viddhi — versuche zu verstehen; na — nicht; tu — aber; aham — Ich; teṣu — in ihnen; te — sie; mayi — in Mir.

Translation

Wisse, daß alle Daseinsstufen – seien sie in Tugend, Leidenschaft oder Unwissenheit – eine Manifestation Meiner Energie sind. In gewissem Sinne bin Ich alles – doch Ich bin unabhängig; Ich stehe nicht unter dem Einfluß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur – im Gegenteil, sie sind in Mir.

Purport

ERLÄUTERUNG: Alle materiellen Tätigkeiten in der Welt werden unter dem Einfluß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur ausgeführt. Obwohl diese Erscheinungsweisen der materiellen Natur vom Höchsten Herrn, Kṛṣṇa, ausgehen, ist Er ihnen nicht unterworfen. Zum Beispiel kann ein Bürger durch die Gesetze des Staates bestraft werden, doch der König, der Gesetzgeber, ist diesen Gesetzen nicht unterworfen. In ähnlicher Weise gehen alle Erscheinungsweisen der materiellen Natur – Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit – vom Höchsten Herrn, Kṛṣṇa, aus, doch Kṛṣṇa Selbst wird von der materiellen Natur nicht berührt. Deshalb ist Er nirguṇa, was bedeutet, daß die guṇas, die Erscheinungsweisen, Ihn nicht beeinflussen, obwohl sie aus Ihm hervorgehen. Das ist eines der besonderen Merkmale Bhagavāns, der Höchsten Persönlichkeit Gottes.

Text

tribhir guṇa-mayair bhāvair
ebhiḥ sarvam idaṁ jagat
mohitaṁ nābhijānāti
mām ebhyaḥ param avyayam

Synonyms

tribhiḥ — drei; guṇa-mayaiḥ — aus den guṇas bestehend; bhāvaiḥ — durch die Daseinszustände; ebhiḥ — all diese; sarvam — gesamte; idam — dieses; jagat — Universum; mohitam — getäuscht; na abhijānāti — kennt nicht; mām — Mich; ebhyaḥ — über diesen; param — der Höchste; avyayam — unerschöpflich.

Translation

Getäuscht von den drei Erscheinungsweisen [Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit], kennt die gesamte Welt Mich nicht, der Ich über den Erscheinungsweisen stehe und unerschöpflich bin.

Purport

ERLÄUTERUNG: Die ganze Welt wird von den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur betört. Diejenigen, die durch den Einfluß dieser drei Erscheinungsweisen verwirrt sind, können nicht verstehen, daß sich jenseits der materiellen Natur der Höchste Herr, Kṛṣṇa, befindet.

Jedes Lebewesen unter dem Einfluß der materiellen Natur hat eine bestimmte Art von Körper, dem bestimmte psychische und physische Tätigkeiten zugeordnet sind. Gemäß dem Einfluß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur gibt es vier Klassen von Menschen. Diejenigen, die sich rein in der Erscheinungsweise der Tugend befinden, werden brāhmaṇas genannt. Diejenigen, die sich rein in der Erscheinungsweise der Leidenschaft befinden, werden kṣatriyas genannt. Diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit befinden, werden vaiśyas genannt, und diejenigen, die sich völlig in Unwissenheit befinden, werden śūdras genannt. Unterhalb dieser vier Einteilungen befinden sich die Tiere und die Menschen, die ein tierisches Leben führen. Man mag sich in diesem Leben als brāhmaṇa, kṣatriya, vaiśya oder irgend etwas anderes bezeichnen, doch in jedem Fall sind diese Bezeichnungen nicht von Dauer, denn sie beziehen sich auf den zeitweiligen Körper. Aber obwohl das Leben zeitweilig ist und wir nicht wissen, was wir im nächsten Leben sein werden, sehen wir uns aufgrund des Einflusses der illusionierenden Energie im Licht der körperlichen Lebensauffassung und glauben daher, Amerikaner, Inder, Russe oder brāhmaṇa, Hindu oder Moslem zu sein. Und wenn wir in die Erscheinungsweisen der materiellen Natur verstrickt werden, vergessen wir die Höchste Persönlichkeit Gottes, die hinter all diesen Erscheinungsweisen steht. Daher sagt Śrī Kṛṣṇa, daß Menschen, die von diesen drei Erscheinungsweisen der Natur getäuscht sind, nicht verstehen, daß Sich hinter der materiellen Fassade die Höchste Persönlichkeit Gottes befindet.

Es gibt viele verschiedene Arten von Lebewesen – Menschen, Halbgötter, Tiere usw. –, und jedes einzelne von ihnen steht unter dem Einfluß der materiellen Natur, und sie alle haben die transzendente Persönlichkeit Gottes vergessen. Diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit befinden, und selbst diejenigen, die sich in der Erscheinungsweise der Tugend befinden, können nicht über die Erkenntnis des unpersönlichen Brahman-Aspektes der Absoluten Wahrheit hinausgelangen. Sie sind vom persönlichen Aspekt des Höchsten Herrn verwirrt, der alle Schönheit, allen Reichtum, alles Wissen, alle Stärke, allen Ruhm und alle Entsagung besitzt. Wenn selbst jene, die sich in Tugend befinden, Kṛṣṇa nicht verstehen können, welche Hoffnung besteht dann für diejenigen, die sich in Leidenschaft und Unwissenheit befinden? Kṛṣṇa-Bewußtsein ist transzendental zu diesen drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur, und diejenigen, die völlig im Kṛṣṇa-Bewußtsein verankert sind, haben tatsächlich die Stufe der Befreiung erreicht.

Text

daivī hy eṣā guṇa-mayī
mama māyā duratyayā
mām eva ye prapadyante
māyām etāṁ taranti te

Synonyms

daivī — transzendental; hi — gewiß; eṣā — diese; guṇa-mayī — bestehend aus den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur; mama — Meine; māyā — Energie; duratyayā — äußerst schwierig zu überwinden; mām — Mir; eva — gewiß; ye — diejenigen, die; prapadyante — sich ergeben; māyām etāṁ — diese illusorische Energie; taranti — überwinden; te — sie.

Translation

Diese Meine göttliche Energie, die aus den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur besteht, ist sehr schwer zu überwinden. Aber diejenigen, die sich Mir ergeben, können sie sehr leicht hinter sich lassen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, besitzt unzählige Energien, und all diese Energien sind göttlich. Obwohl die Lebewesen Teile Seiner Energien sind und deshalb ebenfalls als göttlich bezeichnet werden können, wurde ihre ursprüngliche, höhere Kraft durch die Berührung mit der materiellen Energie bedeckt. Wer so von der materiellen Energie bedeckt ist, kann unmöglich ihrem Einfluß entkommen. Wie zuvor schon erklärt wurde, sind sowohl die materielle wie auch die spirituelle Natur als Emanationen der Höchsten Persönlichkeit Gottes ewig. Die Lebewesen gehören zur ewigen, höheren Natur des Herrn, aber weil sie durch die niedere Natur, die Materie, verunreinigt sind, ist ihre Illusion ebenfalls ewig. Die bedingte Seele wird deshalb als nitya-baddha, ewig bedingt, bezeichnet. Niemand kann zurückverfolgen, zu welchem Zeitpunkt in der materiellen Geschichte sie in ihren bedingten Zustand geriet. Folglich ist es für sie sehr schwer, der materiellen Natur zu entkommen – obwohl die materielle Natur die niedere Energie ist –, denn die materielle Energie wird letztlich vom höchsten Willen gelenkt, den das Lebewesen nicht überwinden kann. Die niedere, materielle Natur wird hier als göttliche Natur bezeichnet, weil sie mit dem Göttlichen verbunden ist und vom göttlichen Willen bewegt wird. Weil hinter der materiellen Natur der göttliche Wille steht, kann sie beim Aufbau und bei der Zerstörung der kosmischen Manifestation auf solch wunderbare Weise wirken, obwohl sie eigentlich zur niederen Kategorie gehört. Die Veden bestätigen dies wie folgt: māyāṁ tu prakṛtiṁ vidyān māyinaṁ tu maheśvaram. „Māyā [Illusion] ist falsch, das heißt zeitweilig, doch im Hintergrund māyās befindet Sich der höchste Zauberer, die Persönlichkeit Gottes, der der höchste Herrscher, Maheśvara, ist.“ (Śvetāśvatara Upaniṣad 4.10)

Eine andere Bedeutung von guṇa ist „Seil“, was darauf hinweist, daß die bedingte Seele fest von den Seilen der Illusion gefesselt ist. Ein Mensch, der an Händen und Füßen gefesselt ist, kann sich nicht selbst befreien, sondern ist auf die Hilfe anderer angewiesen. Jemand aber, der selbst gefesselt ist, kann ihm nicht helfen; der Retter muß selbst befreit sein. In ähnlicher Weise kann allein Śrī Kṛṣṇa bzw. Sein echter Stellvertreter, der spirituelle Meister, die bedingte Seele befreien. Ohne solche höhere Hilfe kann man nicht aus der Gefangenschaft der materiellen Natur befreit werden. Hingebungsvoller Dienst, Kṛṣṇa Bewußtsein, kann einem helfen, solche Befreiung zu erlangen. Da Kṛṣṇa der Herr der illusionierenden Energie ist, kann Er dieser unüberwindlichen Energie befehlen, die bedingte Seele freizulassen. Er befiehlt diese Freilassung aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit gegenüber der ergebenen Seele und aus Seiner väterlichen Zuneigung, da das Lebewesen ursprünglich ein geliebter Sohn des Herrn ist. Sich den Lotosfüßen des Herrn zu ergeben ist daher das einzige Mittel, um aus der Gewalt der mächtigen materiellen Natur frei zu werden.

Die Worte mām eva sind ebenfalls von Bedeutung. Mām bedeutet „allein zu Kṛṣṇa (Viṣṇu)“, und nicht zu Brahmā oder Śiva. Obwohl Brahmā und Śiva auf einer sehr hohen Stufe stehen und sich fast auf der gleichen Ebene wie Viṣṇu befinden, ist es für diese Inkarnationen von rajo-guṇa (Leidenschaft) und tamo-guṇa (Unwissenheit) nicht möglich, die bedingte Seele aus der Gewalt māyās zu befreien. Mit anderen Worten, auch Brahmā und Śiva stehen unter dem Einfluß māyās. Allein Viṣṇu ist der Herr über māyā; deshalb kann nur Er die bedingte Seele befreien. Die Veden (Śvetāśvatara Upaniṣad 3.8) bestätigen dies mit den Worten: tam eva viditvā. „Freiheit ist nur möglich, wenn man Kṛṣṇa versteht.“ Selbst Śiva bestätigt, daß Befreiung nur durch die Barmherzigkeit Viṣṇus erreicht werden kann. Śiva sagt: mukti-pradātā sarveṣāṁ viṣṇur eva na saṁśayaḥ. „Es besteht kein Zweifel darüber, daß es Viṣṇu ist, der jedem Befreiung gewährt.“

Text

na māṁ duṣkṛtino mūḍhāḥ
prapadyante narādhamāḥ
māyayāpahṛta-jñānā
āsuraṁ bhāvam āśritāḥ

Synonyms

na — nicht; mām — Mir; duṣkṛtinaḥ — gottlose Menschen; mūḍhāḥ — töricht; prapadyante — ergeben sich; nara-adhamāḥ — die Niedrigsten der Menschheit; māyayā — von der illusionierenden Energie; apahṛta — gestohlen; jñānāḥ — deren Wissen; āsuram — dämonische; bhāvam — Natur; āśritāḥ — annehmend.

Translation

Jene gottlosen Menschen, die abgestumpft und dumm sind, die die Niedrigsten der Menschheit sind, deren Wissen von Illusion gestohlen ist und die das atheistische Wesen von Dämonen haben, ergeben sich Mir nicht.

Purport

ERLÄUTERUNG: In der Bhagavad-gītā wird gesagt, daß man die strengen Gesetze der materiellen Natur überwinden kann, wenn man sich einfach den Lotosfüßen der Höchsten Persönlichkeit, Kṛṣṇa, ergibt. Hier nun erhebt sich die Frage, warum sich dann gebildete Philosophen, Wissenschaftler, Geschäftsleute, Politiker und all die Führer der Menschen nicht den Lotosfüßen Śrī Kṛṣṇas, der allmächtigen Persönlichkeit Gottes, ergeben. Mit großer Ausdauer machen die Führer der Menschheit schon seit vielen Jahren, ja schon seit vielen Generationen die verschiedensten Pläne und suchen nach Wegen, um mukti, Befreiung von den Gesetzen der materiellen Natur, zu finden; doch wenn diese Befreiung möglich ist, einfach indem man sich den Lotosfüßen der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergibt, warum nehmen dann diese intelligenten und hart arbeitenden Führer diese einfache Methode nicht an?

Die Gītā beantwortet diese Frage sehr offen. Die wirklich intelligenten Führer der Gesellschaft, wie Brahmā, Śiva, Kapila, die Kumāras, Manu, Vyāsa, Devala, Asita, Janaka, Prahlāda, Bali und später Madhvācārya, Rāmānujācārya, Śrī Caitanya und viele andere – die alle wahre Philosophen, Politiker, Erzieher, Wissenschaftler usw. sind –, ergeben sich den Lotosfüßen der Höchsten Person, der allmächtigen Autorität. Diejenigen aber, die Bezeichnungen wie Philosoph, Wissenschaftler, Erzieher und Politiker nicht wirklich verdienen, sondern sich nur als solche ausgeben, um materielle Vorteile zu gewinnen, erkennen den Plan oder Pfad des Höchsten Herrn nicht an. Sie wissen nichts über Gott; sie schmieden einfach nur ihre eigenen weltlichen Pläne und machen daher die Probleme des materiellen Daseins mit ihren vergeblichen Versuchen, sie zu lösen, nur noch komplizierter. Weil die materielle Energie (die Natur) sehr mächtig ist, kann sie den unautorisierten Plänen der Atheisten widerstehen und das Wissen ihrer sogenannten „Planungsausschüsse“ nutzlos werden lassen.

Die atheistischen Plänemacher werden hier mit dem Wort duṣkṛtinaḥ, „gottlose Menschen“, bezeichnet. Kṛtī bedeutet „jemand, der verdienstvolle Arbeit leistet“. Die atheistischen Plänemacher sind manchmal sehr intelligent und verdienen ebenfalls Anerkennung, denn jedes große Vorhaben, ob gut oder schlecht, erfordert Intelligenz, um ausgeführt zu werden. Weil die atheistischen Plänemacher ihre Intelligenz jedoch falsch benutzen – nämlich um dem Plan des Höchsten Herrn entgegenzuwirken –, werden sie duṣkṛtī genannt, was darauf hinweist, daß ihre Intelligenz und ihre Anstrengungen in die falsche Richtung gelenkt sind.

In der Gītā wird klar gesagt, daß die materielle Energie ganz nach der Weisung des Höchsten Herrn arbeitet. Sie hat keine unabhängige Autorität. Sie ist in ihrer Wirkungsweise wie ein Schatten, der sich nur in Übereinstimmung mit den Bewegungen des Gegenstandes, von dem er abhängig ist, bewegen kann. Nichtsdestoweniger ist die materielle Energie sehr mächtig, und der Atheist weiß aufgrund seines gottlosen Charakters nicht, wie sie wirkt, ebenso wie er auch keine Möglichkeit hat, den Plan des Höchsten Herrn zu kennen. Weil er von Illusion und den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit beeinflußt wird, werden all seine Pläne vereitelt, wie es bei Hiraṇyakaśipu und Rāvaṇa der Fall war, deren Pläne zu Staub zerschlagen wurden, obwohl beide als Wissenschaftler, Philosophen, Politiker und Erzieher in materieller Hinsicht sehr gelehrt waren. Es gibt vier Arten von duṣkṛtinas, gottlosen Menschen, die wie folgt beschrieben werden:

(1) Die mūḍhas sind diejenigen, die abgestumpft und dumm sind, so wie schwer arbeitende Lasttiere. Sie wollen die Früchte ihrer Arbeit selbst genießen, statt sie mit dem Höchsten zu teilen. Das typische Beispiel eines Lasttieres ist der Esel. Dieses anspruchslose Tier wird von seinem Meister angetrieben, sehr schwer zu arbeiten. Der Esel weiß eigentlich nicht, für wen er Tag und Nacht so schwer arbeitet. Er ist zufrieden, wenn er seinen Magen mit einem Büschel Gras füllen kann, wenn er eine Weile schlafen kann – wobei er befürchten muß, von seinem Meister geschlagen zu werden – und wenn er seine sexuellen Gelüste befriedigen kann, selbst auf das Risiko hin, vom anderen Geschlecht wiederholt getreten zu werden. Der Esel singt manchmal auch Poesie und Philosophie, doch in Wirklichkeit stellt sein Schreien für andere nur eine Störung dar. Das ist die Lage des dummen fruchtbringenden Arbeiters, der nicht weiß, für wen er arbeiten soll. Er weiß nicht, daß karma (Handlung) für yajña (Opfer) bestimmt ist.

Sehr oft sagen diejenigen, die Tag und Nacht sehr schwer arbeiten, um die Last selbstgeschaffener Pflichten abzutragen, sie hätten keine Zeit, über die Unsterblichkeit des Lebewesens zu hören. Für solche mūḍhas sind materielle Gewinne, die vergänglich sind, das ein und alles ihres Lebens, obwohl sie selbst nur einen sehr geringen Teil der Früchte ihrer Arbeit genießen. Manchmal verbringen sie um materiellen Profits willen schlaflose Tage und Nächte, und obwohl sie an Magengeschwüren oder Verdauungsstörungen leiden, geben sie sich damit zufrieden, praktisch nichts zu essen. Sie sind einfach darin vertieft, zum Nutzen falscher Meister Tag und Nacht schwer zu arbeiten. Weil diese törichten Menschen ihren wirklichen Meister nicht kennen, verschwenden sie ihre kostbare Zeit damit, dem Mammon zu dienen. Zu ihrem Unglück ergeben sie sich niemals dem höchsten Meister, dem Meister aller Meister, und nehmen sich auch nicht die Zeit, sich an die richtigen Quellen zu wenden, um über Ihn zu hören. Das Schwein, das Kot frißt, kümmert sich nicht um Süßigkeiten aus Zucker und Ghee (Butterfett), und ebenso ziehen es die törichten fruchtbringenden Arbeiter vor, unermüdlich der Flut von Neuigkeiten aus der schillernden Welt des Sinnengenusses zu lauschen, ohne jedoch Zeit zu finden, über die ewige Lebenskraft zu hören, die die materielle Welt bewegt.

(2) Die zweite Klasse von duṣkṛtī, gottlosen Menschen. wird narādhama, „die Niedrigsten der Menschheit“, genannt. Nara bedeutet „Mensch“, und adhama bedeutet „der Niedrigste“. Unter den 8 400 000 Lebensformen gibt es 400 000 menschliche Arten, und unter diesen gibt es zahlreiche niedere Formen menschlichen Lebens, die größtenteils unzivilisiert sind. Zu den zivilisierten Menschen zählen diejenigen, die in ihrem sozialen, politischen und religiösen Leben regulierenden Prinzipien folgen. Diejenigen, die zwar sozial und politisch entwickelt sind, aber keinen religiösen Prinzipien folgen, müssen als narādhama angesehen werden. Ebenso ist Religion ohne Gott keine wahre Religion, denn der Sinn religiöser Prinzipien liegt darin, die Höchste Wahrheit und die Beziehung des Menschen zu Ihr zu erkennen. In der Gītā erklärt der Höchste Herr unmißverständlich, daß es keine Autorität über Ihm gibt und daß Er die Höchste Wahrheit ist. Die zivilisierte Form des menschlichen Lebens ist dafür bestimmt, daß der Mensch das verlorene Bewußtsein seiner ewigen Beziehung zur Höchsten Wahrheit, der allmächtigen Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, wiederbelebt. Jeder, der diese Gelegenheit verstreichen läßt, wird als narādhama eingestuft. Wir erfahren aus den offenbarten Schriften, daß das Kind im Mutterleib, wo es sich in einer äußerst unbequemen Lage befindet, zu Gott um Befreiung betet und verspricht, Ihn allein zu verehren, sobald es herausgelangt. Zu Gott zu beten, wenn man sich in Schwierigkeiten befindet, ist eine natürliche Veranlagung des Lebewesens, denn es ist ewig mit Gott verbunden. Aber weil das Kind von māyā, der illusionierenden Energie, beeinflußt wird, vergißt es nach seiner Befreiung sowohl die Schwierigkeiten der Geburt als auch seinen Befreier.

Es ist die Pflicht derjenigen, die für Kinder verantwortlich sind, das göttliche Bewußtsein, das in ihnen schlummert, wiederzubeleben. In der Manu-smṛti, der Anleitung für religiöse Prinzipien, werden zehn Läuterungszeremonien vorgeschrieben, die dafür bestimmt sind, im Rahmen des varṇāśrama-Systems das Gottesbewußtsein wiederzubeleben. Heutzutage jedoch werden diese Vorgänge in keinem Teil der Welt streng befolgt, und deshalb sind 99,9 Prozent der Bevölkerung narādhamas.

Wenn die gesamte Bevölkerung zu narādhamas wird, wird ihr ganzer sogenannter Fortschritt durch die allmächtige Energie der materiellen Natur null und nichtig gemacht. Gemäß dem Maßstab der Gītā gilt ein Mensch dann als gelehrt, wenn er einen gelehrten brāhmaṇa, einen Hund, eine Kuh, einen Elefanten und einen Hundeesser mit gleichen Augen sieht. Dies ist die Sicht eines wahren Gottgeweihten. Śrī Nityānanda Prabhu, der die Inkarnation Gottes als göttlicher Meister ist, befreite zwei typische narādhamas, die Brüder Jagāi und Mādhāi, und zeigte so, wie die Barmherzigkeit eines wahren Gottgeweihten den niedrigsten Menschen zuteil wird. Ein narādhama, der selbst von der Persönlichkeit Gottes zurückgewiesen wird, kann also nur durch die Barmherzigkeit eines Gottgeweihten sein spirituelles Bewußtsein wiederbeleben.

Śrī Caitanya Mahāprabhu, der den bhāgavata-dharma, den Pfad der Gottgeweihten, verkündete, hat den Menschen empfohlen, in ergebener Haltung die Botschaft der Persönlichkeit Gottes zu hören. Die Essenz dieser Botschaft ist die Bhagavad-gītā. Die Niedrigsten unter den Menschen können nur durch solch ergebenes Hören befreit werden, aber unglücklicherweise weigern sie sich sogar, diesen Botschaften auch nur zuzuhören, geschweige denn, sich dem Willen des Höchsten Herrn zu ergeben. Die narādhamas, die Niedrigsten der Menschheit, versäumen es also völlig, der ersten Pflicht des Menschen nachzukommen.

(3) Die nächste Klasse von duṣkṛtī wird māyayāpahṛta-jñānāḥ genannt; diejenigen, deren Gelehrtheit und Bildung durch den Einfluß der illusionierenden materiellen Energie zunichte gemacht wurde. Solche Menschen sind meistens hochgelehrt – große Philosophen, Dichter, Literaten, Wissenschaftler usw. –, doch sie alle werden von der illusionierenden Energie in die Irre geführt, und daher widersetzen sie sich dem Höchsten Herrn.

Heutzutage gibt es eine große Anzahl von māyayāpahṛta-jñānāḥ, sogar unter den Gelehrten der Bhagavad-gītā. In der Gītā wird mit einfachen und verständlichen Worten erklärt, daß Śrī Kṛṣṇa die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Es gibt niemanden, der Ihm gleichkommt oder der größer ist als Er. Er wird als der Vater Brahmās, des ursprünglichen Vaters aller Menschen, bezeichnet. Ja, Śrī Kṛṣṇa wird nicht nur als der Vater Brahmās, sondern auch als der Vater aller Lebensformen bezeichnet. Er ist der Ursprung des unpersönlichen Brahman und des Paramātmā, der Überseele in jedem Lebewesen, die Seine vollständige Teilerweiterung ist. Er ist der Urquell allen Seins, und jedem wird geraten, sich Seinen Lotosfüßen zu ergeben. Trotz all dieser deutlichen Aussagen verspotten die māyayāpahṛta-jñānāḥ die Persönlichkeit des Höchsten Herrn und halten Ihn lediglich für einen gewöhnlichen Menschen. Sie wissen nicht, daß die gesegnete Form des menschlichen Lebens nach der ewigen transzendentalen Gestalt des Höchsten Herrn entworfen ist.

Alle unautorisierten Interpretationen der Gītā seitens der māyayāpahṛta-jñānāḥ, die nichts mit dem paramparā-System zu tun haben, bilden nur Hindernisse auf dem Pfad der spirituellen Erkenntnis. Diese verblendeten Kommentatoren ergeben sich den Lotosfüßen Śrī Kṛṣṇas nicht, ebensowenig wie sie andere lehren, diesem Prinzip zu folgen.

(4) Die letzte Klasse von duṣkṛtīs wird als āsuraṁ bhāvam āśritāḥ bezeichnet; es sind diejenigen, die dämonischen Prinzipien folgen. Diese Menschen sind unverhüllt atheistisch. Einige von ihnen behaupten, der Höchste Herr könne niemals in die materielle Welt herabsteigen, doch sie sind unfähig, irgendwelche stichhaltigen Gründe dafür anzugeben, warum dies nicht möglich sein soll. Wieder andere sagen, Er sei dem unpersönlichen Aspekt untergeordnet, obwohl in der Gītā genau das Gegenteil erklärt wird. Weil die Atheisten auf die Höchste Persönlichkeit Gottes neidisch sind, werden sie viele falsche Inkarnationen hervorbringen, die alle der Fabrik ihres Gehirns entspringen. Solche Menschen, die es sich zum Lebensgrundsatz gemacht haben, die Persönlichkeit Gottes zu lästern, können sich den Lotosfüßen Śrī Kṛṣṇas nicht ergeben.

Śrī Yāmunācārya Ālabandaru aus Südindien sagte: ,,O mein Herr! Menschen, die atheistischen Prinzipien folgen, vermögen Dich nicht zu erkennen – trotz Deiner ungewöhnlichen Eigenschaften, Merkmale und Taten, trotz der Tatsache, daß Deine Persönlichkeit von allen offenbarten Schriften in der Kategorie der Erscheinungsweise der Tugend beschrieben wird, und trotz der Tatsache, daß Du von allen namhaften Autoritäten anerkannt wirst, die göttliche Eigenschaften besitzen und für ihr tiefgründiges Wissen über die transzendentale Wissenschaft berühmt sind.“

(1) Die abgestumpften und dummen Menschen, (2) die Niedrigsten der Menschheit, (3) die irregeführten Spekulanten und (4) die erklärten Atheisten, wie sie alle oben beschrieben wurden, ergeben sich also trotz aller Ratschläge der Schriften und Autoritäten niemals den Lotosfüßen der Persönlichkeit Gottes.

Text

catur-vidhā bhajante māṁ
janāḥ su-kṛtino ’rjuna
ārto jijñāsur arthārthī
jñānī ca bharatarṣabha

Synonyms

catuḥ-vidhāḥ — vier Arten von; bhajante — bringen Dienst dar; mām — Mir; janāḥ — Menschen; su-kṛtinaḥ — diejenigen, die fromm sind; arjuna — o Arjuna; ārtaḥ — der Notleidende; jijñāsuḥ — der Wißbegierige; artha-arthī — jemand, der materiellen Gewinn begehrt; jñānī — jemand, der die Dinge kennt, wie sie sind; ca — auch; bharata-ṛṣabha — o bester unter den Nachkommen Bharatas.

Translation

O bester unter den Bhāratas [Arjuna], vier Arten frommer Menschen beginnen Mir in Hingabe zu dienen – der Notleidende, derjenige, der Reichtum begehrt, der Neugierige und derjenige, der nach Wissen vom Absoluten sucht.

Purport

ERLÄUTERUNG: Diejenigen, die in diesem Vers beschrieben werden, folgen, im Gegensatz zu den gottlosen Menschen, den regulierenden Prinzipien der Schriften. Sie werden su-kṛtinaḥ genannt, weil sie den Geboten und Verboten der Schriften wie auch den Moral- und Sozialgesetzen folgen und mehr oder weniger dem Höchsten Herrn ergeben sind. Sie werden in vier Gruppen unterteilt: diejenigen, die sich manchmal in einer Notlage befinden; diejenigen, die Geld brauchen; diejenigen, die manchmal Fragen stellen, und diejenigen, die manchmal Wissen über die Absolute Wahrheit suchen. Diese Menschen kommen zum Höchsten Herrn, um Ihm unter verschiedenen Bedingungen hingebungsvollen Dienst darzubringen. Sie sind keine reinen Gottgeweihten, weil sie im Austausch für ihren hingebungsvollen Dienst bestimmte Wünsche erfüllt haben wollen. Reiner hingebungsvoller Dienst ist frei von Bestrebungen und frei vom Wunsch nach materiellem Profit. Der Bhakti-rasāmṛta-sindhu (1.1.11) definiert reine Hingabe auf folgende Weise:

anyābhilāṣitā-śūnyaṁ
jñāna-karmādy-anāvṛtam
ānukūlyena kṛṣṇānu-
śīlanaṁ bhaktir uttamā

„Man sollte dem Höchsten Herrn, Śrī Kṛṣṇa, transzendentalen liebevollen Dienst in einer positiven, hingebungsvollen Haltung darbringen, frei von dem Wunsch, durch fruchtbringende Tätigkeiten oder philosophische Spekulation materiellen Profit oder Gewinn zu erlangen. Dies wird reiner hingebungsvoller Dienst genannt.“

Wenn sich diese vier Arten von Menschen dem Höchsten Herrn zuwenden, um Ihm hingebungsvollen Dienst darzubringen, und wenn sie durch die Gemeinschaft mit einem reinen Gottgeweihten vollständig geläutert worden sind, werden auch sie zu reinen Gottgeweihten. Was die gottlosen Menschen betrifft, so ist es für sie sehr schwierig, sich dem hingebungsvollen Dienst zuzuwenden, weil ihr Leben selbstsüchtig, unreguliert und ohne spirituelle Ziele ist. Aber sogar einige von ihnen werden zu reinen Gottgeweihten, wenn sie zufällig mit einem reinen Gottgeweihten zusammenkommen.

Wenn diejenigen, die sich fruchtbringenden Tätigkeiten verschrieben haben, in materielle Not geraten und sich in dieser Not dem Herrn zuwenden, bekommen sie die Möglichkeit, mit reinen Gottgeweihten Gemeinschaft zu haben, um in der Folge selbst Gottgeweihte zu werden. Diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen frustriert sind, wenden sich manchmal ebenfalls an reine Gottgeweihte und beginnen in ihrer Gemeinschaft, über Gott Fragen zu stellen. Ebenso kommt es manchmal vor, daß die trockenen Philosophen, wenn sie von all ihren Spekulationen genug haben, etwas über Gott erfahren wollen; sie wenden sich dann dem Höchsten Herrn zu, um Ihm hingebungsvollen Dienst darzubringen, und so transzendieren sie das Wissen über das unpersönliche Brahman und den lokalisierten Paramātmā und kommen durch die Gnade des Höchsten Herrn bzw. Seines reinen Geweihten zur persönlichen Auffassung von Gott. Zusammenfassend kann man also sagen, daß die Notleidenden, die Neugierigen, diejenigen, die nach Wissen suchen, und diejenigen, die in Geldnot sind, reine Gottgeweihte werden können, wenn sie sich von allen materiellen Wünschen befreien und vollständig verstehen, daß materielle Entlohnung nichts mit spirituellem Fortschritt zu tun hat. Solange die Gottgeweihten im transzendentalen Dienst des Herrn diese Stufe der Reinheit nicht erreichen, sind sie immer noch mit fruchtbringenden Tätigkeiten, dem Streben nach weltlichem Wissen usw. behaftet. Man muß daher all diese materiellen Motive hinter sich lassen, bevor man zur Stufe reinen hingebungsvollen Dienstes kommen kann.

Text

teṣāṁ jñānī nitya-yukta
eka-bhaktir viśiṣyate
priyo hi jñānino ’tyartham
ahaṁ sa ca mama priyaḥ

Synonyms

teṣāṁ — von ihnen; jñānī — derjenige in vollem Wissen; nitya-yuktaḥ — immer beschäftigt; eka — ausschließlich; bhaktiḥ — in hingebungsvollem Dienst; viśiṣyate — ist besonders; priyaḥ — sehr lieb; hi — gewiß; jñāninaḥ — demjenigen, der im Wissen gründet; atyartham — hoch; aham — Ich bin; saḥ — er; ca — auch; mama — Mir; priyaḥ — lieb.

Translation

Von diesen ist derjenige, der in vollem Wissen gründet und der immer im reinen hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist, der beste. Denn Ich bin ihm sehr lieb, und er ist Mir lieb.

Purport

ERLÄUTERUNG: Frei von aller Verunreinigung durch materielle Wünsche, können die Notleidenden, die Neugierigen, die Mittellosen und die nach höchstem Wissen Suchenden alle zu reinen Gottgeweihten werden. Von ihnen wird derjenige, der Wissen über die Absolute Wahrheit besitzt und von allen materiellen Wünschen frei ist, ein wirklich reiner Gottgeweihter werden. Und von diesen vier Klassen, so sagt der Herr, ist der Gottgeweihte, der über vollständiges Wissen verfügt und sich gleichzeitig im hingebungsvollen Dienst betätigt, der beste. Wenn man nach Wissen forscht, erkennt man, daß das Selbst vom materiellen Körper verschieden ist, und wenn man weiteren Fortschritt macht, erlangt man Wissen über das unpersönliche Brahman und den Paramātmā. Wenn man völlig gereinigt ist, erkennt man seine wesensgemäße Stellung als ewiger Diener Gottes. Der Neugierige, der Notleidende, derjenige, der nach materiellen Vorteilen strebt, und derjenige, der über Wissen verfügt – sie alle können durch die Gemeinschaft mit reinen Gottgeweihten ebenfalls rein werden. Im Vorbereitungsstadium aber ist derjenige, der volles Wissen über den Höchsten Herrn hat und zugleich hingebungsvollen Dienst ausführt, dem Herrn besonders lieb. Wer reines Wissen über die Transzendenz der Höchsten Persönlichkeit Gottes besitzt, wird im hingebungsvollen Dienst so sehr beschützt, daß materielle Verunreinigungen ihn nicht berühren können.

Text

udārāḥ sarva evaite
jñānī tv ātmaiva me matam
āsthitaḥ sa hi yuktātmā
mām evānuttamāṁ gatim

Synonyms

udārāḥ — edel; sarve — alle; eva — gewiß; ete — diese; jñānī — derjenige, der im Wissen gründet; tu — aber; ātmā eva — genauso wie Ich; me — Meine; matam — Meinung; āsthitaḥ — verankert; saḥ — er; hi — gewiß; yukta- ātmā — im hingebungsvollen Dienst beschäftigt; mām — in Mir; eva — gewiß; anuttamām — die höchste; gatim — Bestimmung.

Translation

All diese Geweihten sind zweifellos edle Seelen, doch derjenige, der im Wissen über Mich gründet, ist Mir so lieb wie Mein eigenes Selbst. Weil er in Meinem transzendentalen Dienst tätig ist, ist es ihm sicher, daß er Mich erreicht, das höchste und vollkommenste Ziel.

Purport

ERLÄUTERUNG: Man sollte nicht glauben, daß die Gottgeweihten, deren Wissen nicht so umfassend ist, dem Herrn nicht lieb seien. Der Herr sagt hier, daß sie alle edel sind, denn jeder, der aus irgendeinem Grund zum Herrn kommt, wird als mahātmā, als große Seele, bezeichnet. Die Gottgeweihten, die aus ihrem hingebungsvollen Dienst einen Nutzen ziehen wollen, werden vom Herrn anerkannt, weil ein Austausch von Zuneigung stattfindet. Mit Zuneigung bitten sie den Herrn um einen materiellen Vorteil, und wenn sie ihn bekommen, werden sie so zufrieden, daß sie dadurch auch im hingebungsvollen Dienst Fortschritt machen. Aber der Gottgeweihte, der in vollkommenem Wissen gründet, ist dem Herrn besonders lieb, weil es sein einziges Ziel ist, dem Höchsten Herrn mit Liebe und Hingabe zu dienen. Ein solcher Gottgeweihter kann nicht eine Sekunde leben, ohne mit dem Höchsten Herrn verbunden zu sein oder Ihm zu dienen. Ebenso ist der Höchste Herr Seinem Geweihten sehr zugetan und kann nicht von ihm getrennt sein.

Im Śrīmad-Bhāgavatam (9.4.68) sagt der Herr:

sādhavo hṛdayaṁ mahyaṁ
sādhūnāṁ hṛdayaṁ tv aham
mad-anyat te na jānanti
nāhaṁ tebhyo manāg api

„Die Gottgeweihten sind immer in Meinem Herzen, und Ich bin immer im Herzen der Gottgeweihten. Der Gottgeweihte kennt nichts außer Mir, und auch Ich kann den Gottgeweihten nicht vergessen. Zwischen Mir und Meinen reinen Geweihten besteht eine sehr innige Beziehung. Reine Gottgeweihte, die vollkommenes Wissen besitzen, sind niemals von der spirituellen Natur getrennt, und daher sind sie Mir sehr lieb.“

Text

bahūnāṁ janmanām ante
jñānavān māṁ prapadyate
vāsudevaḥ sarvam iti
sa mahātmā su-durlabhaḥ

Synonyms

bahūnāṁ — viele; janmanām — wiederholte Geburten und Tode; ante — nach; jñāna-vān — jemand, der über vollständiges Wissen verfügt; mām — Mir; prapadyate — ergibt sich; vāsudevaḥ — die Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa; sarvam — alles; iti — auf diese Weise; saḥ — diese; mahā-ātmā — große Seele; su-durlabhaḥ — sehr selten zu finden.

Translation

Wer nach vielen Geburten und Toden tatsächlich in Wissen gründet, ergibt sich Mir, da er weiß, daß Ich die Ursache aller Ursachen und daß Ich alles bin. Solch eine große Seele ist sehr selten.

Purport

ERLÄUTERUNG: Wenn das Lebewesen nach vielen, vielen Leben zum Punkt kommt, wo es hingebungsvollen Dienst oder transzendentale Rituale ausführt, entwickelt es letzten Endes transzendentales reines Wissen und erkennt, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes das endgültige Ziel aller spirituellen Erkenntnis ist. Am Anfang des Pfades der spirituellen Erkenntnis, während man noch versucht, seine Anhaftung an den Materialismus aufzugeben, neigt man sehr leicht zu unpersönlichen Vorstellungen; doch wenn man weiteren Fortschritt macht, kann man verstehen, daß es im spirituellen Leben Tätigkeiten gibt und daß diese Tätigkeiten hingebungsvollen Dienst darstellen. Wenn man dies erkennt, entwickelt man Anhaftung an die Höchste Persönlichkeit Gottes und ergibt sich dem Herrn. An diesem Punkt versteht man, daß Śrī Kṛṣṇas Barmherzigkeit alles ist, daß Er die Ursache aller Ursachen ist und daß die materielle Manifestation nicht unabhängig von Ihm ist. Man erkennt, daß die materielle Welt eine verzerrte Spiegelung der spirituellen Mannigfaltigkeit ist und daß es in allem eine Beziehung zum Höchsten Herrn, Śrī Kṛṣṇa, gibt. So sieht man alles in Beziehung zu Vāsudeva, Śrī Kṛṣṇa. Eine solche universale Sicht von Vāsudeva bringt einen schnell zum höchsten Ziel, der völligen Hingabe zum Höchsten Herrn, Śrī Kṛṣṇa. Solche ergebenen, großen Seelen sind sehr selten.

Der vorliegende Vers der Bhagavad-gītā wird im Dritten Kapitel (Vers vierzehn und fünfzehn) der Śvetāśvatara Upaniṣad sehr schön erklärt:

sahasra-śīrṣā puruṣaḥ
sahasrākṣaḥ sahasra-pāt
sa bhūmiṁ viśvato vṛtvā-
tyātiṣṭhad daśāṅgulam
puruṣa evedaṁ sarvaṁ
yad bhūtaṁ yac ca bhavyam
utāmṛtatvasyeśāno
yad annenātirohati

„Śrī Viṣṇu hat Tausende Köpfe, Tausende Augen und Tausende Füße. Er umfasst das gesamte Universum in seiner Ganzheit und erstreckt Sich darüber hinaus noch um die Breite von zehn Fingern. Er ist in der Tat dieses ganze Universum. Er ist alles, was war und alles, was sein wird. Er ist der Herr der Unsterblichkeit und der Herr all dessen, was durch Nahrung erhalten wird.“ In der Chāndogya Upaniṣad (5.1.15) heißt es: na vai vāco na cakṣūṁṣi na śrotrāṇi na manāṁsīty ācakṣate prāṇa iti evācakṣate prāṇo hy evaitāni sarvāṇi bhavanti. „Weder die Kraft zu sprechen noch die Kraft zu sehen, noch die Kraft zu hören, noch die Kraft zu denken ist der ursprüngliche, bewegende Faktor im Körper eines Lebewesens; es ist die Lebensluft, die das Zentrum aller Tätigkeiten ist.“ Ebenso ist Vāsudeva, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, der ursprüngliche, bewegende Faktor in allem. Und weil Vāsudeva alldurchdringend ist und alles Vāsudeva ist, ergibt sich Ihm der Gottgeweihte in vollem Wissen (vergleiche Bhagavad-gītā 7.17 und 11.40).

Text

kāmais tais tair hṛta-jñānāḥ
prapadyante ’nya-devatāḥ
taṁ taṁ niyamam āsthāya
prakṛtyā niyatāḥ svayā

Synonyms

kāmaiḥ — durch Wünsche; taiḥ taiḥ — verschiedene; hṛta — beraubt; jñānāḥ — des Wissens; prapadyante — ergeben sich; anya — anderen; devatāḥ — Halbgöttern; tam tam — entsprechend; niyamam — Regulierungen; āsthāya — befolgend; prakṛtyā — der Natur; niyatāḥ — beherrscht; svayā — von ihrer eigenen.

Translation

Diejenigen, deren Intelligenz von materiellen Wünschen gestohlen wurde, ergeben sich Halbgöttern und folgen, jeder seiner eigenen Natur entsprechend, bestimmten Regeln und Vorschriften der Verehrung.

Purport

ERLÄUTERUNG: Diejenigen, die von allen materiellen Verunreinigungen befreit sind, ergeben sich dem Höchsten Herrn und beschäftigen sich in Seinem hingebungsvollen Dienst. Solange die Lebewesen nicht alle materielle Verunreinigung vollständig fortgewaschen haben, bleiben sie dem Wesen nach Nichtgottgeweihte. Aber selbst diejenigen, die materielle Wünsche haben und beim Höchsten Herrn Zuflucht suchen, fühlen sich nicht übermäßig zur äußeren Natur hingezogen; weil sie sich dem richtigen Ziel nähern, werden sie bald von aller materiellen Lust frei. Im Śrīmad-Bhāgavatam wird empfohlen, sich unter allen Umständen Vāsudeva zu ergeben und Ihn zu verehren – ob man ein reiner Gottgeweihter ist, der keine materiellen Wünsche hat, ob man voller materieller Wünsche ist oder ob man sich Befreiung von aller materiellen Verunreinigung wünscht. Dies ist die Aussage des Bhāgavatam (2.3.10):

akāmaḥ sarva-kāmo vā
mokṣa-kāma udāra-dhīḥ
tīvreṇa bhakti-yogena
yajeta puruṣaṁ param

Unintelligente Menschen, die ihr spirituelles Verständnis verloren haben, suchen bei Halbgöttern Zuflucht, um sofortige Befriedigung ihrer materiellen Wünsche zu bekommen. Im allgemeinen wenden sich solche Menschen nicht an die Höchste Persönlichkeit Gottes, da sie sich in den niederen Erscheinungsweisen der Natur (Unwissenheit und Leidenschaft) befinden und deshalb verschiedene Halbgötter verehren. Indem sie den Regeln und Vorschriften der Verehrung folgen, werden ihre Wünsche erfüllt. Diese Wünsche jedoch, von denen die Halbgottverehrer getrieben werden, sind sehr kurzsichtig; im Gegensatz zum Gottgeweihten, der sich nicht irreführen läßt, wissen die Halbgottverehrer nicht, wie man das höchste Ziel erreichen kann. Weil in den vedischen Schriften empfohlen wird, für verschiedene Zwecke verschiedene Götter zu verehren (zum Beispiel wird einem Kranken empfohlen, die Sonne zu verehren), glauben diejenigen, die keine Geweihten des Herrn sind, für bestimmte Zwecke sei die Verehrung von Halbgöttern besser als die Verehrung des Höchsten Herrn. Ein reiner Gottgeweihter jedoch weiß, daß der Höchste Herr, Śrī Kṛṣṇa, der Meister eines jeden ist. Im Caitanya- caritāmṛta (Ādi 5.142) heißt es: ekale īśvara kṛṣṇa, āra saba bhṛtya. „Nur die Höchste Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa, ist Meister, und alle anderen sind Diener.“ Daher wendet sich ein reiner Gottgeweihter niemals an die Halbgötter, um sich seine materiellen Bedürfnisse erfüllen zu lassen. Er verläßt sich auf den Höchsten Herrn und ist einfach mit dem zufrieden, was er von Ihm bekommt.

Text

yo yo yāṁ yāṁ tanuṁ bhaktaḥ
śraddhayārcitum icchati
tasya tasyācalāṁ śraddhāṁ
tām eva vidadhāmy aham

Synonyms

yaḥ yaḥ — wer auch immer; yām yām — welche auch immer; tanum — Form eines Halbgottes; bhaktaḥ — Geweihter; śraddhayā — mit Glauben; arcitum — zu verehren; icchati — wünscht; tasya tasya — ihm; acalām — fest; śraddhām — Glauben; tām — diesen; eva — sicherlich; vidadhāmi — gebe; aham — Ich.

Translation

Ich weile als Überseele im Herzen eines jeden. Sobald jemand den Wunsch hat, einen bestimmten Halbgott zu verehren, festige Ich seinen Glauben, so daß er sich dieser bestimmten Gottheit hingeben kann.

Purport

ERLÄUTERUNG: Gott hat jedem Unabhängigkeit gegeben. Wenn jemand also den Wunsch nach materiellem Genuß hat und sich von den materiellen Halbgöttern aufrichtig die Möglichkeiten hierzu wünscht, versteht dies der Höchste Herr, der Sich als Überseele im Herzen eines jeden befindet, und gewährt einem solchen Menschen diese Möglichkeiten. Als der höchste Vater aller Lebewesen mischt Er Sich nicht in ihre Unabhängigkeit ein, sondern gibt ihnen alle Möglichkeiten, so daß sie sich ihre materiellen Wünsche erfüllen können. Hier könnte man sich fragen, warum der allmächtige Gott den Lebewesen die Gelegenheit gibt, die materielle Welt zu genießen, und sie damit in die Falle der illusionierenden Energie gehen läßt. Die Antwort lautet, daß unsere Unabhängigkeit keine Bedeutung hätte, wenn der Höchste Herr als Überseele diese Möglichkeiten nicht gäbe. Deshalb gewährt Er jedem völlige Unabhängigkeit, zu tun, was ihm beliebt, aber Seine endgültige Anweisung finden wir in der Bhagavad-gītā: Man sollte alle anderen Beschäftigungen aufgeben und sich Ihm völlig ergeben. Das wird die Menschen glücklich machen.

Sowohl die Menschen wie auch die Halbgötter sind dem Willen der Höchsten Persönlichkeit Gottes untergeordnet; deshalb kann ein Mensch nicht aus seinem eigenen Wunsch heraus einen Halbgott verehren, ebenso wie der Halbgott niemandem ohne den höchsten Willen eine Segnung gewähren kann. Deswegen sagt man, daß sich nicht einmal ein Grashalm ohne den Willen der Höchsten Persönlichkeit Gottes bewegen kann. Im allgemeinen wenden sich die Menschen, die in der materiellen Welt Not leiden, an die Halbgötter, so wie es in den vedischen Schriften empfohlen wird. Für jeden Wunsch gibt es einen bestimmten Halbgott, den man verehren kann. Einem Kranken zum Beispiel wird empfohlen, den Sonnengott zu verehren; ein Mensch, der gebildet sein möchte, kann die Göttin der Gelehrsamkeit, Sarasvatī, verehren, und jemand, der eine schöne Ehefrau begehrt, kann die Göttin Umā, die Gemahlin Śivas, verehren. Auf diese Weise gibt es in den śāstras (den vedischen Schriften) Empfehlungen, wie man die verschiedenen Halbgötter verehren kann. Und weil ein bestimmtes Lebewesen eine bestimmte materielle Annehmlichkeit genießen will, gibt der Herr ihm die Inspiration und den starken Wunsch, diese Segnung von dem betreffenden Halbgott zu erlangen, so daß das Lebewesen in der Folge diese Segnung auch bekommt. Die bestimmte Art der hingebungsvollen Haltung, die ein Lebewesen gegenüber einem bestimmten Halbgott zeigt, kommt ebenfalls vom Höchsten Herrn, und nicht von dem betreffenden Halbgott, denn die Halbgötter sind nicht in der Lage, in den Lebewesen eine solche Neigung zu erwecken; vielmehr ist es Kṛṣṇa, der Höchste Herr, der dem Menschen den Anstoß gibt, gewisse Halbgötter zu verehren, denn Er ist als Überseele im Herzen aller Lebewesen gegenwärtig. Die Halbgötter sind in Wirklichkeit verschiedene Teile des universalen Körpers des Höchsten Herrn; deshalb haben sie keine Unabhängigkeit. In den vedischen Schriften gibt es in diesem Zusammenhang den folgenden Vers: „Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist als Überseele auch im Herzen des Halbgottes gegenwärtig; daher sorgt Er durch den Halbgott dafür, daß der Wunsch des Lebewesens erfüllt wird. Aber sowohl der Halbgott als auch das Lebewesen sind vom höchsten Willen abhängig. Sie sind nicht unabhängig.“

Text

sa tayā śraddhayā yuktas
tasyārādhanam īhate
labhate ca tataḥ kāmān
mayaiva vihitān hi tān

Synonyms

saḥ — er; tayā — mit diesem; śraddhayā — Glauben; yuktaḥ — erfüllt; tasya — dieses Halbgottes; ārādhanam — für die Verehrung; īhate — bemüht sich; labhate — erreicht; ca — und; tataḥ — von diesem; kāmān — seine Wünsche; mayā — von Mir; eva — allein; vihitān — gesorgt; hi — gewiß; tān — diese.

Translation

Mit solchem Glauben erfüllt, bemüht er sich, einen bestimmten Halbgott zu verehren, und erlangt die Erfüllung seiner Wünsche. Doch in Wirklichkeit werden diese Segnungen von Mir allein erteilt.

Purport

ERLÄUTERUNG: Ohne die Einwilligung des Höchsten Herrn können die Halbgötter ihren Geweihten keine Segnung gewähren. Das Lebewesen vergißt vielleicht, daß alles das Eigentum des Höchsten Herrn ist, doch die Halbgötter vergessen dies nicht. Die Verehrung der Halbgötter und das Erreichen der gewünschten Ergebnisse hängen also nicht von den Halbgöttern ab, sondern von den Vorkehrungen der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das unintelligente Lebewesen weiß dies nicht und wendet sich daher törichterweise an die Halbgötter, nur um ein materielles Ziel zu erreichen. Der reine Gottgeweihte aber betet nur zum Höchsten Herrn, wenn er etwas braucht. Um materielle Vorteile zu bitten ist jedoch nicht das Zeichen eines reinen Gottgeweihten. Gewöhnlich wendet sich ein Lebewesen an die Halbgötter, weil es verrückt danach ist, seine Lust zu befriedigen. Dies geschieht, wenn sich das Lebewesen etwas Unzulässiges wünscht und der Herr Selbst den Wunsch nicht erfüllt. Im Caitanya-caritāmṛta heißt es, daß jemand, der den Höchsten Herrn verehrt und gleichzeitig nach materiellem Genuß trachtet, unvereinbare Wünsche hat. Hingebungsvoller Dienst für den Höchsten Herrn und die Verehrung eines Halbgottes können sich nicht auf der gleichen Ebene befinden, weil die Verehrung eines Halbgottes materiell und hingebungsvoller Dienst für den Höchsten Herrn völlig spirituell ist.

Für das Lebewesen, das den Wunsch hat, zu Gott zurückzukehren, sind materielle Wünsche Hindernisse. Einem reinen Gottgeweihten werden deshalb die materiellen Vorteile nicht gewährt, die von weniger intelligenten Menschen begehrt werden, welche deshalb lieber die Halbgötter der materiellen Welt verehren, als sich im hingebungsvollen Dienst des Höchsten Herrn zu beschäftigen.

Text

antavat tu phalaṁ teṣāṁ
tad bhavaty alpa-medhasām
devān deva-yajo yānti
mad-bhaktā yānti mām api

Synonyms

anta-vat — vergänglich; tu — aber; phalam — Frucht; teṣām — ihre; tat — diese; bhavati — wird; alpa-medhasām — derjenigen mit geringer Intelligenz; devān — den Halbgöttern; deva-yajaḥ — die Verehrer der Halbgötter; yānti — gehen; mat — Meine; bhaktāḥ — Geweihten; yānti — gehen; mām — zu Mir; api — auch.

Translation

Menschen mit geringer Intelligenz verehren die Halbgötter, und ihre Früchte sind begrenzt und vergänglich. Die Verehrer der Halbgötter gehen zu den Planeten der Halbgötter, doch Meine Geweihten erreichen letztlich Meinen höchsten Planeten.

Purport

ERLÄUTERUNG: Einige Kommentatoren der Bhagavad-gītā behaupten, man könne durch die Verehrung der Halbgötter den Höchsten Herrn erreichen, doch hier in diesem Vers wird unmißverständlich gesagt, daß die Verehrer der Halbgötter zu den verschiedenen Planetensystemen gehen, auf denen diese Halbgötter leben. Ein Verehrer der Sonne zum Beispiel erreicht die Sonne, und ein Verehrer des Halbgottes des Mondes gelangt zum Mond. Wenn jemand einen Halbgott wie Indra verehren will, so kann er auch den Planeten dieses Halbgottes erreichen. Es ist nicht so, daß jeder, egal welchen Halbgott er verehrt, die Höchste Persönlichkeit Gottes erreichen wird. Diese Behauptung wird hier widerlegt, denn es heißt eindeutig, daß die Verehrer der Halbgötter nur die Planeten der Halbgötter erreichen und in der materiellen Welt bleiben, wohingegen die Gottgeweihten direkt den höchsten Planeten der Persönlichkeit Gottes erreichen.

Hier könnte der folgende Einwand erhoben werden: Wenn die Halbgötter Teile des Körpers des Höchsten Herrn sind, dann müßte man durch ihre Verehrung doch dasselbe Ziel erreichen, wie wenn man den Höchsten Herrn direkt verehrt. Dieses Argument jedoch zeugt nur von der geringen Intelligenz der Halbgottverehrer, da sie nicht wissen, welchem Teil des Körpers Nahrung zugeführt werden muß. Einige von ihnen sind so töricht, daß sie behaupten, man könne den einzelnen Körperteilen für sich Nahrung zuführen. Diese Ansicht ist nicht sehr vernünftig, denn kann jemand seinem Körper durch die Augen oder Ohren Nahrung zuführen? Sie wissen nicht, daß die Halbgötter verschiedene Teile des universalen Körpers des Höchsten Herrn sind, und so glauben sie in ihrer Unwissenheit, jeder einzelne Halbgott sei ein gesonderter Gott und ein Konkurrent des Höchsten Herrn.

Nicht nur die Halbgötter sind Teile des Höchsten Herrn, sondern auch die gewöhnlichen Lebewesen. Im Śrīmad-Bhāgavatam heißt es, daß die brāhmaṇas der Kopf des Höchsten Herrn sind, die kṣatriyas Seine Arme, die vaiśyas Sein Magen und die śūdras Seine Beine und daß sie alle verschiedene Funktionen haben. Wenn jemand sich darüber bewußt ist, daß sowohl die Halbgötter als auch er selbst Teile des Höchsten Herrn sind, dann ist sein Wissen vollkommen, unabhängig davon, in welcher Stellung er sich befindet. Aber wenn man dies nicht versteht, gelangt man auf die Planeten der Halbgötter, wohingegen die Gottgeweihten ein ganz anderes Ziel erreichen.

Die Ergebnisse, die man durch die Segnungen der Halbgötter bekommt, sind vergänglich, weil in der materiellen Welt die Planeten, die Halbgötter und ihre Verehrer alle vergänglich sind. Deshalb wird in diesem Vers klar darauf hingewiesen, daß nur die Lebewesen mit geringer Intelligenz die Halbgötter verehren, da alle Ergebnisse, die man dadurch bekommt, vergänglich sind. Weil der reine Gottgeweihte, der im Kṛṣṇa- Bewußtsein dem Höchsten Herrn hingebungsvollen Dienst darbringt, ein ewiges, glückseliges Dasein voller Wissen erreicht, unterscheidet sich sein Erfolg von dem des gewöhnlichen Halbgottverehrers. Der Höchste Herr ist unbegrenzt; Seine Gunst ist unbegrenzt, und Seine Barmherzigkeit ist unbegrenzt. Deshalb ist die Barmherzigkeit, die der Höchste Herr Seinem reinen Geweihten gewährt, ebenfalls unbegrenzt.

Text

avyaktaṁ vyaktim āpannaṁ
manyante mām abuddhayaḥ
paraṁ bhāvam ajānanto
mamāvyayam anuttamam

Synonyms

avyaktam — unmanifestiert; vyaktim — Persönlichkeit; āpannam — erreicht; manyante — denken; mām — Mich; abuddhayaḥ — unintelligente Menschen; param — höchste; bhāvam — Existenz; ajānantaḥ — ohne zu kennen; mama — Meine; avyayam — unvergängliche; anuttamam — die feinste.

Translation

Unintelligente Menschen, die Mich nicht vollkommen kennen, glauben, daß Ich, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa, zuvor unpersönlich gewesen sei und nun diese persönliche Form angenommen habe. Aufgrund ihres geringen Wissens kennen sie Meine höhere Natur nicht, die unvergänglich und absolut ist.

Purport

ERLÄUTERUNG: Diejenigen, die die Halbgötter verehren, sind als Menschen mit geringer Intelligenz bezeichnet worden, und hier wird Ähnliches über die Unpersönlichkeitsanhänger gesagt. Śrī Kṛṣṇa spricht hier in Seiner persönlichen Form zu Arjuna, und dennoch behaupten die Unpersönlichkeitsanhänger in ihrer Unwissenheit, der Höchste Herr habe letztlich keine Form. Yāmunācārya, ein großer Geweihter des Herrn in der Schülernachfolge Rāmānujācāryas, hat in diesem Zusammenhang einen sehr treffenden Vers geschrieben:

tvāṁ śīla-rūpa-caritaiḥ parama-prakṛṣṭaiḥ
sattvena sāttvikatayā prabalaiś ca śāstraiḥ
prakhyāta-daiva-paramārtha-vidāṁ mataiś ca
naivāsura-prakṛtayaḥ prabhavanti boddhum

„Mein lieber Herr, Gottgeweihte wie Vyāsadeva und Nārada wissen, daß Du die Persönlichkeit Gottes bist. Durch das Studium der verschiedenen vedischen Schriften kann man dahin gelangen, Deine Eigenschaften, Deine Gestalt und Deine Taten zu verstehen, und so kann man erkennen, daß Du die Höchste Persönlichkeit Gottes bist. Doch diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit befinden, die Dämonen und die Nichtgottgeweihten, können Dich nicht verstehen. Sie sind nicht qualifiziert, Dich zu verstehen. Ganz gleich wie kundig solche Nichtgottgeweihten darin sind, über den Vedānta, die Upaniṣaden und andere vedische Schriften zu diskutieren, es ist ihnen nicht möglich, die Persönlichkeit Gottes zu verstehen.“ (Stotra-ratna 12)

In der Brahma-saṁhitā wird gesagt, daß die Persönlichkeit Gottes nicht einfach durch das Studium der Vedānta-Literatur verstanden werden kann. Nur durch die Barmherzigkeit des Höchsten Herrn kann man die Persönlichkeit des Höchsten erkennen. Deshalb heißt es in diesem Vers, daß nicht nur die Verehrer der Halbgötter weniger intelligent sind, sondern auch die Nichtgottgeweihten, die sich ohne die geringste Spur wahren Kṛṣṇa-Bewußtseins mit dem Vedānta befassen und über die vedische Literatur spekulieren. Auch ihnen ist es nicht möglich, das persönliche Wesen Gottes zu verstehen. Menschen, die der Auffassung sind, die Absolute Wahrheit sei unpersönlich, werden als abuddhayaḥ bezeichnet, denn sie kennen den höchsten Aspekt der Absoluten Wahrheit nicht. Im Śrīmad-Bhāgavatam wird gesagt, daß die Erkenntnis des Höchsten mit der Erkenntnis des unpersönlichen Brahman beginnt und dann zur lokalisierten Überseele aufsteigt – doch der höchste Aspekt der Absoluten Wahrheit ist die Persönlichkeit Gottes. Die modernen Unpersönlichkeitsanhänger sind sogar noch unintelligenter, denn sie folgen nicht einmal ihrem großen Vorgänger, Śaṅkarācārya, der eindeutig gesagt hat, daß Kṛṣṇa die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Da die Unpersönlichkeitsanhänger die Höchste Wahrheit nicht verstehen, glauben sie, Kṛṣṇa sei einfach nur der Sohn Devakīs und Vasudevas oder ein Prinz oder ein mächtiges Lebewesen. Diese Haltung wird in der Bhagavad-gītā (9.11) ebenfalls verurteilt: Avajānanti māṁ mūḍhā mānuṣīṁ tanum āśritam. „Nur die Toren halten Mich für einen gewöhnlichen Menschen.“

Es ist also eine Tatsache, daß niemand Kṛṣṇa verstehen kann, ohne hingebungsvollen Dienst zu leisten und Kṛṣṇa-Bewußtsein zu entwickeln. Dies wird im Bhāgavatam (10.14.29) bestätigt:

athāpi te deva padāmbuja-dvaya-
prasāda-leśānugṛhīta eva hi
jānāti tattvaṁ bhagavan-mahimno
na cānya eko ’pi ciraṁ vicinvan

„O mein Herr, selbst wenn man nur ein wenig von der Barmherzigkeit Deiner Lotosfüße begünstigt wird, kann man die Größe Deiner Persönlichkeit verstehen. Aber diejenigen, die spekulieren, um die Höchste Persönlichkeit Gottes zu verstehen, sind nicht in der Lage, Dich zu verstehen, selbst wenn sie für viele Jahre die Veden studieren.“

Man kann Kṛṣṇa, die Höchste Persönlichkteit Gottes, Seine Gestalt, Seine Eigenschaften und Seinen Namen nicht durch bloße mentale Spekulation oder Erörterung der vedischen Schriften verstehen. Man muß Ihn durch hingebungsvollen Dienst verstehen. Nur wenn man völlig im Kṛṣṇa-Bewußtsein beschäftigt ist, das mit dem Chanten des mahā- mantra – Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare – beginnt, kann man die Höchste Persönlichkeit Gottes verstehen. Die atheistischen Unpersönlichkeitsanhänger glauben, Kṛṣṇa habe einen materiellen Körper und all Seine Taten, Seine Gestalt und alles andere seien māyā. Diese Unpersönlichkeitsanhänger werden als Māyāvādīs bezeichnet. Sie kennen die endgültige Wahrheit nicht.

Im zwanzigsten Vers dieses Kapitels heißt es: kāmais tais tair hṛta-jñānāḥ prapadyante ’nya-devatāḥ. „Diejenigen, die durch lustvolle Wünsche verblendet sind, ergeben sich den verschiedenen Halbgöttern.“ Wie wir wissen, gibt es neben der Höchsten Persönlichkeit Gottes viele Halbgötter, die alle ihren Planeten haben, ebenso wie auch Kṛṣṇa einen Planeten hat. In diesem Zusammenhang hieß es im dreiundzwanzigsten Vers: devān deva-yajo yānti mad-bhaktā yānti mām api. Diejenigen, die die Halbgötter verehren, erreichen die verschiedenen Planeten der Halbgötter, und diejenigen, die Geweihte Śrī Kṛṣṇas sind, gelangen auf den Planeten Kṛṣṇaloka. Obwohl dies unmißverständliche Aussagen sind, beharren die törichten Unpersönlichkeitsanhänger auf der Meinung, der Herr sei formlos und alle diese Formen seien Einbildung. Geht aus der Gītā etwa hervor, daß die Halbgötter und ihre Planeten unpersönlich seien? Es ist klar, daß weder die Halbgötter noch Kṛṣṇa, die Höchste Persönlichkeit Gottes, unpersönlich sind. Sie sind alle Personen; Śrī Kṛṣṇa ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, und Er besitzt einen eigenen Planeten, ebenso wie auch die Halbgötter ihre jeweiligen Planeten besitzen.

Deshalb ist die monistische Behauptung, die endgültige Wahrheit sei formlos und jede Form sei Einbildung, falsch. Hier wird eindeutig gesagt, daß sie keine Einbildung ist. Aus der Bhagavad-gītā geht klar hervor, daß die Form der Halbgötter und die des Höchsten Herrn gleichzeitig existieren und daß Śrī Kṛṣṇa sac-cid-ānanda, ewig, glückselig und voller Wissen, ist. Die vedische Literatur bestätigt, daß die Höchste Absolute Wahrheit Wissen und glückselige Freude ist, vijñānam ānandaṁ brahma (Bṛhad-āraṇyaka Upaniṣad 3.9.28), und daß Sie das unbegrenzte Behältnis aller glückverheißenden Eigenschaften ist, ananta-kalyāna-guṇātmako ’sau (Viṣṇu Purāṇa 6.5.84).

Und in der Gītā sagt der Herr, daß Er, obwohl ungeboren (aja), dennoch in Seiner persönlichen Form erscheint. Dies sind die Tatsachen, wie sie in der Bhagavad-gītā beschrieben werden, und wir sollten sie genauso verstehen. Es ist unmöglich, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes unpersönlich ist; deshalb ist die Theorie der Einbildung, die von den monistischen Unpersönlichkeitsanhängem vertreten wird, nach dem Urteil der Gītā falsch. Es kann also keinen Zweifel geben, daß die Höchste Absolute Wahrheit, Śrī Kṛṣṇa, sowohl Form als auch Persönlichkeit besitzt.

Text

nāhaṁ prakāśaḥ sarvasya
yoga-māyā-samāvṛtaḥ
mūḍho ’yaṁ nābhijānāti
loko mām ajam avyayam

Synonyms

na — und nicht; aham — Ich; prakāśaḥ — sichtbar; sarvasya — jedem; yoga- māyā — durch die innere Kraft; samāvṛtaḥ — bedeckt; mūḍhaḥ — den Toren; ayam — diese; na — nicht; abhijānāti — können verstehen; lokaḥ — Menschen; mām — Mich; ajam — ungeboren; avyayam — unerschöpflich.

Translation

Den Toren und unintelligenten Menschen offenbare Ich Mich niemals. Für sie bin Ich von Meiner inneren Energie bedeckt, und deshalb wissen sie nicht, daß Ich ungeboren und unfehlbar bin.

Purport

ERLÄUTERUNG: Hier könnte man sich fragen, warum Kṛṣṇa, der doch auf unserer Erde lebte und allen Menschen sichtbar war, Sich nicht auch heute jedem offenbart. In Wirklichkeit aber war Er damals nicht jedem offenbar. Als Kṛṣṇa gegenwärtig war, gab es nur wenige, die verstanden, daß Er die Höchste Persönlichkeit Gottes war. Als sich Śiśupāla in der Versammlung der Kurus dagegen aussprach, daß Kṛṣṇa zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt wurde, stellte sich Bhīṣma auf Kṛṣṇas Seite und erklärte, Kṛṣṇa sei der Höchste Gott. Auch die Pāṇḍavas und einige andere wußten, daß Er der Höchste war, aber nicht jeder. Den Nichtgottgeweihten und den gewöhnlichen Menschen offenbarte Er Sich nicht. Deshalb sagt Kṛṣṇa in der Bhagavad-gītā, daß Ihn alle Menschen, außer Seinen reinen Geweihten, für einen der Ihren halten. Er offenbarte Sich nur Seinen Geweihten als das Behältnis aller Freude; für die anderen, die unintelligenten Nichtgottgeweihten, war Er von Seiner inneren Energie bedeckt.

In den Gebeten Königin Kuntīs im Śrīmad-Bhāgavatam (1.8.19) heißt es, daß der Herr vom Schleier yoga-māyās bedeckt ist und daß gewöhnliche Menschen Ihn deshalb nicht verstehen können. Dieser Schleier yoga-māyās wird auch in der Īśopaniṣad (mantra 15) beschrieben, wo der Gottgeweihte betet:

hiraṇmayena pātreṇa
satyasyāpihitaṁ mukham
tat tvaṁ pūṣann apāvṛṇu
satya-dharmāya dṛṣṭaye

„O mein Herr, Du bist der Erhalter des gesamten Universums, und hingebungsvoller Dienst für Dich ist das höchste religiöse Prinzip. Deshalb bete ich, Du mögest auch mich erhalten. Deine transzendentale Form wird von yoga-māyā bedeckt. Das brahmajyoti ist die Bedeckung der inneren Energie. Bitte entferne gütigerweise diese gleißende Ausstrahlung, die mich davon abhält, Deine sac-cid-ānanda- vigraha, Deine ewige Gestalt der Glückseligkeit und des Wissens, zu sehen.“ Die Höchste Persönlichkeit Gottes in Ihrer transzendentalen Gestalt der Glückseligkeit und des Wissens wird von der inneren Energie, dem brahmajyoti, bedeckt, und aus diesem Grund vermögen die unintelligenten Unpersönlichkeitsanhänger den Höchsten nicht wahrzunehmen.

Im Śrīmad-Bhāgavatam (10.14.7) wendet sich Brahmā mit dem folgenden Gebet an den Höchsten Herrn: „O Höchste Persönlichkeit Gottes, O Überseele, O Meister aller Mysterien, wer kann Deine Kraft und Deine Spiele in dieser Welt ermessen? Deine innere Energie erweitert sich ständig, und deshalb kann Dich niemand verstehen. Große Wissenschaftler und Gelehrte können zwar versuchen, den atomaren Aufbau der materiellen Welt und ihre Planeten zu untersuchen, aber sie sind dennoch unfähig, Deine Macht und Energie zu ermessen, obwohl Du vor ihnen gegenwärtig bist.“ Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, ist nicht nur ungeboren, sondern auch avyaya, unerschöpflich. Seine ewige Gestalt ist Glückseligkeit und Wissen, und Seine Energien sind alle unerschöpflich.

Text

vedāhaṁ samatītāni
vartamānāni cārjuna
bhaviṣyāṇi ca bhūtāni
māṁ tu veda na kaścana

Synonyms

veda — kenne; aham — Ich; samatītāni — vollständig vergangen; vartamānāni — gegenwärtig; ca — und; arjuna — o Arjuna; bhaviṣyāṇi — zukünftig; ca — auch; bhūtāni — alle Lebewesen; mām — Mich; tu — aber; veda — kennt; na — nicht; kaścana — jemand.

Translation

O Arjuna, als die Höchste Persönlichkeit Gottes weiß Ich alles, was in der Vergangenheit geschah, alles, was in der Gegenwart geschieht, und alles, was sich in der Zukunft ereignen wird. Ich kenne auch alle Lebewesen, doch Mich kennt niemand.

Purport

ERLÄUTERUNG: Hier wird die Frage der Persönlichkeit und Unpersönlichkeit eindeutig geklärt. Wenn die Form Kṛṣṇas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, māyā, materiell, wäre, wie die Unpersönlichkeitsanhänger meinen, dann würde Er, wie das Lebewesen, Seinen Körper wechseln und alles aus Seinem vergangenen Leben vergessen. Jemand, der einen materiellen Körper hat, kann sich nicht an sein vergangenes Leben erinnern, und er ist auch nicht in der Lage, das Ergebnis seines gegenwärtigen Lebens oder sein zukünftiges Leben vorauszusagen; deshalb kennt er weder die Vergangenheit noch die Gegenwart, noch die Zukunft. Solange man von der materiellen Verunreinigung nicht frei ist, kann man Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht kennen.

Śrī Kṛṣṇa sagt im vorliegenden Vers eindeutig, daß Er, im Gegensatz zu den gewöhnlichen Menschen, alles weiß, was in der Vergangenheit geschah, was in der Gegenwart geschieht und was in der Zukunft noch geschehen wird. Im Vierten Kapitel haben wir gesehen, daß Śrī Kṛṣṇa Sich daran erinnert, Vivasvān, den Sonnengott, vor Millionen von Jahren unterwiesen zu haben. Kṛṣṇa kennt jedes Lebewesen, weil Er Sich als Überseele im Herzen eines jeden befindet. Aber obwohl Kṛṣṇa als die Höchste Persönlichkeit Gottes erscheint und Sich auch im Herzen eines jeden Lebewesens als Überseele befindet, können Ihn die unintelligenten Menschen nicht als die Höchste Person erkennen, selbst wenn sie in der Lage sind, das unpersönliche Brahman zu erkennen. Śrī Kṛṣṇas transzendentaler Körper ist zweifellos nicht vergänglich. Kṛṣṇa ist genau wie die Sonne, und māyā ist wie eine Wolke. In der materiellen Welt sehen wir die Sonne, die Wolken und verschiedene Sterne und Planeten, und manchmal kommt es vor, daß die Wolken für eine gewisse Zeit den gesamten Himmel bedecken. Diese Bedeckung bezieht sich jedoch nur auf unsere begrenzte Sicht, denn die Sonne, der Mond und die Sterne können nicht wirklich bedeckt werden. Ebenso kann auch māyā den Höchsten Herrn nicht bedecken; vielmehr entzieht Er Sich durch Seine innere Energie der Sicht der unintelligenten Menschenklasse. Wie im dritten Vers dieses Kapitels erklärt wird, versuchen unter Millionen und Abermillionen von Menschen nur einige wenige, in der menschlichen Lebensform vollkommen zu werden, und von vielen Tausenden solcher Menschen, die die Vollkommenheit erreicht haben, kann kaum einer Śrī Kṛṣṇa in Wahrheit verstehen. Selbst wenn man in der Erkenntnis des unpersönlichen Brahman oder des lokalisierten Paramātmā die Vollkommenheit erreicht hat, ist es einem unmöglich, die Höchste Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, zu verstehen, ohne Kṛṣṇa-bewußt zu sein.

Text

icchā-dveṣa-samutthena
dvandva-mohena bhārata
sarva-bhūtāni sammohaṁ
sarge yānti paran-tapa

Synonyms

icchā — Verlangen; dveṣa — und Haß; samutthena — entstanden aus; dvandva — der Dualität; mohena — durch die Illusion; bhārata — o Nachkomme Bharatas; sarva — alle; bhūtani — Lebewesen; sammoham — in Täuschung; sarge — geboren; yānti — gehen; param-tapa — o Bezwinger der Feinde.

Translation

O Nachkomme Bharatas, o Bezwinger der Feinde, alle Lebewesen werden in Täuschung geboren, verwirrt von den Dualitäten, die aus Verlangen und Haß entstehen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Es ist die wahre, wesensgemäße Stellung des Lebewesens, dem Höchsten Herrn, der reines Wissen ist, untergeordnet zu sein. Wenn man sich in Täuschung von diesem reinen Wissen trennen läßt, gerät man unter die Herrschaft der illusionierenden Energie und kann die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht verstehen. Die illusionierende Energie manifestiert sich in der Dualität von Verlangen und Haß. Verlangen und Haß verleiten den unwissenden Menschen dazu, mit Kṛṣṇa eins werden zu wollen und Ihn als die Höchste Persönlichkeit Gottes zu beneiden. Die reinen Gottgeweihten, die nicht von Verlangen und Haß getäuscht und verunreinigt sind, verstehen, daß Śrī Kṛṣṇa durch Seine innere Energie erscheint, aber diejenigen, die von Dualität und Unwissenheit getäuscht sind, glauben, die Höchste Persönlichkeit Gottes sei von den materiellen Energien erschaffen worden. Das ist ihr Mißgeschick. Solche verblendeten Menschen leben bezeichnenderweise in Dualitäten wie Schmach und Ehre, Leid und Glück, Frau und Mann, Gut und Schlecht, Freude und Schmerz usw. und denken: „Dies ist meine Frau; dies ist mein Haus; ich bin der Besitzer dieses Hauses; ich bin der Ehemann dieser Frau.“ Dies sind alles Dualitäten, die aus Illusion entstehen, und diejenigen, die von diesen Dualitäten getäuscht werden, sind völlig verblendet und sind deshalb nicht in der Lage, die Höchste Persönlichkeit Gottes zu verstehen.

Text

yeṣāṁ tv anta-gataṁ pāpaṁ
janānāṁ puṇya-karmaṇām
te dvandva-moha-nirmuktā
bhajante māṁ dṛḍha-vratāḥ

Synonyms

yeṣām — deren; tu — aber; anta-gatam — vollständig getilgt; pāpam — Sünde; janānām — der Menschen; puṇya — fromme; karmaṇām — deren frühere Tätigkeiten; te — sie; dvandva — der Dualität; moha — Täuschung; nirmuktāḥ — frei von; bhajante — beschäftigen sich im hingebungsvollen Dienst; mām — zu Mir; dṛḍha-vratāḥ — mit Entschlossenheit.

Translation

Menschen, die in vorangegangenen und im gegenwärtigen Leben fromm gehandelt haben und deren Sünden vollständig getilgt sind, sind frei von den Dualitäten der Täuschung, und sie beschäftigen sich mit Entschlossenheit in Meinem Dienst.

Purport

ERLÄUTERUNG: In diesem Vers werden diejenigen beschrieben, die geeignet sind, auf die transzendentale Ebene erhoben zu werden. Für Menschen, die sündig, atheistisch, dumm und betrügerisch sind, ist es sehr schwierig, die Dualität von Verlangen und Haß zu überwinden. Nur diejenigen, die in ihrem Leben den regulierenden Prinzipien der Religion gefolgt sind, die fromm gehandelt und alle sündhaften Reaktionen überwunden haben, können sich dem hingebungsvollen Dienst zuwenden und sich allmählich auf die Stufe des reinen Wissens über die Höchste Persönlichkeit Gottes erheben. Dann können sie allmählich beginnen, in Trance über die Höchste Persönlichkeit Gottes zu meditieren. Dies ist der Vorgang, um die spirituelle Ebene zu erreichen. Und diese Erhebung ist im Kṛṣṇa-Bewußtsein in der Gemeinschaft reiner Gottgeweihter möglich, denn in der Gemeinschaft großer Gottgeweihter kann man von Täuschung befreit werden.

Im Śrīmad-Bhāgavatam (5.5.2) heißt es, daß man den Gottgeweihten dienen muß, wenn man tatsächlich befreit werden will (mahat-sevāṁ dvāram āhur vimukteḥ); aber diejenigen, die mit materialistischen Menschen Umgang haben, befinden sich auf dem Pfad, der zum dunkelsten Bereich des Daseins führt (tamo-dvāraṁ yoṣitāṁ saṅgi-saṅgam). Die Geweihten des Herrn reisen über die ganze Erde, nur um die bedingten Seelen aus ihrer Illusion zu befreien. Die Unpersönlichkeitsanhänger wissen nicht, daß es die größte Verletzung der Gesetze Gottes ist, wenn man seine wesensgemäße Stellung, nämlich dem Höchsten Herrn untergeordnet zu sein, vergißt. Solange man sich nicht wieder in seiner wesensgemäßen Stellung befindet, ist es nicht möglich, die Höchste Persönlichkeit Gottes zu verstehen oder mit Entschlossenheit voll in Seinem transzendentalen liebevollen Dienst beschäftigt zu sein.

Text

jarā-maraṇa-mokṣāya
mām āśritya yatanti ye
te brahma tad viduḥ kṛtsnam
adhyātmaṁ karma cākhilam

Synonyms

jarā — von Alter; maraṇa — und Tod; mokṣāya — zum Zweck der Befreiung; mām — Mir; āśritya — Zuflucht suchend bei; yatanti — bemühen sich; ye — all jene, die; te — solche Menschen; brahma — Brahman; tat — wahrhaft dieses; viduḥ — sie kennen; kṛtsnam — alles; adhyātmaṁ — transzendentale; karma — Tätigkeiten; ca — auch; akhilam — völlig.

Translation

Intelligente Menschen, die nach Befreiung von Alter und Tod streben, suchen bei Mir im hingebungsvollen Dienst Zuflucht. Sie sind wahrhaft Brahman, da sie vollkommenes Wissen über transzendentale Tätigkeiten besitzen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Geburt, Tod, Alter und Krankheiten beeinflussen unseren materiellen Körper, nicht aber den spirituellen Körper. Für den spirituellen Körper gibt es keine Geburt, keinen Tod, kein Alter und keine Krankheit. Wer also einen spirituellen Körper erlangt, einer der Gefährten der Höchsten Persönlichkeit Gottes wird und sich im ewigen hingebungsvollen Dienst betätigt, hat die vollkommene Befreiung erlangt. Ahaṁ brahmāsmi: „Ich bin von spiritueller Natur.“ Dies bedeutet, daß man verstehen sollte, daß man Brahman ist – spirituelle Seele. Diese Brahman-Erkenntnis ist auch im hingebungsvollen Dienst enthalten, wie im vorliegenden Vers erklärt wird. Die reinen Gottgeweihten sind auf der Brahman-Ebene verankert, transzendental zum materiellen Dasein, und sie besitzen vollkommenes Wissen über transzendentale Tätigkeiten.

Wenn die vier Arten von unreinen Gottgeweihten, die den transzendentalen Dienst des Herrn aufnehmen und sich dadurch ihre Wünsche erfüllen, völlig Kṛṣṇa-bewußt werden, ist es ihnen möglich, sich durch die Gnade des Höchsten Herrn Seiner spirituellen Gemeinschaft zu erfreuen. Aber diejenigen, die die Halbgötter verehren, erreichen niemals den höchsten Planeten des Herrn. Selbst die weniger intelligenten Menschen, die nur das Brahman erkennen, können den höchsten Planeten Kṛṣṇas, Goloka Vṛndāvana, nicht erreichen. Nur diejenigen, die Tätigkeiten im Kṛṣṇa-Bewußtsein ausführen (mām āśritya), sind wirklich berechtigt, als Brahman bezeichnet zu werden, da sie sich bemühen, tatsächlich den Planeten Kṛṣṇas zu erreichen. Solche Menschen zweifeln nicht an Kṛṣṇa, und daher sind sie tatsächlich Brahman.

Diejenigen, die die arcā-Form, die Bildgestalt des Herrn, verehren oder über den Herrn meditieren, um von der materiellen Fessel befreit zu werden, verstehen durch die Gnade des Herrn ebenfalls die Bedeutung von Brahman, adhibhūta usw., wie dies vom Herrn im nächsten Kapitel erklärt wird.

Text

sādhibhūtādhidaivaṁ māṁ
sādhiyajñaṁ ca ye viduḥ
prayāṇa-kāle ’pi ca māṁ
te vidur yukta-cetasaḥ

Synonyms

sa-adhibhūta — und das beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation; adhidaivam — alle Halbgötter beherrschend; mām — Mich: sa – adhiyajñam – und alle Opfer beherrschend: ca – auch; ye — diejenigen, die; viduḥ — kennen; prayāṇa — des Todes; kāle — zur Zeit; api — sogar; ca — und; mām — Mich; te — sie; viduḥ — kennen; yukta-cetasaḥ — ihren Geist auf Mich gerichtet.

Translation

Diejenigen, die ihr Bewußtsein völlig auf Mich gerichtet haben und wissen, daß Ich, der Höchste Herr, das beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation, der Halbgötter und aller Opfervorgänge bin, sind in der Lage, Mich, die Höchste Persönlichkeit Gottes, sogar zum Zeitpunkt des Todes vollkommen zu verstehen und zu kennen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Menschen, die im Kṛṣṇa-Bewußtsein handeln, weichen niemals vom Pfad ab, der einen zum vollkommenen Verständnis der Höchsten Persönlichkeit Gottes führt. In der transzendentalen Gemeinschaft des Kṛṣṇa-Bewußtseins kann man verstehen lernen, daß der Höchste Herr das beherrschende Prinzip der materiellen Manifestation und sogar der Halbgötter ist. Durch diese transzendentale Gemeinschaft wird man allmählich von der Höchsten Persönlichkeit Gottes überzeugt, und zur Zeit des Todes wird ein solcher Kṛṣṇa-bewußter Mensch Kṛṣṇa niemals vergessen. Und so wird er zum Planeten des Höchsten Herrn, Goloka Vṛndāvana, erhoben.

Das Siebte Kapitel erklärt insbesondere, wie man völlig Kṛṣṇa- bewußt werden kann. Kṛṣṇa-Bewußtsein beginnt, wenn man mit Kṛṣṇa- bewußten Menschen zusammenkommt. Solche Gemeinschaft ist spirituell und bringt einen direkt mit Kṛṣṇa in Berührung, durch dessen Gnade man Ihn als die Höchste Persönlichkeit Gottes erkennen kann. Gleichzeitig kann man auch in Wahrheit verstehen, was die wesensgemäße Stellung des Lebewesens ist und wie das Lebewesen Kṛṣṇa vergißt und in der Folge in materielle Tätigkeiten verstrickt wird. Wenn das Lebewesen in der richtigen Gemeinschaft allmählich Kṛṣṇa-Bewußtsein entwickelt, kann es verstehen, daß es nur aufgrund der Tatsache, daß es Kṛṣṇa vergessen hat, unter den Einfluß der Gesetze der materiellen Natur geriet. Ebenso versteht es, daß die menschliche Lebensform eine Gelegenheit ist, sein Kṛṣṇa-Bewußtsein wiederzugewinnen, und daß dieses Leben voll genutzt werden sollte, um die grundlose Barmherzigkeit des Höchsten Herrn zu erlangen.

In diesem Kapitel wurden viele Themen behandelt: der Notleidende, der Wißbegierige und der materiell Bedürftige, Wissen vom Brahman, Wissen vom Paramātmā, Befreiung von Geburt, Tod und Krankheiten und die Verehrung des Höchsten Herrn. Wer jedoch im Kṛṣṇa- Bewußtsein tatsächlich fortgeschritten ist, kümmert sich nicht um diese verschiedenen Vorgänge. Er beschäftigt sich einfach direkt in Kṛṣṇa- bewußten Tätigkeiten und erreicht dadurch seine wirkliche, wesenseigene Stellung als ewiger Diener Śrī Kṛṣṇas. Auf dieser Stufe findet er Freude daran, im reinen hingebungsvollen Dienst über den Herrn zu hören und Ihn zu lobpreisen. Er ist davon überzeugt, daß so all seine Wünsche in Erfüllung gehen. Dieser entschlossene Glaube wird dṛḍha-vrata genannt und bildet den Anfang von bhakti-yoga, dem transzendentalen liebevollen Dienst. So lautet die Aussage aller Schriften. Und das Siebte Kapitel der Bhagavad-gītā beschreibt das Wesen und den Kern dieser Überzeugung.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Siebten Kapitel der Śrīmad Bhagavad-gītā mit dem Titel: „Wissen vom Absoluten“.