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SECHZEHNTES KAPITEL

Die göttlichen und die dämonischen Eigenschaften

Text

śrī-bhagavān uvāca
abhayaṁ sattva-saṁśuddhir
jñāna-yoga-vyavasthitiḥ
dānaṁ damaś ca yajñaś ca
svādhyāyas tapa ārjavam
ahiṁsā satyam akrodhas
tyāgaḥ śāntir apaiśunam
dayā bhūteṣv aloluptvaṁ
mārdavaṁ hrīr acāpalam
tejaḥ kṣamā dhṛtiḥ śaucam
adroho nāti-mānitā
bhavanti sampadaṁ daivīm
abhijātasya bhārata

Synonyms

śrī-bhagavān uvāca — die Höchste Persönlichkeit Gottes sprach; abhayam — Furchtlosigkeit; sattva-saṁśuddhiḥ — Läuterung des Daseins; jñāna — in Wissen; yoga — des Verbindens; vyavasthitiḥ — die Stellung; dānam — Mildtätigkeit; damaḥ — Beherrschung des Geistes; ca — und; yajñaḥ — Ausführung von Opfern; ca — und; svādhyāyaḥ — Studium der vedischen Schriften; tapaḥ — Entsagung; ārjavam — Einfachheit; ahiṁsā — Gewaltlosigkeit; satyam — Wahrhaftigkeit; akrodhaḥ — Freisein von Zorn; tyāgaḥ — Entsagung; śāntiḥ — Ausgeglichenheit; apaiśunam — Abneigung gegen Fehlerfinden; dayā — Barmherzigkeit; bhūteṣu — gegenüber allen Lebewesen; aloluptvam — Freisein von Gier; mārdavam — Freundlichkeit; hrīḥ — Bescheidenheit; acāpalam — Entschlossenheit; tejaḥ — Stärke; kṣamā — Nachsicht; dhṛtiḥ — Standhaftigkeit; śaucam — Sauberkeit; adrohaḥ — Freisein von Neid; na — nicht; ati-mānitā — Erwartung von Ehre; bhavanti — sind; sampadam — die Eigenschaften; daivīm — die transzendentale Natur; abhijātasya — von jemandem, der geboren wurde mit; bhārata — o Nachkomme Bharatas.

Translation

Die Höchste Persönlichkeit Gottes sprach: Furchtlosigkeit, Läuterung des Daseins, Kultivierung spirituellen Wissens, Mildtätigkeit, Selbstbeherrschung, Darbringung von Opfern, Studium der Veden, Entsagung, Einfachheit, Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Freisein von Zorn, Entsagung, Ausgeglichenheit, Abneigung gegen Fehlerfinden, Mitleid mit allen Lebewesen, Freisein von Habsucht, Freundlichkeit, Bescheidenheit, feste Entschlossenheit, Stärke, Nachsicht, Standhaftigkeit, Sauberkeit und das Freisein von Neid und dem leidenschaftlichen Verlangen nach Ehre – diese transzendentalen Eigenschaften, o Nachkomme Bharatas, zeichnen heilige Menschen aus, die von göttlicher Natur sind.

Purport

ERLÄUTERUNG: Zu Beginn des Fünfzehnten Kapitels wurde der Banyanbaum der materiellen Welt erklärt. Die Nebenwurzeln dieses Baumes wurden mit den Tätigkeiten der Lebewesen verglichen, von denen einige glückbringend und andere unglückbringend sind. Und bereits im Neunten Kapitel wurden die devas, diejenigen, die zur göttlichen Natur gehören, und die asuras, die gottlosen Menschen oder Dämonen, beschrieben. Den vedischen Anleitungen gemäß gelten Tätigkeiten in der Erscheinungsweise der Tugend als günstig für den Fortschritt auf dem Pfad der Befreiung, und solche Tätigkeiten sind daivī prakṛti, von Natur aus transzendental. Diejenigen, die in der transzendentalen Natur gründen, schreiten auf dem Pfad der Befreiung vorwärts. Aber für diejenigen, die in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit handeln, besteht keine Aussicht auf Befreiung. Sie werden in der materiellen Welt entweder als Menschen bleiben müssen, oder sie werden auf die Stufe der Tiere oder sogar zu noch niedrigeren Lebensformen absinken. Hier im Sechzehnten Kapitel erklärt der Herr sowohl die transzendentale Natur als auch die dämonische Natur und die jeweiligen Eigenschaften, die dazugehören. Außerdem erklärt Er die Vor- und Nachteile dieser Eigenschaften.

Das Wort abhijātasya, das sich auf einen Menschen bezieht, der von Geburt an transzendentale Eigenschaften und göttliche Neigungen aufweist, ist sehr bedeutsam. Ein Kind in einer gottesbewußten Atmosphäre zu zeugen wird in den vedischen Schriften garbhādhāna- saṁskāra genannt. Wenn sich die Eltern ein Kind mit göttlichen Eigenschaften wünschen, sollten sie den zehn Prinzipien folgen, die für das gesellschaftliche Leben des Menschen empfohlen werden. Aus der Bhagavad-gītā haben wir bereits erfahren, daß sexuelle Betätigung mit der Absicht, ein gutes Kind zu zeugen, Kṛṣṇa Selbst ist. Sexualität wird nicht verurteilt, vorausgesetzt, man benutzt sie im Kṛṣṇa-Bewußtsein. Zumindest diejenigen, die sich dem Kṛṣṇa-Bewußtsein zugewandt haben, sollten Kinder nicht so zeugen, wie es die Katzen und Hunde tun, sondern auf eine Art und Weise, daß die Kinder nach der Geburt Kṛṣṇa- bewußt werden können. Hierin sollte der Vorteil eines Kindes bestehen, dessen Vater und Mutter ins Kṛṣṇa-Bewußtsein vertieft sind.

Die soziale Einrichtung des varṇāśrama-dharma, das heißt, die Einrichtung, die die Gesellschaft in vier Gruppen des sozialen Lebens und in vier berufliche Stände oder Kasten unterteilt, ist nicht dafür bestimmt, die menschliche Gesellschaft nach Geburt oder Herkunft zu unterteilen. Solche Einteilungen richten sich nach Qualifikationen in bezug auf persönliche Bildung. Sie sollen der Gesellschaft Frieden und Wohlstand gewährleisten. Die hier aufgeführten Eigenschaften werden als transzendental bezeichnet; sie sollen es dem Menschen ermöglichen, im spirituellen Verständnis fortzuschreiten, so daß er aus der materiellen Welt befreit werden kann.

In der varṇāśrama-Einrichtung gilt der sannyāsī, ein Mann im Lebensstand der Entsagung, als Kopf oder spiritueller Meister aller gesellschaftlichen Schichten und Lebensstände. Ein brāhmaṇa gilt als spiritueller Meister der anderen drei Gesellschaftsklassen, nämlich der kṣatriyas, vaiśyas und śūdras, doch ein sannyāsī, der an der Spitze der Gesellschaftseinrichtung steht, wird auch als spiritueller Meister der brāhmaṇas angesehen. Die erste Qualifikation eines sannyāsī sollte Furchtlosigkeit sein. Weil ein sannyāsī ganz auf sich selbst gestellt ist, ohne jede Unterstützung oder Garantie auf Unterstützung, muß er allein von der Barmherzigkeit der Höchsten Persönlichkeit Gottes abhängig sein. Wenn er denkt: „Wer wird mich beschützen, nachdem ich all meine Verbindungen aufgegeben habe?“, sollte er nicht in den Lebensstand der Entsagung treten. Man muß fest davon überzeugt sein, daß Kṛṣṇa, die Höchste Persönlichkeit Gottes, in Seinem lokalisierten Aspekt als Paramātmā ständig im Innern gegenwärtig ist, daß Er alles sieht und daß Er immer weiß, was man zu tun gedenkt. Man muß daher der festen Überzeugung sein, daß Sich Kṛṣṇa als Paramātmā einer Ihm ergebenen Seele annehmen wird. Man sollte denken: „Ich werde niemals allein sein. Selbst wenn ich im tiefsten Wald lebe, wird mich Kṛṣṇa begleiten und mir jeden Schutz gewähren.“ Diese Überzeugung wird abhayam, Furchtlosigkeit, genannt. Diese Geisteshaltung ist für einen Menschen im Lebensstand der Entsagung unbedingt notwendig.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, daß der sannyāsī seine Existenz läutern muß. Es gibt viele Regeln und Regulierungen, die im Lebensstand der Entsagung eingehalten werden müssen. Am wichtigsten ist, daß es einem sannyāsī streng verboten ist, mit einer Frau vertrauliche Beziehungen zu haben. Es ist ihm sogar verboten, mit einer Frau an einem einsamen Ort zu sprechen. Śrī Caitanya war ein vorbildlicher sannyāsī; als Er Sich in Purī aufhielt, war es Seinen weiblichen Geweihten nicht einmal gestattet, sich Ihm zu nähern, um Ihm ihre Achtung zu erweisen. Sie mußten sich aus der Entfernung vor Ihm verneigen. Das ist kein Zeichen von Haß gegen die Frauen, sondern es ist eine strenge Richtlinie, die dem sannyāsī auferlegt wird und die es ihm verbietet, engen Kontakt mit Frauen zu haben. Um seine Existenz zu läutern, muß man den Regeln und Vorschriften eines bestimmten Lebensstandes folgen. Einem sannyāsī sind Beziehungen zu Frauen und der Besitz von Reichtümern als Mittel zur Sinnenbefriedigung streng verboten. Śrī Caitanya Selbst war der ideale sannyāsī, und wir können aus Seinem Leben lernen, daß Er in bezug auf Frauen sehr strikt war. Obwohl Er als die großmütigste Inkarnation Gottes gilt, da Er die am tiefsten gefallenen bedingten Seelen annimmt, hielt Er Sich streng an die Regeln und Vorschriften, die im Lebensstand des sannyāsa in bezug auf Gemeinschaft mit Frauen gelten. Als einer Seiner persönlichen Gefährten, Choṭa Haridāsa, der zusammen mit einigen anderen Gottgeweihten eine sehr vertraute Beziehung zu Śrī Caitanya hatte, aus irgendeinem Grunde lustvoll nach einer jungen Frau schaute, war Śrī Caitanya so streng, daß Er ihn sogleich aus der Gemeinschaft Seiner persönlichen Gefährten ausschloß. Śrī Caitanya sagte: „Es ist auf das schärfste zu verurteilen, wenn ein sannyāsī oder jemand, der danach strebt, der Gewalt der materiellen Natur zu entkommen, um sich zur spirituellen Natur zu erheben und zurück nach Hause, zurück zu Gott, zu gehen, nach materiellem Besitz oder nach Frauen Ausschau hält, um seine Sinne zu befriedigen. Selbst wenn er sie nicht genießt, allein die Tatsache, daß er mit dieser Absicht auf sie blickt, ist so verwerflich, daß es besser wäre, zuvor Selbstmord zu begehen, als solch unzulässige Begierden in sich wach werden zu lassen.“ Dies sind die Vorgänge der Läuterung.

Der nächste Punkt ist jñāna-yoga-vyavasthiti, die Kultivierung von Wissen. Das Leben eines sannyāsī ist dafür bestimmt, Wissen an Haushälter und andere zu vermitteln, die ihr wirkliches Leben des spirituellen Fortschritts vergessen haben. Von einem sannyāsī wird erwartet, daß er von Tür zu Tür zieht, um seinen Lebensunterhalt zu erbetteln; aber das bedeutet nicht, daß er ein Bettler ist. Demut ist ebenfalls eine der Eigenschaften eines Menschen, der in der Transzendenz verankert ist, und aus reiner Demut zieht der sannyāsī von Tür zu Tür – nicht so sehr um des Bettelns willen, sondern vielmehr, um die Haushälter zu besuchen und in ihnen Kṛṣṇa-Bewußtsein zu erwecken. Das ist die Pflicht eines sannyāsī. Wenn er tatsächlich fortgeschritten ist und wenn es ihm von seinem spirituellen Meister so aufgetragen wurde, sollte er Kṛṣṇa- Bewußtsein mit Logik und Wissen predigen; wenn er jedoch nicht so weit fortgeschritten ist, sollte er nicht in den Lebensstand der Entsagung treten. Aber selbst wenn er den Lebensstand der Entsagung angenommen hat, ohne über ausreichendes Wissen zu verfügen, sollte er sich völlig damit beschäftigen, von einem echten spirituellen Meister zu hören, um dieses Wissen zu kultivieren. Ein sannyāsī, ein Mann im Lebensstand der Entsagung, muß in Furchtlosigkeit, sattva-saṁśuddhi (Reinheit) und jñāna-yoga (Wissen) verankert sein.

Der nächste Punkt ist Wohltätigkeit. Wohltätigkeit ist für die Haushälter bestimmt. Die Haushälter sollten ihren Lebensunterhalt auf ehrliche Weise verdienen und fünfzig Prozent ihres Einkommens ausgeben, um die Verbreitung von Kṛṣṇa-Bewußtsein überall auf der Welt zu unterstützen. Ein Haushälter sollte also Institutionen und Gesellschaften, die auf diese Weise tätig sind, Spenden zukommen lassen. Spenden müssen dem richtigen Empfänger gegeben werden. Wie später noch erklärt wird, gibt es verschiedene Arten von Spenden: Spenden in der Erscheinungsweise der Tugend, der Leidenschaft und der Unwissenheit. Spenden in der Erscheinungsweise der Tugend werden von den Schriften empfohlen, doch von Spenden in der Erscheinungsweise der Leidenschaft und Unwissenheit wird abgeraten, da sie nichts als Geldverschwendung sind. Spenden sollten nur gegeben werden, um Kṛṣṇa- Bewußtsein überall auf der Welt zu verbreiten. Das ist Wohltätigkeit in der Erscheinungsweise der Tugend.

Was dama (Selbstbeherrschung) betrifft, so ist dies vor allem für die Haushälter bestimmt und nicht nur für die anderen Lebensstände der religiösen Gesellschaft. Obwohl der Haushälter mit seiner Ehefrau zusammenlebt, sollte er seine Sinne nicht unnötig für Sexualität gebrauchen. Einschränkungen gibt es für die Haushälter sogar, was das Geschlechtsleben betrifft, denn Sexualität ist nur dafür bestimmt, Kinder zu zeugen. Wenn ein Haushälter keine Kinder benötigt, sollte er mit seiner Frau keine Sexualität genießen. In der modernen Gesellschaft wird Sexualität mit Hilfe empfängnisverhütender Mittel oder noch abscheulicheren Methoden genossen, um der Verantwortung, die das Zeugen von Kindern mit sich bringt, aus dem Weg zu gehen. Dies gehört nicht zu den transzendentalen Eigenschaften, sondern ist dämonisch. Jeder, der im spirituellen Leben Fortschritt machen will, auch ein Haushälter, muß seinen Geschlechtstrieb beherrschen. Man sollte kein Kind zeugen, ohne damit Kṛṣṇa dienen zu wollen. Wenn ein Haushälter fähig ist, Kinder zu zeugen, die Kṛṣṇa-bewußt werden, kann er Hunderte von Kindern zeugen, doch ohne diese Fähigkeit – nur um seine Sinne zu befriedigen – sollte man keinen Geschlechtsverkehr haben.

Auch das Darbringen von Opfern ist etwas, was für die Haushälter bestimmt ist, denn für Opfer ist ein großer Geldaufwand erforderlich. Diejenigen, die sich in den anderen Lebensständen befinden, nämlich brahmacarya, vānaprastha und sannyāsa, besitzen kein Geld; sie leben vom Betteln. Deshalb ist die Darbringung verschiedener Arten von Opfern für die Haushälter bestimmt. Sie sollten agni-hotra-Opfer ausführen, wie dies von den vedischen Schriften vorgeschrieben wird, doch solche Opfer sind in der heutigen Zeit sehr kostspielig, und daher ist es keinem Haushälter möglich, sie durchzuführen. Das beste Opfer, das für das gegenwärtige Zeitalter empfohlen wird, ist der saṅkīrtana- yajña. Dieser saṅkīrtana-yajña, das Chanten von Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare, ist das beste Opfer und kostet nichts – jeder kann daran teilnehmen und seinen Nutzen daraus ziehen. Diese drei Punkte, Wohltätigkeit, Sinnesbeherrschung und die Darbringung von Opfern, sind also für den Haushälter bestimmt.

Svādhyāya, das Studium der vedischen Schriften, ist für das brahmacarya, das Studentenleben, bestimmt. Brahmacārīs sollten keine Verbindung mit Frauen haben; sie sollten im Zölibat leben und den Geist auf das Studium der vedischen Schriften richten, um spirituelles Wissen zu entwickeln. Dies wird svādhyāya genannt.

Tapas, Entsagung, ist besonders für das Leben in Zurückgezogenheit bestimmt. Man sollte nicht das ganze Leben Haushälter bleiben, sondern sich stets daran erinnern, daß es vier Stufen des Lebens gibt: brahmacarya, gṛhastha, vānaprastha und sannyāsa. Nach dem Leben als gṛhastha, Haushälter, sollte man sich daher zurückziehen. Von hundert Lebensjahren sollte man fünfundzwanzig Jahre als Student verbringen, fünfundzwanzig Jahre im Haushälterleben, fünfundzwanzig Jahre im zurückgezogenen Leben und fünfundzwanzig Jahre im Lebensstand der Entsagung. Dies sind die Vorschriften für das religiöse Leben in der vedischen Kultur. Jemand, der sich vom Haushälterleben zurückgezogen hat, muß sich Enthaltung in bezug auf den Geist, den Körper und die Zunge auferlegen. Das ist tapasya. Die gesamte varṇāśrama-dharma- Gesellschaft ist für tapasya bestimmt. Ohne tapasya, Enthaltung, kann kein Mensch Befreiung erlangen. Die Theorie, Enthaltung sei im Leben nicht notwendig, sondern man könne fortfahren zu spekulieren und brauche sich um nichts zu sorgen, wird weder in den Veden noch in der Bhagavad-gītā unterstützt. Solche Theorien werden von Pseudospiritualisten fabriziert, die nur versuchen, viele Anhänger zu gewinnen. Sie befürchten, wenn es Einschränkungen, Regeln und Vorschriften gäbe, würden sich die Menschen nicht angezogen fühlen. Weil sie unter dem Deckmantel von Religion Anhänger gewinnen wollen, nur um andere zu beeindrucken, gibt es weder im Leben ihrer Mitglieder noch in ihrem eigenen Leben Einschränkungen. Aber solche Methoden werden von den Veden nicht gutgeheißen.

Was die brahmanische Eigenschaft der Einfachheit betrifft, so sollte nicht nur ein bestimmter Lebensstand, sondern jedes Mitglied der Gesellschaft diesem Prinzip folgen – ganz gleich ob man im brahmacārī- āśrama, gṛhastha-āśrama, vānaprastha-āśrama oder sannyāsa-āśrama lebt. Man sollte sehr einfach und unkompliziert sein.

Ahiṁsā bedeutet, das fortschreitende Leben aller Lebewesen nicht aufzuhalten. Weil der spirituelle Funke nie getötet werden kann, selbst wenn man den Körper tötet, sollte man nicht denken, man dürfe deshalb um der Sinnenbefriedigung willen Tiere töten. Heutzutage sind die Menschen süchtig danach, Tiere zu essen, obwohl ihnen ausreichende Mengen an Getreide, Früchten und Milch zur Verfügung stehen. Es besteht keine Notwendigkeit, Tiere zu schlachten. Diese Anweisung gilt für jeden. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, kann man auch ein Tier töten, doch dann sollte es als Opfer dargebracht werden. Auf jeden Fall – besonders dann, wenn der Menschheit genügend Nahrungsmittel zur Verfügung stehen – sollten diejenigen, die in spiritueller Erkenntnis Fortschritte machen wollen, den Tieren keine Gewalt antun. Wirkliche ahiṁsā bedeutet, das fortschreitende Leben eines Lebewesens nicht aufzuhalten. Auch die Tiere machen evolutionären Fortschritt, indem sie von einer tierischen Lebensform zur nächsten wandern. Wenn ein Tier getötet wird, wird dadurch sein Fortschritt aufgehalten. Ein Tier muß für eine bestimmte Anzahl von Tagen oder Jahren in einem bestimmten Körper bleiben, doch wenn es vorzeitig getötet wird, muß es noch einmal in die gleiche Lebensform zurückkehren und dort die noch ausstehenden Tage verbringen, bevor es zur nächsten Lebensform erhoben werden kann. Ihr Fortschritt sollte also nicht unterbrochen werden, nur weil man seinen Gaumen befriedigen will. Dies wird ahiṁsā genannt.

Satyam. Dieses Wort bedeutet, daß man die Wahrheit nicht aus persönlichen Motiven verdrehen soll. In den vedischen Schriften gibt es einige schwierige Stellen, und um die Bedeutung und das letztliche Ziel dieser Aussagen richtig zu verstehen, muß man sich an einen echten spirituellen Meister wenden. Das ist der Vorgang, um die Veden zu verstehen. Śruti bedeutet, daß man von einer Autorität hören muß. Man darf nicht aus persönlichem Interesse Interpretationen erfinden. Es gibt sehr viele Kommentare zur Bhagavad-gītā, die den ursprünglichen Text falsch auslegen. Man muß die wahre Bedeutung der Worte präsentieren, und dies sollte von einem echten spirituellen Meister erlernt werden.

Akrodha bedeutet, den Zorn zu beherrschen. Selbst wenn man provoziert wird, sollte man duldsam sein, denn wenn man zornig wird, wird der ganze Körper vergiftet. Zorn ist ein Produkt der Erscheinungsweise der Leidenschaft und der Lust; wer in der Transzendenz verankert ist, sollte also niemals Zorn in sich aufkommen lassen. Apaiśunam bedeutet, daß man bei anderen nicht Fehler suchen soll und daß man sie nicht unnötig zurechtweisen soll. Natürlich hat es nichts mit Fehler finden zu tun, wenn man einen Dieb als Dieb bezeichnet, doch wenn jemand, der im spirituellen Leben Fortschritt machen will, einen ehrlichen Menschen als Dieb bezeichnet, begeht er ein großes Vergehen. Hrī bedeutet, sehr bescheiden zu sein und keine Handlungen zu begehen, die abscheulich sind. Acāpalam bedeutet Entschlossenheit. Ein Mensch sollte sich in seinen Bestrebungen nicht erregen oder entmutigen lassen. Man mag in seinen Bestrebungen manchmal Fehlschläge erleiden, aber man sollte dabei nicht zu klagen beginnen, sondern mit Geduld und Entschlossenheit seinen Fortschritt fortsetzen.

Das Wort tejas, das hier gebraucht wird, bezieht sich auf die kṣatriyas. Kṣatriyas sollten immer sehr stark sein, damit sie fähig sind, die Schwachen zu beschützen. Sie sollten nicht vorgeben, gewaltlos zu sein. Wenn es notwendig ist, müssen sie Gewalt anwenden. Aber jemand, der in der Lage ist, seinen Feind zu unterwerfen, kann unter gewissen Umständen auch Nachsicht zeigen. Geringere Vergehen wird er verzeihen.

Śaucam, Sauberkeit, bezieht sich nicht nur auf den Geist und den Körper, sondern auch auf das, was man tut. Dies gilt besonders für vaiśyas (Händler), die zum Beispiel keinen Schwarzhandel treiben sollten. Nāti-mānitā (keine Ehre erwarten) bezieht sich auf die śūdras, die Klasse der Arbeiter, die gemäß den Unterweisungen der Veden als die niedrigste der vier Klassen gelten. Sie sollten sich nicht unnötig auf Ansehen oder Ehre etwas einbilden, sondern sie sollten in ihrem Stand bleiben. Es ist die Pflicht der śūdras, den höheren Klassen Achtung zu erweisen, damit die soziale Ordnung aufrechterhalten bleibt.

All diese sechsundzwanzig Eigenschaften, die hier erwähnt wurden, sind transzendentale Eigenschaften. Jeder sollte sie entsprechend der gesellschaftlichen Klasse und dem Lebensstand, dem er angehört, entwickeln. Das ist die Bedeutung dieses Verses. Die materiellen Umstände sind Quellen des Leids, aber wenn alle Klassen von Menschen diese Eigenschaften durch Übung entwickeln, wird es möglich, daß sich die Menschen allmählich zur höchsten Stufe der transzendentalen Erkenntnis erheben.

Text

dambho darpo ’bhimānaś ca
krodhaḥ pāruṣyam eva ca
ajñānaṁ cābhijātasya
pārtha sampadam āsurīm

Synonyms

dambhaḥ — Stolz; darpaḥ — Überheblichkeit; abhimānaḥ — Selbstgefälligkeit; ca — und; krodhaḥ — Zorn; pāruṣyam — Grobheit; eva — gewiß; ca — und; ajñānam — Unwissenheit; ca — und; abhijātasya — von jemandem, der geboren wurde mit; pārtha — o Sohn Pṛthās; sampadam — die Eigenschaften; āsurīm — der dämonischen Natur.

Translation

Stolz, Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit, Zorn, Grobheit und Unwissenheit – diese Eigenschaften gehören zu denen, die von dämonischer Natur sind, o Sohn Pṛthās.

Purport

ERLÄUTERUNG: In diesem Vers wird der direkte Weg zur Hölle beschrieben. Die Dämonen wollen mit Religion und Fortschritt in der spirituellen Wissenschaft prahlen, obwohl sie die vorgeschriebenen Prinzipien nicht befolgen. Sie sind immer überheblich und stolz darauf, daß sie in irgendeiner Beziehung gelehrt sind oder daß sie über großen Reichtum verfügen. Sie wollen von anderen verehrt werden und verlangen Respekt, obwohl ihnen kein Respekt gebührt. Schon bei der geringsten Kleinigkeit werden sie sehr zornig und gebrauchen grobe, unfreundliche Worte. Sie wissen nicht, was getan werden muß und was nicht getan werden darf. Sie handeln stets launenhaft gemäß ihren eigenen Wünschen, und sie erkennen keine Autorität an. Diese dämonischen Eigenschaften nehmen sie schon mit dem Beginn ihres Körpers im Schoß ihrer Mutter an, und während sie heranwachsen, treten all diese unheilvollen Eigenschaften allmählich an den Tag.

Text

daivī sampad vimokṣāya
nibandhāyāsurī matā
mā śucaḥ sampadaṁ daivīm
abhijāto ’si pāṇḍava

Synonyms

daivī — transzendentale; sampat — Vorzüge; vimokṣāya — für Befreiung bestimmt; nibandhāya — für Bindung; āsurī — dämonische Eigenschaften; matā — werden angesehen als; — nicht; śucaḥ — sorge dich; sampadam — Vorzüge; daivīm — transzendentale; abhijātaḥ — geboren mit; asi — du bist; pāṇḍava — o Sohn Pāṇḍus.

Translation

Die transzendentalen Eigenschaften führen zu Befreiung, wohingegen die dämonischen Eigenschaften Gefangenschaft verursachen. Sorge dich nicht, o Sohn Pāṇḍus, denn du bist mit den göttlichen Eigenschaften geboren.

Purport

ERLÄUTERUNG: Um Arjuna zu ermutigen, sagt Śrī Kṛṣṇa hier zu ihm, daß er nicht von dämonischem Wesen sei. Daß Arjuna am Kampf teilnahm, war nicht dämonisch, denn er wägte das Für und Wider sorgfältig ab. Er überlegte sich, ob achtbare Persönlichkeiten wie Bhīṣma und Droṇa getötet werden sollten oder nicht; er handelte also nicht unter dem Einfluß von Zorn, falschem Stolz oder Grobheit. Er war daher nicht von dämonischer Natur. Für einen kṣatriya, einen Krieger, ist es transzendental, seine Feinde mit Pfeilen zu beschießen, und sich dieser Pflicht zu entziehen ist dämonisch. Daher gab es für Arjuna keinen Grund zu klagen. Jeder, der die regulierenden Prinzipien befolgt, die für seine jeweilige Stellung gelten, befindet sich auf der transzendentalen Ebene.

Text

dvau bhūta-sargau loke ’smin
daiva āsura eva ca
daivo vistaraśaḥ prokta
āsuraṁ pārtha me śṛṇu

Synonyms

dvau — zwei; bhūta-sargau — erschaffene Lebewesen; loke — in der Welt; asmin — diese; daivaḥ — göttlich; āsuraḥ — dämonisch; eva — gewiß; ca — und; daivaḥ — die göttlichen; vistaraśaḥ — sehr ausführlich; proktaḥ — gesagt; āsuram — die dämonischen; pārtha — o Sohn Pṛthās; me — von Mir; śṛṇu — höre.

Translation

O Sohn Pṛthās, in dieser Welt gibt es zwei Arten von erschaffenen Wesen. Die einen nennt man göttlich und die anderen dämonisch. Ich habe dir bereits ausführlich die göttlichen Eigenschaften erklärt. Höre jetzt von Mir über die dämonischen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Nachdem Śrī Kṛṣṇa Arjuna versichert hat, daß er mit göttlichen Eigenschaften geboren sei, beginnt Er nun, die Eigenschaften der Dämonen zu beschreiben. Die bedingten Lebewesen dieser Welt werden in zwei Gruppen unterteilt: diejenigen, die mit göttlichen Eigenschaften geboren sind, führen ein reguliertes Leben, das heißt, sie richten sich nach den Anweisungen der Schriften und der Autoritäten. Man sollte Pflichten im Licht der autoritativen Schriften ausführen; diese Haltung wird göttlich genannt. Wer den regulierenden Prinzipien, wie sie in den Schriften niedergelegt sind, nicht folgt, sondern launenhaft handelt, wird als dämonisch oder asurisch bezeichnet. Es gibt kein anderes Kriterium als Gehorsam gegenüber den regulierenden Prinzipien der Schriften. Es wird in den vedischen Schriften gesagt, daß die Halbgötter wie auch die Dämonen vom gleichen Prajāpati abstammen; der einzige Unterschied zwischen ihnen besteht darin, daß die einen den vedischen Anweisungen gehorchen und die anderen nicht.

Text

pravṛttiṁ ca nivṛttiṁ ca
janā na vidur āsurāḥ
na śaucaṁ nāpi cācāro
na satyaṁ teṣu vidyate

Synonyms

pravṛttim — richtiges Handeln; ca — auch; nivṛttim — nicht falsches Handeln; ca — und; janāḥ — Menschen; na — niemals; viduḥ — wissen; āsurāḥ — von dämonischer Eigenschaft; na — niemals; śaucam — Sauberkeit; na — nicht; api — auch; ca — und; ācāraḥ — Verhalten; na — niemals; satyam — Wahrheit; teṣu — in ihnen; vidyate — es gibt.

Translation

Diejenigen, die dämonisch sind, wissen nicht, was getan werden muß und was nicht getan werden darf. In ihnen ist weder Sauberkeit noch richtiges Verhalten, noch Wahrheit zu finden.

Purport

ERLÄUTERUNG: In jeder zivilisierten menschlichen Gesellschaft gibt es eine Reihe von schriftlich festgehaltenen Regeln und Vorschriften, die von Anbeginn an befolgt wurden. Diejenigen, die den Anweisungen der Schriften nicht folgen, werden als Dämonen bezeichnet, vor allem in einer Kultur von Āryas, das heißt denjenigen, die der vedischen Zivilisation folgen und die deshalb als die fortgeschrittensten und zivilisiertesten Menschen bezeichnet werden. Deshalb heißt es hier, daß die Dämonen die Regeln der Schriften nicht kennen und auch nicht die Neigung haben, ihnen zu folgen. Die meisten von ihnen kennen diese Regeln nicht, und selbst wenn es einige gibt, die sie kennen, sind sie nicht daran interessiert, ihnen zu folgen. Sie haben keinen Glauben und sind nicht gewillt, im Sinne der vedischen Unterweisungen zu handeln. Die Dämonen sind weder äußerlich noch innerlich sauber. Man sollte immer darauf achten, seinen Körper rein zu halten, indem man badet, sich die Zähne putzt, sich rasiert, die Kleider wechselt usw. Was die innere Sauberkeit betrifft, so sollte man sich ständig an die Heiligen Namen Gottes erinnern und Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare chanten. Die Dämonen mögen all diese Regeln für innere und äußere Sauberkeit nicht und befolgen sie daher auch nicht.

Es gibt viele Verhaltensmaßregeln und Anweisungen, die das Leben des Menschen bestimmen, wie zum Beispiel die Manu-saṁhitā, die das Gesetzbuch für die Menschheit ist. Diejenigen, die Hindus sind, folgen dieser Manu-saṁhitā sogar noch heute. Viele Gesetze, wie Erbrechte und andere, haben ihren Ursprung in diesem Buch. In der Manu- saṁhitā heißt es auch, daß Frauen keine Freiheit gegeben werden sollte. Dies bedeutet nicht, daß man sie wie Sklaven halten soll; doch sie sind wie Kinder. Kindern gewährt man keine Freiheit, aber das bedeutet nicht, daß man sie wie Sklaven hält. Die Dämonen mißachten heute diese Anweisung völlig und vertreten die Ansicht, man solle den Frauen ebensoviel Freiheit gewähren wie den Männern. Dies jedoch hat den sozialen Zustand der Welt nicht verbessert. Eigentlich sollte eine Frau in jedem Stadium ihres Lebens beschützt werden. In der Kindheit sollte sie von ihrem Vater beschützt werden, in der Jugend von ihrem Ehemann und im Alter von ihren erwachsenen Söhnen. Dies sind gemäß der Manu-saṁhitā die Verhältnisse, die in einer menschlichen Gesellschaft herrschen sollten. Doch die moderne Erziehung hat künstlich eine falsche, stolze Vorstellung von der Rolle der Frau geschaffen, und aus diesem Grund existiert die Ehe heute in der menschlichen Gesellschaft praktisch nur noch in der Vorstellung. Die sozialen Voraussetzungen der Frauen sind gegenwärtig also nicht sehr vorteilhaft, obwohl verheiratete Frauen sich in einer besseren Situation befinden als diejenigen Frauen, die ihre sogenannte Freiheit kundtun. Die Dämonen beherzigen also keinen der Ratschläge, die für die Gesellschaft so notwendig wären, und weil sie den Erfahrungen der großen Weisen und den von ihnen niedergelegten Regeln und Vorschriften nicht folgen, ist die Gesellschaft der Dämonen in einem sehr schlechten Zustand.

Text

asatyam apratiṣṭhaṁ te
jagad āhur anīśvaram
aparaspara-sambhūtaṁ
kim anyat kāma-haitukam

Synonyms

asatyam — unwirklich; apratiṣṭham — ohne eine Grundlage; te — sie; jagat — die kosmische Manifestation; āhuḥ — sagen; anīśvaram — ohne Herrscher; aparaspara — ohne Ursache; sambhūtam — entstanden; kim anyat — es gibt keine andere Ursache; kāma-haitukam — sie ist nur auf Lust zurückzuführen.

Translation

Sie sagen, die Welt sei unwirklich, sie habe keine Grundlage und es gebe keinen Gott, der sie beherrsche. Sie sagen, sie sei durch sexuelles Verlangen erzeugt worden und habe keine andere Ursache als Lust.

Purport

ERLÄUTERUNG: Die Dämonen gelangen zu dem Schluß, die Welt sei ein Trugbild, es gebe keine Ursache und keine Wirkung, keinen Herrscher und keinen Sinn: alles sei unwirklich. Sie sagen, die kosmische Manifestation sei durch zufällige materielle Aktionen und Reaktionen entstanden. Sie glauben nicht, daß die Welt von Gott für einen bestimmten Zweck geschaffen wurde. Sie haben ihre eigene Theorie, nach der die Welt von selbst entstanden ist, und sie sagen, es gebe keinen Grund zu glauben, daß hinter ihr ein Gott stehe. Für sie gibt es keinen Unterschied zwischen spiritueller Seele und Materie, weshalb sie auch die höchste spirituelle Seele nicht anerkennen. Sie sagen, alles sei nur Materie, und der gesamte Kosmos sei eine Masse von Unwissenheit. Sie behaupten, alles sei leer und alles, was wir wahrnehmen, existiere nur aufgrund unserer von Unwissenheit bedeckten Sicht. Sie halten es für erwiesen, daß jegliche Manifestation von Vielfalt eine Entfaltung von Unwissenheit ist. Es sei genauso wie mit einem Traum, in dem wir so viele Dinge sehen, die in Wirklichkeit nicht existieren. Wenn wir aufwachen, würden wir erkennen, daß alles nur ein Traum war. Aber obwohl die Dämonen sagen, das Leben sei nur ein Traum, sind sie sehr geschickt darin, diesen Traum zu genießen, und statt Wissen zu erwerben, verstricken sie sich immer mehr in ihr Traumland. Ihrer Ansicht nach entsteht die Welt ohne die Gegenwart einer Seele, ebenso wie sie glauben, ein Kind sei lediglich die Folge der Verbindung von Mann und Frau. Sie glauben, es sei nur eine Verbindung von Materie, die die Lebewesen erzeugt habe; von der Existenz einer Seele könne keine Rede sein. Ebenso wie viele Geschöpfe ohne Ursache aus Schweiß oder aus einem toten Körper entständen, so sei auch die gesamte lebendige Welt aus den materiellen Verbindungen der kosmischen Manifestation entstanden. Daher sei die materielle Natur die Ursache dieser Manifestation und es gäbe keine andere Ursache. Sie glauben nicht an Kṛṣṇas Worte in der Bhagavad-gītā: mayādhyakṣeṇa prakṛtiḥ sūyate sa- carācaram. „Unter Meiner Führung bewegt sich die gesamte materielle Welt.“ Mit anderen Worten, die Dämonen haben kein vollkommenes Wissen von der Schöpfung der Welt; jeder von ihnen hat seine eigene Theorie. Ihrer Meinung nach ist jede Interpretation der Schriften so gut wie jede andere, denn sie glauben nicht, daß es für das Verständnis der Unterweisungen der Schriften einen absoluten Maßstab gibt.

Text

etāṁ dṛṣṭim avaṣṭabhya
naṣṭātmāno ’lpa-buddhayaḥ
prabhavanty ugra-karmāṇaḥ
kṣayāya jagato ’hitāḥ

Synonyms

etām — diese; dṛṣṭim — Sicht; avaṣṭabhya — annehmend; naṣṭa — verloren habend; ātmānaḥ — sich selbst; alpa-buddhayaḥ — die Unintelligenten; prabhavanti — entwickeln; ugra-karmāṇaḥ — mit leidbringenden Tätigkeiten beschäftigt; kṣayāya — für die Zerstörung; jagataḥ — der Welt; ahitāḥ — unheilvoll.

Translation

Weil die Dämonen, die sich selbst ausgeliefert sind und die keine Intelligenz besitzen, sich nach solchen Schlußfolgerungen richten, gehen sie unheilvollen, abscheulichen Tätigkeiten nach, die dafür bestimmt sind, die Welt zu zerstören.

Purport

ERLÄUTERUNG: Die Dämonen gehen Tätigkeiten nach, die die Welt ins Verderben stürzen werden. Der Herr sagt hier, daß sie unintelligent sind. Die Materialisten, die keine Vorstellung von Gott haben, glauben, sie würden Fortschritt machen, doch gemäß der Bhagavad-gītā sind sie unintelligent und ohne jede Vernunft. Sie versuchen, die materielle Welt bis zum äußersten zu genießen, und erfinden daher immer wieder etwas Neues für die Befriedigung ihrer Sinne. Ihre materialistischen Erfindungen gelten als Fortschritt der menschlichen Gesellschaft, doch als Folge solcher Erfindungen werden die Menschen immer gewalttätiger und grausamer – grausam zu Tieren und grausam zu anderen Menschen. Sie haben keine Ahnung, wie sie sich anderen Lebewesen gegenüber zu verhalten haben. Daher ist unter solchen dämonischen Menschen das Töten von Tieren etwas Selbstverständliches. Diese Menschen müssen als Feinde der Welt angesehen werden, da sie früher oder später etwas erfinden oder schaffen werden, was allen die Vernichtung bringen wird. Indirekt sagt dieser Vers die Erfindung der Nuklearwaffen voraus, auf die heute die ganze Welt so stolz ist. Jeden Augenblick kann ein Krieg ausbrechen, in dem diese atomaren Waffen verheerenden Schaden anrichten können. Solche Dinge werden einzig und allein für die Zerstörung der Welt geschaffen, und das wird hier angedeutet. Derartige Waffen werden erfunden, wenn die menschliche Gesellschaft gottlos ist; sie sind nicht für den Frieden und den Wohlstand der Welt bestimmt.

Text

kāmam āśritya duṣpūraṁ
dambha-māna-madānvitāḥ
mohād gṛhītvāsad-grāhān
pravartante ’śuci-vratāḥ

Synonyms

kāmam — Lust; āśritya — Zuflucht suchend bei; duṣpūram — unersättlich; dambha — von Stolz; māna — und falscher Ehre; mada-anvitāḥ — vertieft in Einbildung; mohāt — durch Illusion; gṛhītvā — nehmend; asat — unbeständige; grāhān — Dinge; pravartante — sie entwickeln; aśuci — dem Unsauberen; vratāḥ — verschworen.

Translation

Die Dämonen, die bei unersättlicher Lust Zuflucht suchen und von Stolz und falscher Ehre berauscht sind, befinden sich auf diese Weise in tiefer Illusion. Bezaubert vom Unbeständigen, sind sie immer unreinen Tätigkeiten verschworen.

Purport

ERLÄUTERUNG: Hier wird die dämonische Mentalität beschrieben. Die Lust der Dämonen kann niemals gesättigt werden, und so steigern sich ihre unersättlichen Wünsche nach materiellem Genuß immer mehr. Obwohl sie ständig voller Ängste sind, weil sie sich mit vergänglichen Dingen bereichern wollen, gehen sie in ihrer Illusion weiterhin solchen Tätigkeiten nach. Sie haben kein Wissen und können nicht erkennen, daß sie sich in die falsche Richtung bewegen. Da solche dämonischen Menschen vergängliche Dinge annehmen, schaffen sie sich ihren eigenen Gott und ihre eigenen Hymnen und chanten dementsprechend. Als Folge davon fühlen sie sich immer mehr zu zwei Dingen hingezogen: zu sexuellem Genuß und zur Anhäufung von materiellem Reichtum. Das Wort aśuci-vratāḥ, „unreine Gelübde“, ist in diesem Zusammenhang sehr bedeutsam. Solche dämonischen Menschen fühlen sich nur zu Wein, Frauen, Glücksspiel und Fleischessen hingezogen; das sind ihre unreinen Gewohnheiten (aśuci). Von Stolz und Geltungssucht getrieben, schaffen sie sich ihre eigenen religiösen Prinzipien, die von den Unterweisungen der Veden mißbilligt werden. Obwohl diese dämonischen Menschen höchst verabscheuenswert sind, werden sie durch künstliche Mittel von der Welt mit falscher Ehre bedacht. Obwohl sie zur Hölle hinabgleiten, halten sie sich für sehr fortgeschritten.

Text

cintām aparimeyāṁ ca
pralayāntām upāśritāḥ
kāmopabhoga-paramā
etāvad iti niścitāḥ
āśā-pāśa-śatair baddhāḥ
kāma-krodha-parāyaṇāḥ
īhante kāma-bhogārtham
anyāyenārtha-sañcayān

Synonyms

cintām — Ängste und Sorgen; aparimeyām — unermeßliche; ca — und; pralaya-antām — bis zum Zeitpunkt des Todes; upāśritāḥ — Zuflucht gesucht habend bei; kāma-upabhoga — Sinnenbefriedigung; paramāḥ — das höchste Ziel des Lebens; etāvat — somit; iti — auf diese Weise; niścitāḥ — festgesetzt habend; āśā-pāśa — Verstrickung in ein Netz der Hoffnung; śataiḥ — von Hunderten; baddhāḥ — gebunden; kāma — von Lust; krodha — und Zorn; parāyaṇāḥ — immer mit dieser Geisteshaltung; īhante — sie wünschen; kāma — Lust; bhoga — Sinnesgenuß; artham — mit dem Ziel des; anyāyena — unrechtmäßig; artha — des Reichtums; sañcayān — Anhäufung.

Translation

Sie glauben, die Sinne zu befriedigen sei die vorrangigste Notwendigkeit für die menschliche Zivilisation. So sind ihre Ängste und Sorgen bis an ihr Lebensende unermeßlich. Durch ein Netz von Tausenden und Abertausenden von Wünschen gebunden und erfüllt von Lust und Zorn, verschaffen sie sich mit unrechtmäßigen Mitteln Geld für Sinnenbefriedigung.

Purport

ERLÄUTERUNG: Die Dämonen glauben, der Genuß der Sinne sei das endgültige Ziel des Lebens, und diese Auffassung vertreten sie bis zum Tode. Sie glauben nicht an ein Leben nach dem Tode, und sie glauben auch nicht, daß man gemäß seinem karma, seinen Tätigkeiten in dieser Welt, verschiedene neue Körper annimmt. Ihre Zukunftspläne haben kein Ende, und sie schmieden ständig neue Pläne, von denen keiner jemals zu Ende geführt wird. Uns ist persönlich der Fall eines Mannes bekannt, der eine solche dämonische Geisteshaltung hatte und noch im Tod den Arzt bat, sein Leben um vier Jahre zu verlängern, weil seine Pläne noch nicht vollendet waren. Solch törichte Menschen wissen nicht, daß ein Arzt das Leben nicht einmal um eine Sekunde verlängern kann. Wenn die Zeit gekommen ist, werden die Wünsche des Menschen nicht mehr berücksichtigt. Die Gesetze der Natur erlauben es ihm nicht, auch nur eine Sekunde länger zu genießen, als es ihm bestimmt ist.

Der dämonische Mensch, der nicht an Gott und die Überseele in seinem Innern glaubt, begeht alle Arten von Sünden, nur um seine Sinne zu befriedigen. Er weiß nichts von dem Zeugen, der in seinem Herzen weilt. Die Überseele beobachtet die Tätigkeiten der individuellen Seele. Die Upaniṣaden vergleichen dies mit zwei Vögeln, die auf demselben Baum sitzen; der eine ist tätig und genießt oder erleidet die Früchte des Baumes, und der andere beobachtet ihn als Zeuge. Wer jedoch von dämonischer Natur ist, kennt die vedischen Schriften nicht und würde auch nicht an sie glauben. Folglich denkt er, er habe die Freiheit, alles zu tun, was seine Sinne befriedigt, ungeachtet der Folgen.

Text

idam adya mayā labdham
imaṁ prāpsye manoratham
idam astīdam api me
bhaviṣyati punar dhanam
asau mayā hataḥ śatrur
haniṣye cāparān api
īśvaro ’ham ahaṁ bhogī
siddho ’haṁ balavān sukhī
āḍhyo ’bhijanavān asmi
ko ’nyo ’sti sadṛśo mayā
yakṣye dāsyāmi modiṣya
ity ajñāna-vimohitāḥ

Synonyms

idam — dies; adya — heute; mayā — von mir; labdham — gewonnen; imam — jenes; prāpsye — ich werde gewinnen; manaḥ-ratham — meinen Wünschen gemäß; idam — dies; asti — es gibt; idam — dies; api — auch; me — mein; bhaviṣyati — wird in der Zukunft anwachsen; punaḥ — wieder; dhanam — Reichtum; asau — dieser; mayā — von mir; hataḥ — wurde getötet; śatruḥ — Feind; haniṣye — ich werde töten; ca — auch; aparān — andere; api — gewiß; īśvaraḥ — der Herr; aham — ich bin; aham — ich bin; bhogī — der Genießer; siddhaḥ — vollkommen; aham — ich bin; bala-vān — mächtig; sukhī — glücklich; āḍhyaḥ — reich; abhijana-vān — umgeben von adligen Verwandten; asmi — ich bin; kaḥ — wer; anyaḥ — anderer; asti — existiert; sadṛśaḥ — wie; mayā — mich; yakṣye — ich werde opfern; dāsyāmi — ich werde Spenden geben; modiṣye — ich werde genießen; iti — auf diese Weise; ajñāna — durch Unwissenheit; vimohitāḥ — verblendet.

Translation

Der dämonische Mensch denkt: „So viel Reichtum besitze ich heute, und nach meinen Plänen werde ich noch mehr erlangen. So viel gehört mir jetzt, und es wird in Zukunft mehr und mehr werden. Dies ist mein Feind, und ich habe ihn umgebracht, und meine anderen Feinde werden ebenfalls getötet werden. Ich bin der Herr über alles. Ich bin der Genießer. Ich bin vollkommen, mächtig und glücklich. Ich bin der reichste Mann, umgeben von adligen Verwandten. Es gibt niemanden, der so mächtig und glücklich ist wie ich. Ich werde Opfer darbringen, ich werde einige Spenden geben, und so werde ich genießen.“ Auf diese Weise sind solche Menschen durch Unwissenheit verblendet.

Text

aneka-citta-vibhrāntā
moha-jāla-samāvṛtāḥ
prasaktāḥ kāma-bhogeṣu
patanti narake ’śucau

Synonyms

aneka — zahlreiche; citta — von Ängsten; vibhrāntāḥ — verwirrt; moha — von Illusionen; jāla — durch ein Netz; samāvṛtāḥ — umgeben; prasaktāḥ — angehaftet; kāma-bhogeṣu — an Sinnenbefriedigung; patanti — sie gleiten hinab; narake — zur Hölle; aśucau — unsauber.

Translation

Auf diese Weise von vielfachen Ängsten verwirrt und in einem Netzwerk von Illusionen gefangen, entwickeln sie zu starke Anhaftung an Sinnengenuß und fallen in die Hölle hinab.

Purport

ERLÄUTERUNG: Der dämonische Mensch kennt in seinem Verlangen, Geld anzuhäufen, keine Grenzen. Diese Verlangen sind grenzenlos. Er denkt nur daran, wieviel Besitz er jetzt gerade hat, und schmiedet Pläne, wie er diesen Reichtum investieren kann, um immer mehr Profit zu machen. Aus diesem Grund zögert er nicht, alle möglichen Missetaten zu begehen, und so treibt er Schwarzhandel, um sich seine sündhaften Wünsche zu erfüllen. Er ist von den Besitztümern verblendet, die er bereits sein eigen nennt, wie sein Land, seine Familie, sein Haus und sein Bankkonto, und er plant ständig, seinen Besitz zu vergrößern. Er vertraut auf seine eigene Stärke; er weiß nicht, daß er alles, was er gewinnt, aufgrund seiner vergangenen guten Taten bekommt. Er bekommt die Möglichkeit, solche Dinge anzuhäufen, aber er hat keine Ahnung von den Ursachen, die in der Vergangenheit liegen. Er denkt, daß er einfach durch seine eigene Bemühung zu diesem Reichtum gekommen sei. Ein dämonischer Mensch glaubt an die Macht seiner eigenen Arbeit und nicht an das Gesetz des karma. Nach dem Gesetz des karma sind es die guten Werke, die ein Mensch in der Vergangenheit ausgeführt hat, die verursachen, daß jemand in einer hohen Familie geboren wird oder Reichtum, Bildung oder körperliche Schönheit erlangt. Die Dämonen denken, all diese Dinge seien Zufall und seien auf ihre eigenen persönlichen Fähigkeiten zurückzuführen. Er sieht hinter der Vielfalt von Menschen, Schönheit und Bildung keine höhere Intelligenz. Jeder, der mit einem solchen dämonischen Menschen konkurriert, ist dessen Feind. Es gibt viele dämonische Menschen, und jeder ist der Feind des anderen. Diese Feindschaft wächst ständig – erst zwischen Personen, dann zwischen Familien, zwischen Gesellschaften und schließlich zwischen Nationen. Deshalb gibt es überall auf der Welt fortwährend Streit, Krieg und Feindschaft.

Jeder dämonische Mensch denkt, er könne auf Kosten aller anderen leben. Im allgemeinen hält sich ein dämonischer Mensch selbst für den Höchsten Gott, und dämonische Prediger verkünden ihren Anhängern: „Warum sucht ihr Gott woanders? Ihr selbst seid Gott! Tut, was euch gefällt! Glaubt nicht an Gott! Werft Gott fort! Gott ist tot!“ So predigen die Dämonen.

Obwohl der dämonische Mensch sieht, daß andere ebenso wohlhabend und einflußreich sind wie er selbst – oder ihn sogar übertreffen –, glaubt er, niemand sei reicher als er und niemand habe mehr Einfluß als er. Die Dämonen glauben nicht, daß es notwendig ist, yajñas, Opfer, auszuführen, um auf die höheren Planetensysteme erhoben zu werden. Die Dämonen denken, sie könnten sich ihre eigenen yajña-Vorgänge schaffen und irgendeine Maschine bauen, mit deren Hilfe sie fähig seien, jeden beliebigen höheren Planeten zu erreichen. Das beste Beispiel für einen solchen Dämon ist Rāvaṇa. Er legte dem Volk einen Plan vor, in dem er erklärte, er wolle eine Treppe bauen, mit deren Hilfe es jedem möglich sein werde, die höheren Planetensysteme zu erreichen, ohne die Opfer darbringen zu müssen, die in den Veden vorgeschrieben sind. Auch in der heutigen Zeit versuchen dämonische Menschen, die höheren Planetensysteme durch mechanische Vorrichtungen zu erreichen. Dies sind Beispiele von Verwirrung. Als Folge davon gleiten sie, ohne es zu wissen, zur Hölle hinab. In diesem Zusammenhang ist das Sanskritwort moha-jāla sehr bedeutsam. Jāla bedeutet „Netz“; wie für Fische, die in einem Netz gefangen sind, gibt es für solche Menschen kein Entrinnen.

Text

ātma-sambhāvitāḥ stabdhā
dhana-māna-madānvitāḥ
yajante nāma-yajñais te
dambhenāvidhi-pūrvakam

Synonyms

ātma-sambhāvitāḥ — selbstgefällig; stabdhāḥ — unverschämt; dhana- māna — von Reichtum und falscher Ehre; mada — in der Verblendung; anvitāḥ — versunken; yajante — sie führen Opfer aus; nāma — nur dem Namen nach; yajñaiḥ — mit Opfern; te — sie; dambhena — aus Stolz; avidhi-pūrvakam — ohne irgendwelchen Regeln und Vorschriften zu folgen.

Translation

Selbstgefällig und immer unverschämt, von Reichtum und falscher Ehre verblendet, führen sie manchmal voller Stolz Opfer durch, die nur dem Namen nach Opfer sind, und beachten dabei weder Regeln noch Vorschriften.

Purport

ERLÄUTERUNG: Die Dämonen vollziehen manchmal sogenannte religiöse Rituale oder Opfer, aber weil sie glauben, sie seien besser als alle anderen, setzen sie sich über jede Autorität und über jede Schrift hinweg. Und da sie keine Autorität anerkennen, sind sie sehr unverschämt. Eine solche Mentalität ist die Folge von Illusion, die durch Reichtum und falsche Ehre entsteht. Manchmal übernehmen solche Dämonen die Rolle von Predigern, führen die Menschen in die Irre und werden sogar als religiöse Reformatoren oder als Inkarnationen Gottes bekannt. Sie führen zur Schau Opfer aus oder verehren die Halbgötter, oder sie schaffen sich ihren eigenen Gott. Von gewöhnlichen Menschen werden sie dann als Gott bezeichnet und verehrt, und diejenigen, die töricht genug sind, glauben, sie seien in den Prinzipien der Religion und des spirituellen Wissens fortgeschritten. Sie kleiden sich in das Gewand derer, die im Lebensstand der Entsagung stehen, und treiben in diesem Gewand allen möglichen Unsinn. Für jemanden, der der Welt tatsächlich entsagt hat, gibt es viele Einschränkungen; die Dämonen jedoch kümmern sich nicht um solche Einschränkungen. Sie glauben, jeder könne seinen eigenen Weg erfinden und einen vorgeschriebenen Pfad, dem man folgen müsse, gebe es nicht. Das Wort avidhi-pūrvakam, das auf die Mißachtung der Regeln und Regulierungen hinweist, wird hier besonders betont. All diese Dinge haben ihre Ursache in Unwissenheit und Illusion.

Text

ahaṅkāraṁ balaṁ darpaṁ
kāmaṁ krodhaṁ ca saṁśritāḥ
mām ātma-para-deheṣu
pradviṣanto ’bhyasūyakāḥ

Synonyms

ahaṅkāram — falsches Ego; balam — Stärke; darpam — Stolz; kāmam — Lust; krodham — Zorn; ca — auch; saṁśritāḥ — Zuflucht gesucht bei; mām — Mich; ātma — in ihrem eigenen; para — und in anderen; deheṣu — Körpern; pradviṣantaḥ — lästernd; abhyasūyakāḥ — neidisch.

Translation

Verwirrt durch falsches Ego, Stärke, Stolz, Lust und Zorn, werden die Dämonen neidisch auf die Höchste Persönlichkeit Gottes, die in ihrem eigenen Körper und in den Körpern der anderen gegenwärtig ist, und lästern die wirkliche Religion.

Purport

ERLÄUTERUNG: Weil ein dämonischer Mensch immer gegen Gottes höchste Stellung ist, will er den Schriften keinen Glauben schenken. Er beneidet sowohl die Schriften als auch die Existenz der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Dies ist die Folge seines künstlichen Ansehens, seines angesammelten Reichtums und seiner Kraft. Er weiß nicht, daß das gegenwärtige Leben die Vorbereitung auf das nächste ist, und weil er dies nicht weiß, ist er im Grunde neidisch auf sein eigenes Selbst und neidisch auf andere. Er fügt anderen Körpern und seinem eigenen Körper Gewalt zu. Er kümmert sich nicht um die höchste Herrschaft der Persönlichkeit Gottes, denn er hat kein Wissen. Weil er die Schriften und die Höchste Persönlichkeit Gottes beneidet, verkündet er irreführende Theorien, die die Existenz Gottes leugnen, und lehnt die Autorität der Schriften ab. Bei allem, was er tut, hält er sich für unabhängig und sehr mächtig. Er denkt, weil niemand ihm an Stärke, Macht oder Reichtum gleichkomme, könne er nach Belieben handeln und niemand könne ihn dabei aufhalten. Wenn ein Feind auftaucht, der die Befriedigung seiner Sinne behindern könnte, schmiedet er Pläne, um ihn mit seiner Macht auszuschalten.

Text

tān ahaṁ dviṣataḥ krūrān
saṁsāreṣu narādhamān
kṣipāmy ajasram aśubhān
āsurīṣv eva yoniṣu

Synonyms

tān — jene; aham — Ich; dviṣataḥ — neidisch; krūrān — boshaft; saṁsāreṣu — in den Ozean des materiellen Daseins; nara-adhamān — die niedrigsten der Menschen; kṣipāmi — Ich setze; ajasram — für immer; aśubhān — unglückverheißend; āsurīṣu — dämonische; eva — gewiß; yoniṣu — in die Schöße.

Translation

Die Neidischen und Boshaften, die Niedrigsten unter den Menschen, werfe Ich unaufhörlich in den Ozean des materiellen Daseins, in die verschiedenen dämonischen Arten des Lebens.

Purport

ERLÄUTERUNG: In diesem Vers wird klar darauf hingewiesen, daß es das Vorrecht des höchsten Willens ist, eine bestimmte individuelle Seele in einen bestimmten Körper zu setzen. Der dämonische Mensch mag nicht damit einverstanden sein, die Oberhoheit des Herrn anzuerkennen – und es ist eine Tatsache, daß er nach seinen eigenen Launen handeln darf –, doch seine nächste Geburt wird von der Entscheidung der Höchsten Persönlichkeit Gottes abhängen, nicht von seiner eigenen. Im Dritten Canto des Śrīmad-Bhāgavatam heißt es, daß die individuelle Seele nach dem Tod in den Schoß einer Mutter gesetzt wird, wo sie unter der Aufsicht einer höheren Macht einen bestimmten Körper bekommt. Aus diesem Grund finden wir in der materiellen Welt so viele Lebensformen – Tiere, Insekten, Menschen usw. Sie alle existieren aufgrund der Vorkehrungen dieser höheren Macht, und nicht zufällig. Was die Dämonen betrifft, so heißt es hier unmißverständlich, daß sie unaufhörlich in die Schöße der Dämonen gesetzt werden, und so behalten sie ihren Neid und bleiben die niedrigsten der Menschen. So sind diese dämonischen Arten von Menschen immer voller Lust, immer gewalttätig und haßerfüllt und immer unsauber. Von den vielen verschiedenen Arten von Jägern, die im Dschungel leben, wird gesagt, daß sie zu dieser dämonischen Kategorie gehören.

Text

āsurīṁ yonim āpannā
mūḍhā janmani janmani
mām aprāpyaiva kaunteya
tato yānty adhamāṁ gatim

Synonyms

āsurīm — dämonische; yonim — Arten; āpannāḥ — bekommend; mūḍhāḥ — die Toren; janmani janmani — Geburt für Geburt; mām — Mich; aprāpya — ohne zu erreichen; eva — gewiß; kaunteya — o Sohn Kuntīs; tataḥ — danach; yānti — gehen; adhamām — verdammt; gatim — Bestimmung.

Translation

Da solche Menschen immer wieder unter den dämonischen Lebensformen geboren werden, o Sohn Kuntīs, können sie sich Mir niemals nähern. Nach und nach sinken sie in die abscheulichsten Formen des Daseins hinab.

Purport

ERLÄUTERUNG: Es ist bekannt, daß Gott allbarmherzig ist, doch hier sehen wir, daß Gott den Dämonen gegenüber niemals barmherzig ist. Es wird hier klar gesagt, daß die dämonischen Menschen Leben für Leben in die Schöße ähnlicher Dämonen gesetzt werden, und weil sie nicht die Barmherzigkeit des Höchsten Herrn erlangen, sinken sie immer tiefer hinab, bis sie zuletzt Körper wie die von Katzen, Hunden und Schweinen erhalten. Es heißt eindeutig, daß solche Dämonen praktisch keine Möglichkeit haben, auf irgendeiner Stufe ihres späteren Lebens die Barmherzigkeit Gottes zu erlangen. Auch in den Veden wird gesagt, daß solche Menschen allmählich so weit hinabsinken, daß sie zu Hunden und Schweinen werden. Hier könnte nun der Einwand erhoben werden, Gott könne nicht als allbarmherzig bezeichnet werden, wenn Er nicht auch den Dämonen gegenüber Barmherzigkeit zeige. Als Antwort auf diese Frage heißt es im Vedānta-sūtra, daß der Herr niemandem gegenüber Haß empfindet. Wenn Er die asuras, die Dämonen, auf die niedrigste Stufe des Lebens setzt, so ist das nur ein anderer Aspekt Seiner Barmherzigkeit. Manchmal werden die asuras vom Höchsten Herrn getötet, doch dieser Tod ist ebenfalls gut für sie, denn aus den vedischen Schriften erfahren wir, daß jeder, der vom Höchsten Herrn getötet wird, Befreiung erlangt. In der Geschichte gibt es viele Beispiele von asuras, wie Rāvaṇa, Kaṁsa und Hiraṇyakaśipu, vor denen der Herr als Inkarnation erschien, nur um sie zu töten. Den asuras wird also die Barmherzigkeit Gottes zuteil, wenn sie das Glück haben, von Ihm getötet zu werden.

Text

tri-vidhaṁ narakasyedaṁ
dvāraṁ nāśanam ātmanaḥ
kāmaḥ krodhas tathā lobhas
tasmād etat trayaṁ tyajet

Synonyms

tri-vidham — drei Arten von; narakasya — der Hölle; idam — dieser; dvāram — Tor; nāśanam — zerstörerisch; ātmanaḥ — des Selbst; kāmaḥ — Lust; krodhaḥ — Zorn; tathā — sowie; lobhaḥ — Gier; tasmāt — daher; etat — diese; trayam — drei; tyajet — man muß aufgeben.

Translation

Es gibt drei Tore, die zu dieser Hölle führen – Lust, Zorn und Gier. Jeder vernünftige Mensch sollte diese drei Dinge aufgeben, denn sie führen zur Erniedrigung der Seele.

Purport

ERLÄUTERUNG: Hier wird der Anfang dämonischen Lebens beschrieben. Zuerst versucht man, seine Lust zu befriedigen, und wenn dies nicht gelingt, entstehen Zorn und Gier. Ein vernünftiger Mensch, der nicht in die dämonischen Arten des Lebens hinabgleiten will, muß versuchen, diese drei Feinde abzuschütteln, die das Selbst so weit töten können, daß es ihm nicht mehr möglich sein wird, aus der materiellen Verstrickung frei zu werden.

Text

etair vimuktaḥ kaunteya
tamo-dvārais tribhir naraḥ
ācaraty ātmanaḥ śreyas
tato yāti parāṁ gatim

Synonyms

etaiḥ — von diesen; vimuktaḥ — befreit; kaunteya — o Sohn Kuntīs; tamaḥ- dvāraiḥ — von den Toren der Unwissenheit; tribhiḥ — der drei Arten; naraḥ — ein Mensch; ācarati — führt aus; ātmanaḥ — für das Selbst; śreyaḥ — Segnung; tataḥ — danach; yāti — er geht; parām — zum höchsten; gatim — Ziel.

Translation

Derjenige, der diesen drei Toren zur Hölle entgangen ist, o Sohn Kuntīs, führt Handlungen aus, die ihn zur Selbstverwirklichung erheben, und erreicht so allmählich das höchste Ziel.

Purport

ERLÄUTERUNG: Man sollte sich vor diesen drei Feinden des menschlichen Lebens – Lust, Zorn und Gier – sehr hüten. Je mehr ein Mensch von Lust, Zorn und Gier frei wird, desto reiner wird seine Existenz. Dann ist er in der Lage, den in den vedischen Schriften vorgeschriebenen Regeln und Regulierungen zu folgen. Wenn man die regulierenden Prinzipien des menschlichen Lebens einhält, erhebt man sich allmählich auf die Ebene spiritueller Erkenntnis. Wenn man das Glück hat, durch das Befolgen dieser Prinzipien die Ebene des Kṛṣṇa-Bewußtseins zu erreichen, ist der Erfolg sicher. In den vedischen Schriften werden die Wirkungsweisen von Aktion und Reaktion beschrieben, um den Menschen zu befähigen, auf die Stufe der Läuterung zu gelangen. Die ganze Methode basiert darauf, von Lust, Gier und Zorn frei zu werden. Indem man Wissen über diesen Vorgang entwickelt, kann man auf die höchste Stufe der Selbsterkenntnis erhoben werden; diese Selbsterkenntnis findet ihre Vollkommenheit im hingebungsvollen Dienst. Wenn sich die bedingte Seele im hingebungsvollen Dienst beschäftigt, ist ihr die Befreiung garantiert. Deshalb gibt es im vedischen Gesellschaftssystem die Einrichtung der vier gesellschaftlichen Klassen oder Kasten und der vier spirituellen Lebensstände. Für jede dieser Kasten und Lebensstände gibt es in der Gesellschaft verschiedene Regeln und Vorschriften, und wenn ein Mensch imstande ist, ihnen zu folgen, wird er von selbst auf die höchste Ebene spiritueller Erkenntnis erhoben. Dann wird ihm zweifellos Befreiung gewährt werden.

Text

yaḥ śāstra-vidhim utsṛjya
vartate kāma-kārataḥ
na sa siddhim avāpnoti
na sukhaṁ na parāṁ gatim

Synonyms

yaḥ — jemand, der; śāstra-vidhim — die Anweisungen der Schriften; utsṛjya — aufgebend; vartate — bleibt; kāma-kārataḥ — aufgrund von Lust launenhaft handelnd; na — niemals; saḥ — er; siddhim — Vollkommenheit; avāpnoti — erreicht; na — niemals; sukham — Glück; na — niemals; parām — die höchste; gatim — Stufe der Vollkommenheit.

Translation

Wer die Anweisungen der Schriften mißachtet und nach seinen eigenen Launen handelt, erreicht weder Vollkommenheit noch Glück, noch das höchste Ziel.

Purport

ERLÄUTERUNG: Wie zuvor beschrieben wurde, gibt es für jede Kaste und jeden Lebensstand der menschlichen Gesellschaft bestimmte Anweisungen der śāstras (śāstra-vidhi). Von jedem wird erwartet, daß er diese Regeln und Vorschriften einhält. Wenn man sie nicht einhält und launenhaft handelt, wie es seine Lust, seine Gier und seine Wünsche verlangen, wird man nie die Vollkommenheit des Lebens erreichen. Mit anderen Worten, wenn jemand dies alles theoretisch weiß, aber dieses Wissen nicht in seinem eigenen Leben anwendet, muß er als der niedrigste der Menschen angesehen werden. Von einem Menschen wird erwartet, daß er bei klarem Verstand ist und den Regulierungen folgt, die vorgeschrieben sind, um sich auf die höchste Stufe des Lebens zu erheben. Aber wenn er ihnen nicht folgt, erniedrigt er sich. Und selbst wenn er den Regeln und Regulierungen und den Moralprinzipien folgt, aber letztlich nicht zur Stufe kommt, wo er den Höchsten Herrn versteht, erweist sich all sein Wissen als wertlos. Und selbst wenn er akzeptiert, daß es einen Gott gibt, sich aber nicht in Seinem Dienst beschäftigt, bleiben seine Bemühungen immer noch wertlos. Deshalb sollte man sich allmählich auf die Ebene des Kṛṣṇa-Bewußtseins und des hingebungsvollen Dienstes erheben; erst dann, auf dieser Ebene, kann man die höchste Vollkommenheit erlangen, und nicht anders.

Das Wort kāma-kārataḥ ist sehr bedeutsam. Jemand, der wissentlich gegen die Regeln verstößt, handelt aus Lust. Obwohl er weiß, daß es verboten ist, tut er es dennoch. Das wird als launenhaftes Handeln bezeichnet. Und obwohl er weiß, daß etwas getan werden muß, tut er es nicht; aus diesen Gründen wird er launenhaft genannt. Solchen Menschen ist es bestimmt, vom Höchsten Herrn verdammt zu werden. Sie können nicht die Vollkommenheit erlangen, die für das menschliche Leben bestimmt ist. Das menschliche Leben ist ganz besonders dafür bestimmt, daß man sein Dasein läutert, und wer den Regeln und Regulierungen nicht folgt, kann weder geläutert werden noch die Ebene wahren Glücks erreichen.

Text

tasmāc chāstraṁ pramāṇaṁ te
kāryākārya-vyavasthitau
jñātvā śāstra-vidhānoktaṁ
karma kartum ihārhasi

Synonyms

tasmāt — daher; śāstram — die Schriften; pramāṇam — Beweis; te — deine; kārya — Pflicht; akārya — und verbotene Tätigkeiten; vyavasthitau — beim Bestimmen; jñātvā — kennend; śāstra — der Schriften; vidhāna — die Vorschriften; uktam — wie erklärt; karma — Handlung; kartum — handeln; iha — in dieser Welt; arhasi — du solltest.

Translation

Man sollte daher anhand der Unterweisungen der Schriften lernen, was Pflicht und was nicht Pflicht ist. Wenn man diese Regeln und Vorschriften kennt, sollte man so handeln, daß man allmählich erhoben wird.

Purport

ERLÄUTERUNG: Wie es im Fünfzehnten Kapitel heißt, sind alle Regeln und Vorschriften der Veden dafür bestimmt, Kṛṣṇa zu erkennen. Wenn man durch das Studium der Bhagavad-gītā Kṛṣṇa versteht und sich auf die Ebene des Kṛṣṇa-Bewußtseins erhebt, indem man hingebungsvollen Dienst ausführt, hat man die höchste Vollkommenheit des vedischen Wissens erreicht. Śrī Caitanya Mahāprabhu machte diesen Vorgang sehr leicht: Er bat die Menschen, einfach Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare zu chanten, sich im hingebungsvollen Dienst des Herrn zu beschäftigen und die Reste der Speisen zu sich zu nehmen, die der Bildgestalt geopfert wurden. Man sollte verstehen, daß jemand, der sich direkt in all diesen hingebungsvollen Tätigkeiten beschäftigt, bereits alle vedischen Schriften studiert und ihre Schlußfolgerung auf vollkommene Weise verstanden hat. Was die gewöhnlichen Menschen betrifft, die nicht im Kṛṣṇa-Bewußtsein leben und sich nicht im hingebungsvollen Dienst beschäftigen, so muß natürlich anhand der Anweisungen der Veden entschieden werden, was sie tun müssen und was sie nicht tun dürfen. Diesen Anweisungen sollte man widerspruchslos folgen. Das ist wahres Befolgen der Prinzipien der śāstra. Die śāstras sind frei von den vier grundlegenden Mängeln der bedingten Seele: unvollkommene Sinne, die Neigung zu betrügen, die Unvermeidbarkeit, Fehler zu begehen, und die Unvermeidbarkeit, in Illusion zu sein. Aufgrund dieser vier grundlegenden Mängel des bedingten Lebens ist der Mensch nicht in der Lage, eigene Regeln und Regulierungen aufzustellen. Weil die Regeln und Regulierungen der śāstras jedoch frei von diesen Mängeln sind, werden sie von allen großen Heiligen, ācāryas und großen Seelen unverändert anerkannt.

In Indien gibt es viele Gruppen mit verschiedensten spirituellen Auffassungen. Sie werden im allgemeinen in zwei Hauptgruppen unterteilt: die Unpersönlichkeitsanhänger und die Persönlichkeitsanhänger. Beide Gruppen jedoch führen ihr Leben in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Veden. Solange man nicht den Prinzipien der Schriften folgt, kann man sich nicht zur Stufe der Vollkommenheit erheben. Daher ist derjenige, der die wirkliche Bedeutung der śāstras versteht, wahrhaft vom Glück begünstigt.

Die fortschreitende Entartung der menschlichen Gesellschaft hat ihre Ursache darin, daß die Menschen die Prinzipien, die einen zur Erkenntnis der Höchsten Persönlichkeit Gottes führen, ablehnen. Dies ist das größte Vergehen im menschlichen Leben. Deshalb bereitet uns māyā, die materielle Energie der Höchsten Persönlichkeit Gottes, in Form der dreifachen Leiden ständig Schwierigkeiten. Diese materielle Energie setzt sich aus den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur zusammen. Man muß sich zumindest zur Erscheinungsweise der Tugend erheben, bevor sich einem der Pfad öffnet, auf dem man den Höchsten Herrn verstehen kann. Ohne sich zur Ebene der Erscheinungsweise der Tugend zu erheben, bleibt man in Unwissenheit und Leidenschaft, den Ursachen dämonischen Lebens. Diejenigen, die sich in den Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit befinden, verspotten die Schriften, verspotten die Heiligen und verspotten das richtige Verständnis der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Sie mißachten die Unterweisungen des spirituellen Meisters, und sie kümmern sich nicht um die Anweisungen der Schriften. Obwohl sie von der Herrlichkeit des hingebungsvollen Dienstes hören, verspüren sie keinerlei Anziehung. Folglich erfinden sie ihren eigenen Weg der Erhebung. Dies sind einige der Fehler und Irrtümer, durch die die menschliche Gesellschaft in ein dämonisches Dasein geführt wird. Wenn man jedoch die Hilfe eines echten und autorisierten spirituellen Meisters finden kann, der die Fähigkeit hat, einen zum Pfad der Erhebung, zu höheren Stufen des Daseins, zu führen, dann wird das Leben erfolgreich.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Sechzehnten Kapitel der Śrīmad Bhagavad-gītā mit dem Titel: „Die göttlichen und die dämonischen Eigenschaften“.